Bluegrass-Festival in Bühl

Besucher hatten wieder ihren Spaß

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
23. Mai 2017

(Bild 1/2) Zweifellos die Stars des Abends: Balsam Range aus North Carolina. ©Michael Müller

Erstmals verließ das Internationale Bühler Bluegrass-Festival bei seiner 15. Auflage am Wochenende zumindest für einen Tag das Bürgerhaus Neuer Markt. Es war jedoch der zweite Tag im angestammten Domizil, der die eigentlichen Höhepunkte bot.

 Walter Fuchs, der langjährige künstlerische Leiter des Bühler Bluegrass-Festivals, hatte sein Engagement nicht zuletzt auch als Bildungsauftrag verstanden: Man müsse den Leuten zunächst mal klar machen, dass Bluegrass eine ernstzunehmende Kunstform und echte, gelebte Alltagskultur ist. Er wollte weg von Lagerfeuer-Mief und Cowboy-Folklore – und wählte deshalb bewusst ein eher strenges Konzerthaus-Setting. 
Sein Sohn Patrick, der im vergangenen Jahr das Zepter übernommen hat, wagte nun für die 15. Auflage erstmals den Sprung nach draußen: Für den Auftakt-Abend am Freitag wählte er die Werkstatthalle eines treuen Sponsoren des Festivals. 

Ungekünstelt und rustikal
Die Halle war nur zum Teil bestuhlt mit reichlich Platz zum Tanzen. Mit diesem Format wollte man auch ein anderes Publikum ansprechen. Mit Jussi Syren & The Groundbreakers aus Finnland und The Dead South aus Kanada hatte man auch zwei Bands engagiert, die vorzüglich zu diesem Party-Ambiente passten: Die Finnen, weil sie eine sehr ungekünstelte, rustikale Variante dieser Spielart der Country-Musik spielen, und die Kanadier, die auch Rock-Elemente einbauen und ein eher raues Straßenköter-Image pflegen. Sie vor allem waren es, die die Halle rockten. Die Besucher hatten ihren Spaß – und der Schauplatzwechsel somit sein Ziel erreicht. Musikalisch indes ist das aber doch etwas eindimensional. Da bot der zweite Tag im Bürgerhaus doch eher was zum Zungeschnalzen.

- Anzeige -

Allen voran Balsam Range. Die Band aus North Carolina begeisterte mit strahlenden Gesangsharmonien und Up-Tempo-Nummern, für die ein besseres Wort als »atemberaubend« erst noch erfunden werden muss. 
Doch sie können sich auch ganz zurücknehmen, wie im wehmütigen »Trains I Missed«, ein Song über verpasste Chancen und wie man trotzdem seinen Platz im Leben findet; und vor allem im Zeitlupen-Liebeslied »Blue Mountain« mit seiner fast bis zum Gehtnichtmehr reduzierten Begleitung. Grandios!

Große Überraschung
Größte Überraschung sicherlich waren die Curly Strings. Die junge Band aus Estland singt in ihrer Muttersprache und würzt ihre Musik auch mit Folk- und Jazz-Elementen. Und mit Fiddlerin Eeva Talsi haben sie einen kleinen, blonden Kobold als Frontfrau, deren Bühnenpräsenz faszinierend und deren Temperament geradezu ansteckend ist. 
In veränderter Besetzung präsentierten sich Chris Jones & The Night Drivers. Doch der schlaksige Gitarrist mit der warmen Bariton-Stimme bewies wieder einmal sein großes Können als reifer Songwriter. Und er hat Humor: So wollte er mit Truck Stops »Ich möchte so gern Dave Dudley hör’n« mal zeigen, was ihm sein aus Bayern stammender Mandolinist Mark Stoffel an Deutsch-Kenntnissen beigebracht hat – doch über das Ergebnis musste er dann selbst lachen. Das Publikum »rettete« ihn, indem es den Refrain lauthals mitsang.

