Jeju/Seoul

Waldkirch freut's: Orgelbau ist Immaterielles Kulturerbe

Autor: 
dpa / as
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Dezember 2017
Ein Orgelbauer in der Schlosskirche des Residenzschlosses in Ludwigsburg.

Ein Orgelbauer in der Schlosskirche des Residenzschlosses in Ludwigsburg. ©dpa - Sebastian Gollnow

Die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland ist in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Die Entscheidung wurde am Donnerstag bei der Tagung des Unesco-Komitees auf der südkoreanischen Insel Jeju bekanntgegeben. 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte in einer Mitteilung der deutschen Unesco-Kommission: «Orgelbau und Orgelmusik sind auch heute noch ein wichtiger Teil unseres Musiklebens, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, gepflegt und fortentwickelt. » Durch die Aufnahme in die Unesco-Liste werde die Bedeutung dieses über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Erbes gebührend gewürdigt. Um die Tradition auch in Zukunft zu stärken, fördere die Bundesregierung die Modernisierung national bedeutsamer Orgeln und den Erhalt wertvoller Instrumente in diesem Jahr mit rund fünf Millionen Euro.

Guter Tag für Orgelfreunde

Der prominente deutsche Orgelsachverständige Michael Kaufmann nahm die Anerkennung des Orgelbaus und der Orgelmusik als Unesco-Kulturerbe mit großer Freude auf. «Für mich selbst bedeutet der Eintrag bei der Unesco, dass ich wieder eine Zielmarke in meinem Einsatz für die Orgel erreicht habe», sagte Kaufmann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

«Hinter der Formulierung des Antrags stehen Jahrzehnte der Beschäftigung als Musikwissenschaftler, Organist und Orgelsachverständiger mit dem Instrument, seiner Geschichte und Gegenwart, seiner Technik und seines Klangs.» Das sei ein guter Tag für Orgelfreunde.

Über 50.000 Orgeln in Deutschland

- Anzeige -

Nach Angaben der deutschen Unesco-Kommission prägen 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2800 Mitarbeitern, 180 Auszubildenden sowie 3500 hauptamtlichen und Zehntausenden ehrenamtlichen Organisten das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland. Über 50 000 Orgeln seien derzeit hierzulande im Einsatz.

«Jede Orgel ist einzigartig, denn sie wird eigens für den Raum entwickelt, in dem sie später erklingt», sagte Prof. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission.

Waldkirch als Zentrum des Orgelbaus

Da dürfte auch die Orgelstadt Waldkirch vor Freude aus allen Löchern pfeifen: Aus Waldkirch wurden Kirchen- und Karussellorgeln, Orchestrien, Drehorgeln und Leierkästen in den vergangenen 200 Jahren in die ganze Welt geliefert und brachten Musik aus dem Schwarzwald in die Tanzsalons und auf die Jahrmärkte.

Auch heute ist die Orgelbau-Tradition mit mehreren Orgelbauern in der Stadt lebendig geblieben, seit 2006 darf sich Waldkirch ein Zentrum des Orgelbaus nennen. Alle drei Jahre gibt es auch das große Internationale Orgelfest. 

