Neues Buch des Elsässers erschienen

Martin Graff über deutsch-französische Befindlichkeiten

Autor: 
Reinhard Reck
Lesezeit 3 Minuten
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22. Januar 2021
Martin Graff

Martin Graff ©Archivbild

Martin Graff sieht sich als „Grenzvagabunden“ und „Gedankenschmuggler“. Das deutsch-französische Verhältnis mit all seinen Eigenheiten, Missverständnissen und Vorurteilen ist Thema seiner in dem Buch „Zungenknoten“ zusammengefassten Kolumnen.    

Im vergangenen Frühjahr erlebten die Bewohner am Oberrhein ein Déjà-vu, eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten: Die Grenzen waren auf einmal wieder da! Die Fahrt auf die jeweils andere Seite des Rheins wurde wegen der Corona-Pandemie streng reglementiert und kontrolliert. Damit einhergehend konstatierten nicht wenige ein Wiederaufleben nationalistisch geprägter Vorurteile gegenüber dem Nachbarland. 
Nun gilt es, trotz der neuerlichen Restriktionen auch im Grenzverkehr, den Riss wieder zu kitten, das Verständnis für die Bewohner jenseits der Grenze  erneut zu vertiefen – das betrifft Deutsche und Franzosen gleichermaßen. Da erscheint das neue Buch „Zungenknoten – deutsch-französische Kolumnen“ des Elsässers Martin Graff gerade zur rechten Zeit. Es handelt sich um eine Sammlung von in Zeitungen erschienen Kolumnen aus den vergangenen 15 Jahren, die der Autor, Filmemacher und Kabarettist jetzt gebündelt der Leserschaft zugänglich macht.
Das Thema des überzeugten „Grenzvagabunden“ und „Gedankenschmugglers“: natürlich das deutsch-französische Verhältnis mit all seinen Eigenheiten, Missverständnissen und Vorurteilen, aber auch mit all den Chancen zur gegenseitigen kulturellen Bereicherung. Seit Jahrzehnten beobachtet Martin Graff die Beziehungen zwischen den Bewohnern beider Länder. Der nun vorliegende Band bietet mit den zahlreichen recht kurzen Beitägen sozusagen die Quintessenz seiner Ansichten, die Summe seiner Arbeit als kultureller Grenzüberschreiter. 

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Leidenschaftlicher Provokateur

Allerdings stellt der leidenschaftliche Provokateur die oft nicht einfachen Beziehungen zwischen Deutschen und Franzosen auf seine Art dar: Er verfällt nicht in eine vorgetäuschte grenzüberschreitende Harmonie, er ist kein Glattbügler, sondern verweist in seinem unnachahmlichen Duktus  auf Unterschiede und Gemeinsankeiten – und trägt gerade so zu einer Stärkung des gegenseitigen Verständnisses bei. Dabei wechselt er in den Texten munter zwischen dem Deutschen und dem Französischen und stellt damit wohl manche Leser vor gewisse Herausforderungen.
Von Luthers Reformation bis zum französischen Münsterkäse, von der Dichterin Hilde Domin bis zum Pfälzer Wein: Graff präsentiert (und karikiert teilweise) völlig unterschiedliche Befindlichkeiten beider Länder. Es ist wie ein Kaleidoskop von Momentaufnahmen, das zeigt: Der Schriftsteller aus dem Münstertal ist trotz aller Widrigkeiten ein überzeugter Europäer. 
Aber wichtig ist für ihn auch: Um das Nachbarland kennenzulernen, muss man sich ohne Vorbehalte auf dieses einlassen. So beendet Graff sein Buch mit dem für ihn so typischen deutsch-französischen Satz: „Hänge deine Wurzeln an die Luft pour mieux voir la terre“.
Martin Graff: Zungenknoten – deutsch-französischen Kolumnen. 173 Seiten, Wellhöfer Verlag,18 Euro.

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