Abgerundet wurde das Programm mit den Dapper Dan Men, die aus dem Raum Karlsruhe kommen und somit in Bühl fast ein Heimspiel hatten, und den Country Pickers aus der Schweiz.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Eine Mission im Team
vor 16 Stunden
Ein verschlossener Raum, ein kniffliges Rätsel und nur 60 Minuten Zeit, um es zu lösen und so wieder nach draußen zu gelangen: Willkommen bei Escape Rooms Exitpark in der Ortenau.
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
11.12.2018
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Autor und Poetry-Slamer Sebastian Lehmann.
Interview
vor 1 Stunde
Seine Stimme ist unverwechselbar, seine Radio-Kolumne »Elterngeschichten« kennt fast jeder: Jetzt ist Sebastian Lehmann in Offenburg live auf der Bühne zu erleben. Im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse erzählt der Wahl-Berliner, wie er auf seine Geschichten kommt, und wie viele Jugendkulturen...
Ian Doyle mit seinem «psychedelischen Taxi in John-Lennon-Farben».
Liverpool
vor 2 Stunden
Alles begann nach einem Auftritt bei einer Kirchenveranstaltung im englischen Liverpool. Damals stieg Paul McCartney in John Lennons Schülerband «The Quarrymen» ein. «Er sah aus wie Elvis, ich mochte ihn», sagte Lennon einmal.
Die Filmwelt trauert um Penny Marshall.
Los Angeles
vor 2 Stunden
Hollywood trauert um eine Komödiantin, Regisseurin und Wegbereiterin für Frauen im Filmgeschäft: Penny Marshall («Big») ist tot. Sie starb in der Nacht auf Dienstag in ihrem Haus in Los Angeles an den Folgen von Diabetes, wie ihre Sprecherin Michelle Bega der Deutschen Presse-Agentur mitteilte....
Die US-Pornodarstellerin Stormy Daniels (bürgerlich: Stephanie Clifford)vor einem Auftritt im Stripclub «Solid Gold».
Los Angeles
vor 3 Stunden
 Die frühere Porno-Schauspielerin Stormy Daniels (39) freut sich über ihr erstes «Playboy»-Shooting. «Das ist für mich ein Traum, der wahr wird. Danke an alle, die dieses Shooting möglich gemacht haben», schrieb Daniels am Dienstag auf Instagram. Dazu postete sie ein Schwarz-Weiß-Foto, das sie im...
US-Wrestler John Cena ist Auto-Fan und schwärmt er von deutschen Modellen.
Kultur
vor 3 Stunden
Berlin (dpa) - Schauspieler und Wrestling-Star John Cena (41) schwärmt als ausgewiesener Auto-Fan von deutschen Modellen.
Tom Wlaschiha spielt in «Das Boot» einen Gestapo-Chef.
Berlin
18.12.2018
«Das Boot» ist gerade bei der Aboplattform Sky gestartet - und schon locken die Auszeichnungen. Die neue Serie ist gleich neun Mal für den Deutschen Fernsehpreis nominiert worden, wie die Veranstaltung am Dienstag in Köln mitteilten.
Florian Henckel von Donnersmarck bleibt im Oscar-Rennen.
Berlin
18.12.2018
Der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck bleibt mit seinem Film «Werk ohne Autor» im Rennen um den Auslandsoscar.
Mark Forster liebt an Weihnachten die Entschleunigung.
Berlin
18.12.2018
Die einen lieben die Weihnachtstage - für die anderen sind sie ein Graus. Auch der eine oder andere Promi freut sich nicht uneingeschränkt auf die Festtage.
Charlotte Rampling auf der Berlinale 2015.
Berlin
17.12.2018
Die britische Film- und Theaterschauspielerin Charlotte Rampling (72) wird mit dem Goldenen Ehrenbären der Berlinale geehrt. Mit mehr als 100 Film und TV-Fernsehproduktionen stehe Rampling für «ein unkonventionelles und aufregendes Kino», erklärte Berlinale-Intendant Dieter Kosslick am Montag.
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick mag gutes Essen.
Berlin
17.12.2018
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick (70) hat einen vegetarischen Tipp für das Weihnachtsessen. «Ich empfehle eine Grünkohl-Lasagne», sagte der leidenschaftliche Hobbykoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Erfrischend und authentisch: der Auftritt von Bill and the Bells.
Konzert im Salmen
17.12.2018
Vor zehn Jahren ist Rainer Zellner erstmals mit dem Festivalformat »Bluegrass Jamboree« durchgestartet. Die Tour mit dem Banjo-Bus macht seither auch regelmäßig in Offenburg Station, wo am Freitagabend im Salmen der erste runde Geburtstag gebührend gefeiert wurde.
Wolfgang Schmitz, Chef der Gerüstbauer am Kölner Dom.
Köln
17.12.2018
Wolfgang Schmitz turnt über Schluchten, Spalten und Klüften und hangelt sich von Zinne zu Zacke. Der 55 Jahre alte Mann ist Gerüstbauer am Kölner Dom. Die schwindelnden Abgründe sind für ihn kein Problem: «Das Schönste für mich ist, in 157 Metern Höhe auf der Kreuzblume der Turmspitze zu stehen und...