"Klangwelten" in Offenburg

Von Madagaskar in die Reithalle

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2017

Agus Supriwan und Wahyu Roche liefern sich zusammen mit Rüdiger Oppermann eine Trommelschlacht auf ihren Metallophonen. ©Jürgen Haberer

Das vor drei Jahrzehnten aus der Taufe gehobene Festivalformat »Klangwelten« reist in diesem Jahr von Persien über Java nach Madagaskar, kokettiert mit keltischen Klängen und den Rhythmen Indiens. Ein Jahr nach der großen Jubiläumstour zündet der Turbo allerdings spürbar auf Sparflamme.

Rüdiger Oppermann hätte sich 1987 selbst in seinen wildesten Träumen nicht vorstellen können, dass sein Festivalformat »Klangwelten« nach drei Jahrzehnten noch immer auf der Erfolgswelle reitet. Der musikalische Tausendsassa mit der keltischen Harfe, das im Elsass lebende Urgestein der Weltmusik, hat es aber über all die Jahre geschafft, das Publikum mit seinen musikalischen Streifzügen durch die ganze Welt bei der Stange zu halten. 

Musikalische Völkerschau
Sein Festivalformat gleicht einer musikalischen Völkerschau, die immer wieder Fenster öffnet und in fremde oder exotische Kulturen eintaucht. Die mittlerweile 32. Auflage seiner »Klangwelten« nimmt sich da nicht aus. Rüdiger Oppermann und der längst zum Inventar des Festivals zählende Inder Jatinder Thakur haben in diesem Jahr Musiker aus dem Iran, aus Madagaskar und Java eingeladen. Er selbst wirkt aber müde, das Festival scheint im eigenen Saft zu schmoren, obwohl zwei außergewöhnliche Duos mit am Start sind. 

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Archaische Vokallaute
Die beiden Männer aus Madagaskar sind verspätet eingestiegen, weil sie auf ihr Visum warten mussten. Die Musiker von der indonesischen Insel Java ziehen in Offenburg eine große Show ab. Sie trommeln sich die Seele aus dem Leib, wandeln mit ihren Metallophonen auf den Spuren eines winzigen Gamelan Orchesters, fordern sich mit archaischen Vokallauten immer wieder gegenseitig heraus. Agus Supriwan und Wahyu Roche liefern sich ganz nebenbei aber auch eine Trommelschlacht mit ihrem indischen Vetter Jatinder Thakur auf den Tablas.
Die beiden Madegassen stehen ihnen kaum nach. Monjamahafay Zeze ist ein Meister der Valihamarovany, einer beidseitig mit Saiten bespannten Holzkiste, die entfernt wie eine Harfe klingt. Gemeinsam mit seinem Begleiter Sambo (Percussions, Gesang) brennt er ein wunderbar zirkulierendes Feuerwerk ab, das nicht zuletzt auch mit einer temperamentvollen Bühnenshow überzeugt. 
Ganz anders die Klangreise des Iraners Mehrzad Azamika, der mit den poetischen längen der Kemeche, der persischen Geige verzaubert. Seine Musik fasziniert mit einer leisen Poesie, einer nach innen gekehrten Aura.

Das in seinen einzelnen Elementen überzeugende Konzert kann am Ende aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2017 das verbindende Element fehlt, dass das gemeinsame Musizieren zu kurz kommt. 
Die 31. Auflage des Festivals leidet auch darunter, dass »Klangwelten« in diesem Jahr unüberhörbar aus dem Spektrum der vergangenen Jahre schöpft, dass keine wirklich neuen Impulse zu erkennen sind.  

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