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Theaterstück "Der Vorname"

Wo die Toleranz Grenzen hat

Warum darf das Kind nicht Adolf heißen? / Komödie mit hervorragenden Akteuren
28. Februar 2014
&copy Oscar Sala

Darf man einem unschuldigen Baby den Namen eines Massenmörders geben? Was wäre, wenn jener »Adolf« etwa Paul geheißen hätte? Fragen, die das Theaterstück »Der Vorname« am Mittwochabend in der Kehler Stadthalle aufwarf.

Kehl. Wer bestimmt, was man darf und was nicht? Die Moral, die Konvention, die Geschichte ... Fragen über Fragen, die uns jeden Tag begegnen. Für die französischen Autoren Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte Grund genug, darüber ein Stück zu schreiben – eine Komödie natürlich. Mit »Der Vorname« konnte das Publikum in der Kehler Stadthalle wieder eine erfrischende Aufführung des Euro-Studio Landgraf genießen. Das Stück aus dem Jahr 2010 wurde bereits mit riesigem Erfolg in Paris auf der Bühne gezeigt. Knapp zwei Jahre später folgte die Verfilmung unter demselben Titel.
Die bewegte Geschichte entwickelt sich im trauten Wohnzimmer: Eigentlich sollte es ein gemütlicher Familienabend im Freundeskreis werden. In der stilvoll eingerichteten Wohnung des Literaturprofessors Pierre (Christian Kaiser) und seiner Frau Elisabeth (Anne Weinknecht) herrscht eine tolerante linksintellektuelle Atmosphäre. Zu Gast sind auch Elisabeths Bruder Vincent (Martin Lindow) mit seiner schwangeren Frau Anna (Julia Hansen) sowie Single Claude (Benjamin Kernen).
Als die zunächst harmlose Frage nach der Namenswahl des noch ungeborenen Sohnes fällt, verrät Vincent den Freunden den geplanten Vornamen: »Adolphe« – nach einem Roman-Held. Doch der Name klingt irgendwie suspekt. Die Adolf-Frage wird zum Ausgangspunkt einer erhitzten Diskussion, aus der sich die unterschiedlichsten »Das-geht-doch-gar-nicht-Themen« heraus entwickeln. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die vermeintliche Toleranz dieser aufgeklärten Kleingesellschaft doch nicht so groß ist wie zunächst vermutet. Im Laufe des Abends kommen einige Geheimnisse zutage, die den Familienfrieden gehörig durcheinander bringen.
»Der Vorname« erweist sich als recht einnehmendes und kurzweiliges Stück, das die dicken Pinselstriche einer turbulenten Salonkomödie aufweist. Trotz der mit Vehemenz ausgetragenen Diskussionen zwischen den Protagonisten geht hier die humorvolle Note nie verloren. Vielmehr wird die Komik behutsam entwickelt.  In einem meisterlichen Drahtseilakt pendelt die Handlung zwischen Drama und Lustspiel hin und her, kann dem Zuschauer immer wieder ein angenehmes Lächeln entlocken. Manche Situationen sind trotz des lautstarkem Streits gar zum Brüllen komisch, zumal sich viele im Publikum mit der gezeigten »Lebenswirklichkeit« auf der Bühne  sehr rasch anfreunden können – Familienstreitigkeiten gibt es wohl überall.
Realistisches Happy End
Engagiert machen sich die hervorragenden Schauspieler unter der Regie von Ulrich Stark ans Werk und lassen keinen Leerlauf aufkommen. Dabei harmoniert das fünfköpfige Ensemble bestens, wobei die männlichen Parts die dankbarsten Rollen haben. Zum Schluss gibt es doch noch ein Happy End – aber ein ausgesprochen realistisches. Das Publikum spendet begeisterten Beifall für anderthalb Stunden Unterhaltung auf hohem Niveau.
Allerdings ist »Der Vorname« mehr als bloß eine süß-saure Generationskomödie. Das Stück zeigt mitunter tiefe Abgründe, die in unserer Zeit unter dem beschönigenden Deckmantel der » Political Correctness« oftmals zerredet, trivialisiert oder verharmlost werden. Erst in der geschützten Intimität der Familie brechen manche längst vergessenen Vorurteile dann wieder voll auf.

Autor:
Oscar Sala

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