Kabarett in Achern

Lisa Fitz wünscht sich mutige Menschen ohne Angst

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Mai 2019
Knallhart, aber mit Charme: Lisa Fitz trug ihre Sicht der Dinge beim Gastspiel in Achern auch in Form von Liedern vor.

Knallhart, aber mit Charme: Lisa Fitz trug ihre Sicht der Dinge beim Gastspiel in Achern auch in Form von Liedern vor. ©Regina de Rossi

Lisa Fitz ist eine Frau, die weder ein Blatt vor den Mund nimmt, noch sich wegduckt, wenn es ernst wird. So gab sie sich am Mittwochabend bei ihrem Gastspiel im Rahmen der Acherner Gong-Kulturreihe in der Schlossberghalle in Großweier.

Schweigen, das gibt es für die 68-jährige Kabarettistin nicht. Gerade dann, wenn sich etwas anbahnt, das ihrem Weltbild so gar nicht entspricht, steht sie auf. Mutig fixiert Lisa Fitz den oder die Verursacher mit ihren hellen, blitzenden Augen und stellt sich dem Kampf. Möge er noch so aussichtslos sein. 

Die in der Nähe von München aufgewachsene und einer Künstlerdynastie entstammende Lisa Fitz scheint sich selbst dem Alter wie eine Jeanne d’Arc entgegenzustellen. Blondgelockt, mit modernen schmalen Hosen über den knöchelhohen Stiefeletten und salopper Kurzjacke gibt sie ein jugendlich dynamisches Erscheinungsbild ab. Sie ist temperamentvoll und wortgewandt. Vor allem Letzteres hat Lisa Fitz viele Türen in Funk und Fernsehen geöffnet. Es scheint auch besser zu der taffen Frau aus Bayern zu passen als vorgegebene Schauspielrollen. 

Lisa Fitz mag den Schlagabtausch, ob politisch oder sozialkritisch. Sie zielt und trifft. »Freie Rede, solange es noch geht«, lautet das lautstark verkündete Credo der ersten halben Stunde bei ihrem Auftritt in der Großweirer Schloßfeldhalle. Eingerahmt von zwei Bannern, hier eine sanfte Friedenstaube, dort ein kämpfender Soldat, macht sie ihrem Herzen Luft. Großmut, Demut, Hochmut. Wohin das führt? »Martin Schulz hat verstanden, Seehofer auch, nur Mutti bleibt unkaputtbar!« Die halte weiterhin an ihrem postheroischen Regierungsstil fest, einem Ruheregiment mit Empörungsverweigerung. Erst mal in Fahrt, lässt Lisa Fitz sich kaum noch bremsen und zieht über die heutige Form der Demokratie ihr eigenes Fazit: »Heute ist  Demokratie, wenn vier Füchse und ein Hase abstimmen, was es zum Abendessen gibt!« 

- Anzeige -

So nicht! Lisa will das Leben füllen mit mutigen Menschen, mit angstfreien Menschen, die wissen, um was es geht, die sich für sich selbst entscheiden und sei es, aufzustehen und einmal laut »Ich« zu rufen. Das Publikum ist gefordert und Theo, ein Einheimischer, wagt es. Seinen Mut belohnt die Powerfrau mit einer CD, doch angesichts seines alemannischen Dialekts fragt sie besorgt: »Oh, versteht ihr mich überhaupt?« Ja, man versteht sie und man bewundert sie, denn sie hat den Mut, den es braucht, um das zu bewahren, wofür manche Jahrzehnte gekämpft haben: für die Freiheit und nicht zuletzt die der Frau. 

Fetziges Aufrütteln

Gekonnt verpackt Lisa Fitz ihre Aufrüttelmethode in Lieder, lässt mit fetzig rockiger Musik die Gedankengänge ihres aufmerksamen Publikums durchspülen und scheut sich derber Ausdrucksweisen nicht. Schließlich geht es um diese eine Welt, um die sie sich wegen  »Cortexkillern« und »Massenverblödungswaffen« einzelner TV-Programme und Kaltblütigen in der Politik sorgt. Sie wirbt für Buddha und Einstein statt Friedrich Merz und Dieter Bohlen. 

