„Passerelles“-Konzertreihe

Kurzweiliges Hörvergnügen mit dem Berliner Trio Trezoulé

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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17. Februar 2020
nspiriert von vielen Kulturen war das Konzert des Trios Trezoulé: Andi Bühler (Percussion, von links), Cathrin Pfeifer (Akkordeon) und Takashi Peterson (Gitarre).

nspiriert von vielen Kulturen war das Konzert des Trios Trezoulé: Andi Bühler (Percussion, von links), Cathrin Pfeifer (Akkordeon) und Takashi Peterson (Gitarre). ©Oscar Sala

Mit facettenreichem World-Mix startete die Kehler „Passerelles“-Konzertreihe am Donnerstagabend in der Stadthalle in das neue Jahr. Das Berliner Trio Trezoulé erwies sich dabei als eine außergewöhnliche Formation. 

Eine tranceartige Melodie des Scandalli-Akkordeons erfüllt die in rotem Lichtschein getauchte Bühne der Kehler Stadthalle. Plötzlich eine überraschende Wendung – treibende Grooves bahnen sich nach und nach ihren Weg. Die Akkordeonistin Cathrin­ Pfeifer und ihren kongenialen Bandpartnern Takashi Peterson (Gitarre) und Andi Bühler (Percussion) nahmen die Konzertbesucher mit ihrer Mischung aus meditativen und temperamentvollen Rhythmen­ auf eine abenteuerfreudige musikalische Entdeckungsreise mit.

Trezoulé, das 2017 von Bandleaderin Cathrin Pfeifer gegründete Projekt, besticht durch komplexe, aber dennoch eingängige Kompositionen. Trotz ihres exotischen Einschlags erscheinen diese dem Hörer dennoch seltsam vertraut. Stilistisch ist das Ganze schwer einzuordnen. Mal sind bluesige, afrikanische oder orientalische Rhythmen, mal  südamerikanische Elemente aus Tango und Salsa herauszuhören. Immer wieder hat sich Cathrin Pfeifer von ihren zahlreichen Reisen in fast alle Kontinente inspirieren lassen. Es gibt nichts, was nicht in ihre Musik eingeflossen ist. Ja, man kann behaupten, die Kompositionen sind regelrechte Reisen für das Ohr, die in fremden Kulturen eintauchen lassen. Ihr leicht melancholisches Akkordeonspiel lässt die jazzigen Arrangements mit traditionellen Grooves ineinander verschmelzen. 
 

Quetschen-Magie

Während zum Konzertauftakt „Something Happened“, eine musikalische Reise durch den Süden der USA, als unkonventioneller Tango mit Slide-Gitarre daherkommt, erweist sich „Zart würzig zu Fuß“ als Rätselspiel mit orientalischem Einschlag. Zu jedem Stück ihrer poetischen „Quetschen-Magie“ hat Cathrin Pfeifer eine kleine Geschichte parat:  „Come Bag“ erzählt vom Verlust eines Koffers auf dem Flughafen mit der Einsicht, Verlust kann auch eine Chance bedeuten, Neues zu entdecken. 

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Ihre solidarische Seite zeigt die Musikerin wiederum bei „Wald Weit Web“, eine Anspielung auf die Bäume im Wald, die durch ein unsichtbares Netz miteinander verbunden sind. Sie hätten eine eigene Sprache, die aber oft überhört wird. Und mittendrin steht man plötzlich in der „Toten Bucht“ an einem Brandenburger See und hört ein altes Tretboot klappern. 
Einen Hauch zu lang gerät „Tango Macabre“, bei dem sich die Musiker etwas selbstverliebt im Refrain im Sieben-Viertel-Takt austoben. Ansonsten sorgt das sympathische Trio für ein kurzweiliges Hörvergnügen. Einiges zu Schmunzeln gibt es auch: Der mehrfache Versuch ein deutsches Volkslied zu bearbeiten sei immer wieder schiefgegangen, ist zu erfahren – mittlerweile ist es nicht mehr zu erkennen. 

Mediterranes Feeling

Cathrin Pfeifers Mitstreiter verschaffen ihr an diesem Abend nicht nur einen wunderbaren musikalischen Crossover-Background mit mediterran-südlichem Feeling, sie agieren mit mehreren Soli auch gleichberechtigt  neben ihr. Andi Bühler begeistert etwa beim jazzigen „Couriousum“ mit seinen um ihn herum aufgebauten Schlagins­trumenten. Takashi Petersons pendelt während des Konzerts zwischen Akustik-Gitarren-Riffs und dem warmen Sound seiner Stratocaster hin und her. Seine virtuos-intensive Spielweise katapultiert die Hörer in andere Dimensionen.

Ohne Zugabe werden die Musiker nicht von der Bühne gelassen. Da viele der Kompositionen in Moll gehalten sind, folgt zum Schluss mit „Mambossa de Locossa“ ein fröhlich klingender Song, der lediglich aus drei Dur-Akkorden besteht und das Publikum zum Mitklatschen animiert. Die Akkordeonistin hatte das Stück beim Spiel mit Waisenkindern in Afrika komponiert. Am Schluss werden die Musiker mit rauschenden Applaus belohnt.

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