Ausstellung im Museum für aktuelle Kunst in Durbach

»Kunstkosmos Oberrhein« zeigt die grenzenlose Vielfalt

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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22. Mai 2019
Germain Roesz, Künstler und emeritierter Professor für Kunstwissenschaft an der Universität Straßburg, hat die Ausstellung kuratiert.

Germain Roesz, Künstler und emeritierter Professor für Kunstwissenschaft an der Universität Straßburg, hat die Ausstellung kuratiert. ©Oscar Sala

Rund 190 Exponate von 128 Künstlerinnen und Künstlern haben in der Ausstellung »Kunstkosmos Oberrhein« im Museum für aktuelle Kunst in Durbach einen Platz gefunden. Etwa ein Drittel davon stammen aus der Sammlung des Hausherren Rüdiger Hurrle.

»Der Rhein bringt alles zusammen«, stellte schon Victor Hugo seinerzeit fest. Der Oberrhein ist eine vielfältige künstlerische Region, die ein reiches kulturelles Erbe, aber auch eine lebendige zeitgenössische Kunstszene vorzuweisen hat. Ja, man könnte das Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz  gar als kleinen Kosmos bezeichnen, wo immer wieder neue Farb- und Formkonstellationen geboren werden, raum-zeitliche Objekte sich gegenseitig beeinflussen, wo Supernovas der Kunst den Himmel erhellen. Wer mehr über diese »rhenanische« Welt der Ästhetik erfahren möchte, sollte die große Wechselausstellung »Kunstkosmos Oberrhein« im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach besuchen, die sich den Arbeiten von Künstlern der trinationalen Region widmet.

Seit jeher war der Rhein nicht nur eine Grenze, sondern auch eine Brücke und ein Tor zum Rest der Welt. Diese vielfältige Kunstlandschaft des Oberrheins soll in der Ausstellung gewürdigt werden: Sie will Verwandtschaften, gemeinsame Wurzeln, aber auch Unterschiede zu der jeweils anderen Seite aufzeigen. Hier kann sich der Besucher auf eine Spurensuche begeben, dabei Neuentdeckungen machen und überraschende Parallelen finden. Die Ausstellungsmacher sind sich bewusst, dass hier nicht alle Aspekte beleuchtet werden und aus Platzgründen nicht alle Künstler gezeigt werden können. Die Vielfalt der Ansätze ist auch so faszinierend groß: Figuration und Abstraktion stehen nebeneinander; Konstruktivismus, Surrealismus und Informel bilden eine spannungsvolle Nachbarschaft. Eine derart umfangreiche Schau ist wohl einmalig in der Region. Es ist ratsam, sich für die Besichtigung entsprechend Zeit einzuplanen. 

Bekannte und Vergessene

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Die Ausstellung soll Lust auf mehr machen, betonen Museumsgründer Rüdiger Hurrle und Kurator Germain Roesz. Unter den ausgestellten Künstlern sind bekannte Maler wie Hans Jean Arp und Markus Lüpertz zu sehen, aber auch einige die in Vergessenheit geraten sind, die aber wesentlich für das historische Verständnis sind. Erfreulicherweise stammen rund ein Drittel der Werke aus der Hand von Künstlerinnen. Darüber hinaus sind Künstler vertreten, die nicht aus der Region stammen, die aber aus der »Fremde« kommend die Situation vor Ort beeinflusst haben. 
Immer wieder hat es grenzübergreifende Projekte und Künstler wie Tomi Ungerer gegeben, die sich besonders für eine ästhetische und künstlerische Verbindung eingesetzt haben. Ungerer ist ebenfalls eine kleine Schau im Kabinett gewidmet. 

Die frühe enge künstlerische Verbundenheit in der Region zeigt sich bereits in den spätromanisch-gothischen Münsterbauten. Sakrales und Profanes stehen sich in der Ausstellung gegenüber: Ein Martin Schongauer aus dem 15. Jahrhundert trifft hier auf Hervé Bohnert mit seinen »Vier Evangelisten« aus dem Jahr 2017. »Bis heute wirken diese gemeinsamen Wurzeln in der überaus lebendigen zeitgenössischen Kunstszene«, betont Kurator Roesz.  

Besondere Aufmerksamkeit genießt der Freiburger Maler, Grafiker und Fotograf Bert Jäger (1919-1998). Aus Anlass seines 100. Geburtstages wird in Durbach im Rahmen der Reihe »Profile in der Kunst am Oberrhein« ein Querschnitt seines künstlerischen Schaffens gezeigt.
 

Info

Öffnungszeiten

»Kunstkosmos Oberrhein«, Museum für aktuelle Kunst in Durbach, bis 13. Oktober. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 
18 Uhr. Weitere Infos im Internet unter: www.museum-hurrle.de

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