»Geh raus, nutz’ dein Hirn, es ist nicht fünf vor zwölf, es ist zehn vor eins«, singt sie und  zitiert Emma Goldmann: »Das gewalttätigste Element der Gesellschaft ist die Unwissenheit!« Hier setzt sie an. Mit klarem Verstand, knallharten Argumenten und weiblichem Charme, der ihr kleine Grenzüberschreitungen durchgehen lässt. »So bin ich halt«, sagt sie lachend und singt besänftigend das Lied der weißen Tauben.  
Das Publikum dankt es ihr mit tosendem Applaus. Damit die  Synapsen nicht wieder in falsche Richtungen mutieren, gibt es zum Schluss lautstarken Hard-Rock mit »Steel Town« von  Airbourne: »Stahlstadt, lebe frei und stolz«.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 12.06.2019
    Storytelling von Reiff Medien
    Exakt bestimmen, wer meine Werbung sehen will und Produkte mit neuen Erzählformen und einflussreichen Gesichtern bewerben: Online-Marketing ist heute so kraftvoll wie nie – und die Experten von Reiff Medien Digital Natives unterstützen regionale Firmen auf diesem Weg.
  • Die Profis für Werbeanzeigen auf digitalen Plattformen (von links): Sebastian Daniels (Abteilungsleiter Digital Natives), Serkan Nezirov und Andreas Lehmann von Reiff Medien.
    12.06.2019
    Interview mit drei Experten
    Wie können sich Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung ihren Kunden präsentieren? Die neue Abteilung »Reiff Medien Digital Natives« bietet maßgeschneiderte Lösungen an und hievt regionale Firmen auf Plattformen wie Facebook und Instagram.
  • 30.05.2019
    Größtes Volksfest der Ortenau
    Vom 30. Mai bis 2. Juni läuft in Kehl wieder der »Messdi«. Das größte Volksfest der Ortenau mit seinen etwa 160.000 Besuchern wartet in diesem Jahr mit einigen Neuerungen auf.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
vor 2 Stunden
Frankfurt/Berlin
Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2019. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Berlin bekannt.
Thomas Gottschalk war bei Heidi Klums «Kinderfasching».
vor 2 Stunden
Berlin
Fernsehjahre sind wie Schuljahre. Sie dauern von Sommerferien zu Sommerferien, oder besser: Sommerpause zu Sommerpause.
Sandra Bullock ist für den Horrorfilm «Bird Box» ausgezeichnet worden.
vor 5 Stunden
Los Angeles
Die Kategorie «Bester Held» gibt es bei den MTV-Filmpreisen schon lange, in diesem Jahr kam zum ersten Mal auch der «Beste Held im wahren Leben» dazu.
Die Karriere von Stefan Mross begann vor 30 Jahren.
vor 6 Stunden
Rust
Der Musiker und Moderator Stefan Mross (43) hat sich für das Album zu seinem 30. Bühnenjubiläum von der Vergangenheit inspirieren lassen.
Queen Elizabeth (m.) mit König Felipe von Spanien und Königin Letizia in der St. George's Hall im Windsor Castle.
vor 21 Stunden
Windsor
Prächtige Roben und Hut mit Straußenfeder: In einer prunkvollen Zeremonie hat die britische Königin Elizabeth II. (93) am Montag die Könige von Spanien und aus den Niederlanden, Felipe VI. (51) und Willem-Alexander (52), in den Hosenbandorden (Order of the Garter) aufgenommen. Berufen hatte die...
Jürgen Habermas wird 90 Jahre alt.
17.06.2019
Frankfurt/Main
Auch im hohen Alter ist der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas höchst produktiv. Am 18. Juni wird er 90 Jahre alt - und arbeitet an einem neuen Buch.
Andrea Camilleri wird nach einem Herzstillstand in einem Krankenhaus in Rom behandelt.
17.06.2019
Rom
Der italienische Bestseller-Autor Andrea Camilleri wird nach einem Herzstillstand in einem Krankenhaus in Rom behandelt. Sein Zustand sei ernst, berichteten unter anderem die Nachrichtenagentur Ansa und die Tageszeitung «La Repubblica» am Montag.
«Shakespeare-Sonette»: die Tänzer Olivia Betteridge und Florian Pohl auf der Bühne in Hamburg.
17.06.2019
Hamburg
Mit der Uraufführung «Shakespeare Sonette» sind am Sonntagabend die 45. Hamburger Ballett-Tage eröffnet worden.
Jürgen Vogel gewinnt den Schauspielpreis des Internationalen Filmfests Emden-Norderney.
17.06.2019
Emden
Die Produktionen «Don't Shoot» (Belgien/Niederlande 2018) und «Zoros Solo» (Deutschland 2019) sind die großen Gewinner des 30. Internationalen Filmfestes Emden-Norderney.
Husch Josten bedankt sich nach der Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung in Weimar.
17.06.2019
Weimar
Der diesjährige Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ist an die Schriftstellerin Husch Josten gegangen. Die Auszeichnung wurde der gebürtigen Kölnerin am Sonntag in der Klassikerstadt Weimar vom Vorsitzenden der Stiftung, Norbert Lammert, überreicht.
16.06.2019
Theater beim Kultursommer
Eine Politklamotte der Nachkriegszeit mutiert zu einem turbulenten Lehrstück in Sachen politischer Kultur. Der höchst lebendige Jesus wird zum Symbol einer humanistischen Grundhaltung. Die Badische Landesbühne zeigte beim Kultursommer Gengenbach ihre Version von »Don Camillo und Peppone«.  
16.06.2019
Ausstellung im Museum LA8
Das Museum für Technik des 19. Jahrhunderts »LA8« in Baden-Baden hat sich mit seiner aktuellen Ausstellung an ein vielschichtiges und doppelbödiges Thema gewagt: den Bürger des 19. Jahrhunderts und sein Selbstbild im Leben und auf der Bühne. Ein Hingucker.