Weltmusik in der "Passerelle"-Konzertreihe in Kehl

"Welt-Kammermusik" mit dem Trio Zizal

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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14. Februar 2017

Sebastian Voltz (Klavier), David Ignatius (Violine) und Reiner Kuttenberger erhielten feurigen Beifall für ihre »Welt-Kammermusik«. ©Oscar Sala

Ein Gefühl für Weltmusik brachte das Trio Zizal am Sonntag nach Kehl in die Stadthalle im »Passerelle«-Konzert. Im Vordergrund standen Klezmer und Folklore.

Ein Hauch Klarinette hallt durch den Raum, das Klavier bricht sein Schweigen, dann gesellt sich die Geige geschwätzig hinzu – es ist das pulsierende Leben, es ist Klezmer. Wenn das Trio Zizal aufspielt, klingt es allerdings nach mehr: Sebastian Voltz (Klavier), David Ignatius (Violine) und Reiner Kuttenberger (Klarinette und Saxofon) orientieren sich zwar an der traditionellen jiddischen Hochzeitsmusik, doch die drei Musiker interpretieren sie vollkommen anders. Das Trio ging am Sonntag im Rahmen  der Weltmusik-Konzertreihe »Passerelles« auf eine Reise, die häufig auch beim Jazz und beim Swing Station machte. 

Selbst wenn der Name des Trios von der traditionellen jüdischen Musik geprägt ist,  Zizal ist keine Klezmer-Band im herkömmliche Sinne. Die drei klassisch ausgebildeten Virtuosen bezeichnen ihre Weltmusik-Mischung vielmehr als »Welt-Kammermusik«. »Klezmer ist unsere Start- und Landebahn. Dazwischen fliegen wir«, wie es Geiger David Ignatius treffend ausdrückt. Vor über 15 Jahren hatten sich die Zizal-Mitglieder im Zivildienst kennengelernt und als Trio zusammengefunden. Anfangs traten sie noch mit einem breiten Programm aus Oldies und Evergreens aus den 20er- und 30er-Jahren, schnell entwickelte sich jedoch die Liebe zum Klezmer als gemeinsame Musikgrundlage heraus. Zunächst orientierte sich Zizal stark an der traditionellen Klezmer-Musik, mittlerweile sind ihre Stücke eine Mischung aus festen Arrangements und Improvisation. Hier entstehen Klangstrukturen, die eine eigene Sprache sprechen – mal anrührend melancholisch und voller Wehmut, dann wieder mitreißend temperamentvoll. 

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Eigene Kompositionen
Neben Klezmer- und Folklore-Noten bekam das Publikum in der Kehler Stadthalle vor allem facettenreiche Kompositionen aus eigener Feder zu hören, die oftmals einen persönlichen Hintergrund haben. Zwischendurch erklang mit dem mazedonischem »Jovano« auch Traditionelles. Es waren zündende Rhythmen wie bei »September«,  bei denen die ausgelassene Seite der Musikgruppe im Vordergrund stand. Die Instrumente werden dabei voll beansprucht, Saiten werden gestrichen, auf dem Geigenkörper getrommelt. Gelegentlich sorgt ein »Cajón« für die rhythmische  Perkussion. 

Kuttenberger wechselt zwischen Klarinette, Bassklarinette und Saxofon – je nach Stimmung. Ausgesprochen experimentierfreudig war »Ningunun«: Zahlreiche Effekte mit den Instrumenten sorgten für überraschende Einsichten. Mit Melancholie und Poesie wird von der einsamen Insel »Isola« erzählt oder die griechische Nymphe Elara besungen  – ein eindringliches und intensives Hörerlebnis. Beim improvisationsgeprägten »Ratzefummel« trieben die Musiker sich gegenseitig zu instrumentalen Hochleistungen an. Warum aber dieses Stück so heißt, wussten sie nicht mehr so richtig zu erklären. 
Der einnehmende Klang der Harmonien und die Ausdruckskraft von Klavier, Geige und Klarinette bewegten. Die Bühnenprofis verstanden es ihrerseits, die Magie des Klezmer mit Vielfalt und Ideenreichtum lebendig werden zu lassen. Neben der brillanten Technik bestachen ihr Zusammenspiel und die Musizierlust. Fein gesponnene Harmonien und dissonante Farbtupfer ließen die Instrumente bis zum Schluss lachen, weinen und jauchzen. Feuriger Beifall. 

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