Kommentare

Damit Sie Kommentare zu diesem Artikel lesen können, loggen Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten ein.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Der Autor Dieter Lattmann im Jahr 2011. Lattmann war maßgeblich an der Einführung der Künstlersozialversicherung beteiligt.
Berlin/München
vor 8 Stunden
Der Schriftsteller Dieter Lattmann ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Dies teilte der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in Berlin mit.
Chris Dercon hört nach nur siebenmonatiger Intendanz wieder auf.
Berlin
vor 12 Stunden
Nach dem Abgang von Chris Dercon als Volksbühnen-Chef sind jetzt Details zum vertraglichen Ende der Intendanz veröffentlicht worden.
Kollegah (r) und Farid Bang beim Echo: Die Proteste werden immer lauter.
Berlin
vor 13 Stunden
Ein erster Sponsor springt ab, immer mehr Preisträger distanzieren sich, hinter den Kulissen brodelt es weiter: Der Eklat um den Musikpreis Echo zieht Kreise. Auslöser war die Trophäe für ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album.
Im Kino soll es die übliche Geschlechtertrennung nicht mehr geben.
Riad
vor 15 Stunden
In Saudi-Arabien ist das erste öffentliche Kino seit mehr als 35 Jahren eröffnet worden. In der Hauptstadt Riad feierten zahlreiche geladene Gäste das historische Ereignis, zu dem eine Vorstellung des Hollywood-Blockbusters «Black Panther» geplant war.
David Bowie auf einzelnen Stahlträgern verewigt.
New York
vor 16 Stunden
Die Gegend um den U-Bahnhof Broadway-Lafayette in New York nannte David Bowie jahrelang sein Zuhause - nun ist die Station in eine Ausstellung über die 2016 verstorbene Pop-Ikone verwandelt worden.
Besichtigung der Spielstätte: Kulturbüroleiter Edgar Common (links) und Regisseur Georg Rootering im Saal des Salmen.
Literaturtage »Wortspiel«
vor 20 Stunden
Im Rahmen der Offenburger Literaturtage »Wortspiel« stellen sich nicht nur Autoren und Autorinnen mit ihren aktuellen Werken vor.  Seit es die Reihe gibt, steuert auch das Kulturbüro immer eine Veranstaltung bei. In diesem Jahr ist es ein Theaterabend über Ovids Liebeskunst.
Jürgen Stark.
Kulturkolumne
vor 20 Stunden
Der Streit um die reichlich missglückte Verleihung des Musikpreises Echo findet kein Ende. Doch das wahre Leben geht woanders weiter, in der Szene, in den Studios – und wie! Geballte Freuden für den Musikfan.
Immer auf der Jagd nach dem neuesten Trend: Bei Christoph Sonntag lachen die Ortenauer am Feiertag Christi Himmelfahrt für einen guten Zweck.
Oberkircher Comedy-Night
vor 20 Stunden
Der schwäbische Exportschlager und Comedian Christoph Sonntag lässt  bei der traditionellen Oberkircher Comedy-Night am Donnerstag, 10. Mai (Christi Himmelfahrt), mit seinem neuesten Programm »Bloß kein Trend verpennt« die Gäste Tränen lachen.
Die Skulptur «Weiblicher Kopf» des französischen Künstlers Aristide Maillol im Kunstmuseum Bern.
Bern
18.04.2018
Als «Anti-Nazi» rechtfertigt sich Hildebrand Gurlitt, einer der Kunsthändler Hitlers, 1945 bei einer Vernehmung durch US-Militär. «Zu verdienen habe ich mich auch nicht geschämt», steht in einem seiner Briefe.
Das Denkmal von William Shakespeare im Park an der Ilm in Weimar.
Weimar
18.04.2018
Ob «Der Sturm», «Richard II.» «Romeo und Julia» oder «Ein Sommernachtstraum»: In seinen Werken hat der englische Dramatiker und Lyriker William Shakespeare (1565-1616) Flucht, Zuflucht, Befreiung und Migration auf vielfältige Art und Weise thematisiert.
Wortspiel: Interview mit Jose F. A. Oliver
17.04.2018
Im Rahmen der Offenburger Literaturtage Wortspiel stellen wir Autorinnen und Autoren und deren Werke vor.  2015 hatte Jan Wagner als erster Lyriker den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten, im vergangenen Jahr folgte der renommierte Georg-Büchner-Preis. Der Lyriker Jist am Donnerstag, 19. April,...
Matinee-Konzert
17.04.2018
Werke von Paul Hindemith und Béla Bartók prägten das 101. Konzert des »Offenburger Ensemble«. Auf die Klangfülle des Jubiläumskonzertes vor wenigen Wochen folgte die Reduktion auf die kleine Besetzung. Besonders eindrücklich Bartoks 1938 in Basel uraufgeführte Sonate für zwei Klaviere und...