Satirisches im Stiftsschaffneikeller

Wortakrobat Joachim Zawischa gastierte erstmals in Lahr

Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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28. Februar 2018
Hintergründig mit Wandergitarre: Satiriker Joachim Zawischa.

Hintergründig mit Wandergitarre: Satiriker Joachim Zawischa. ©Jürgen Haberer

»Vorn ist hinten« lautet das Motto von Joachim Zawischa, einem gelernten Theologen und klassischen Späteinsteiger in Sachen Kabarett. Am Samstagabend gastierte der Wahlhamburger mit sächsischen Wurzeln erstmals im Stiftsschaffneikeller in Lahr.

Der seit seinem Kabarettdebüt im Jahr 2010 mit namhaften Kleinkunstpreisen überhäufte Satiriker macht es dem Publikum nicht ganz leicht. Sein Tonfall ist theologisch gediegen, wenn er sich nicht gerade über die soziale Ungleichheit im Lande aufregt. Sein Rhythmus gewöhnungsbedürftig, vor allem dann, wenn er das Pferd wieder einmal genüsslich von hinten aufzäumt. Wenn er dann noch ins Sächsische zurückfällt, grinsen die Abgründe des real existierenden Sozialismus der früheren DDR und Erich Honecker frech um die Ecke. 

Joachim Zawischa macht in doppelter Hinsicht keinen Hehl aus seiner Herkunft. Der Ossi schwingt bei ihm ebenso mit wie der Theologe. Er lullt ein auf dem Weg in Richtung Pointe und Sinnfragen, greift zur Wandergitarre, um die Auseinandersetzung mit der Absurdität des Alltags in der Geste des Liedermachers aufzubereiten.
Sein Auftritt im Keller des Lahrer Kulturkreis zeigte aber auch auf, dass es gefährlich ist, sich einfach nur zurückzulehnen. Überall lauern die Fallstricke wie die bunten Gummibärchen neben der Kasse im Baumarkt. Joachim Zawischas Wortakrobatik lässt immer wieder offen, wo er eigentlich hin will. Die schalkhafte Humoreske versperrt erst einmal dem Blick auf die satirischen Messer, die im Hintergrund längst gewetzt werden, die Sense, die zum Schwung ausholt. 

Ein Samstagnachmittag bei Ikea ist spaßig, auch wenn am Ende viel Plunder im Einkaufskorb landet. Die dringend benötigte Matratze fällt dabei aber ebenso durch den Rost wie die eigenen Kinder, die schlichtweg in der Spielecke vergessen werden. Horoskope verbreiten Mumpitz und allgemeingültige Plattitüden. Sie klingen aber auch wie Blaupausen für politische Statements und Parteiprogramme, wenn der individuelle Bezug auf den Leser durch ein kraftvolles »Wir« ersetzt wird. Am Ende steht dann die Frage im Raum, ob wir am Sonntag nun Widder oder Stier, womöglich gar Jungfrau gewählt haben. Ein Volk, das Kochshows liebt, darf sich eben nicht wundern, wenn es abends in die Pfanne gehauen wird und im Supermarkt Lasagne mit Pferdefleisch kauft.

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Alle bekamen das Fett weg

Irgendwie bekommt so im Laufe des Abends jeder sein Fett ab. Die Medienlandschaft gerät ebenso in das Visier von Joachim Zawischa wie der Jahrhundertwinter, der in Wirklichkeit viel zu warm war. Es geht um Geschlechterrollen und aberwitzige Modetrends, um den »Karneval im Bundestag« und das Bildungsniveau des Nachwuchses, der den neuen Handyvertrag sowieso ungelesen unterschreibt. 

Dann sind da noch Günter Netzer und Gerhard Delling, das Traumpaar des deutschen Fußballs oder die Bankenkrise, bei der Joachim Zawischa ausnahmsweise richtig gallig wird. Die Frage von Vorne und Hinten, dem Woher und Wohin, oder was mit Omas Häkeldeckchen passiert, wenn ein Fernseher mit Flachbildschirm angeschafft wird. Zum Abschluss gibt es dann noch ein bisschen Nachhilfe in Sächsisch. Man kann ja nie wissen, ob es – wie zur Zeit Martin Luthers – wieder salonfähig wird und zur Hochsprache aufsteigt.  

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