Konzerte in der Alten Kirche Fautenbach

Wie klingt Jazz auf Blockflöte?

Autor: 
Albrecht Zimmermann
Lesezeit 2 Minuten
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16. Oktober 2013
Fesselnd war das Konzert des Quartetts Flautando in der Alten Kirche Fautenbach.

Fesselnd war das Konzert des Quartetts Flautando in der Alten Kirche Fautenbach. ©Stephan Hund

Großer Jubel schon zur Pause im ersten Konzert der Kammermusikreihe in der Alten Kirche Fautenbach: Mit neuartigem Programm und 30 Blockflöten zur Auswahl hatte das Quartett Flautando Köln das Publikum im Handumdrehen erobert.

Das durch verschiedene Festivals weltweit bekannte Damenquartett Flautando öffnete dem lang unterschätzten Klangreich der Blockflöte überraschend neue Wege. Nur die kurze Einleitung von John Playford stammte aus der traditionellen Blockflöten-Ära, dem Barock. Danach lernte das erwartungsvolle Publikum in der Alten Kirche Fautenbach am Sonntag drei schwungvolle Arrangements von Kurt Weill, irische und türkische Folk-Klänge kennen, die viel Freude bereiteten.

Wie klingt Jazz auf Blockflöten? Antwort: kammermusikalisch apart – und fesselnd, wenn er rhythmisch so fantastisch versiert daherkommt, wenn die Synkopen so lustvoll-exakt ins Ohr gehen, wenn dazu noch ein akzentgebender Kontrabassist wie Tilman Schmidt und ein so geschmackvoller Schlagwerker wie Torsten Müller mitwirken. Letzterer verstand es, die Wucht des »normalen« Schlagwerks so dezent abzustufen, dass die berühmte »Night in Tunesia« von Gillespie im feineren Klangmuster der Flöten geradezu magisch-intim aufleuchten konnte. Im virtuosen »Tall P.« (1992) von Pete Rose zuckten durch das Imitat auch kurze Schlagzeug-Soli.

Hochverdient war der frenetische Beifall mit sich steigernden Bravos auch für die zahlreichen Gesangseinlagen, mit denen die Flötistin Ursula Thelen überraschte. Sie gab der Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper eine expressive Stimme und dem Surabaya-Johnny (»du Hund!«) aus »Happy End« das bedrohliche Format: »Warum bist du so roh, Johnny, / du hast kein Herz, Johnny,/ und ich liebe dich so«. Das war keine Schauerballaden-Gemütlichkeit, sondern aggressives Anspringen.

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Exotische Farben

Man konnte sich am Sonntag die Wirkung vorstellen, die Flautando beim Kurt-Weill-Festival in Dessau erreichte, wenn das Ensemble dort so eindrucksvoll wie in der Alten Kirche den Tango »Youkali«, von der entschwundenen Insel der Seligen, vortrug.

Vom Japaner Ryohei Hirose stammte das »Idyll« : Kühle Dissonanzen, aber auch warme Flötenakkorde tauchte der Schlagwerker mittels leisem Gong, Metallofon und anderen asiatischen Instrumenten in exotische Farben; sogar ein der Glasharmonika nachempfundenes Gebilde fand sich darunter.

Die vier Flöten allein gestalteten mit »Balkanology« von Jan Rokyta jr. (2007) eine köstlich erfrischende Tanzfolge, Musik mehr für die Hüften, aber sehr anspruchsvoll in ihrer Hervorbringung, worin die hohe, spitzzüngig-pfiffige Sopranino-Flöte den Klang hell aufmischte. Ein ironischer Zugaben-Verschnitt aus Brahms, Händel, Johann Strauß versetzte die Zuhörer noch mal in Hochstimmung. Ein verheißungsvoller Auftakt der Kammermusikreihe.

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