"I love Ortenau"-Porträt: Die "Brandmalerin" Carmen Klinge
Dossier: 

Mit Bollenhut und Heimatliebe

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 4 Minuten
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07. November 2020

(Bild 1/3) Holz ist das Material, mit dem Carmen Klinge ihre Kunstwerke verwirklicht. ©Iris Rothe

Vom Zeichenpapier auf die Holzscheibe: Die Grafikerin Carmen Klinge lässt mit ihrer Brandmalerei ihrer Fantasie und 
Kreativität freien Lauf. Mit dem Lötkolben entstehen kleine individuelle Kunstwerke, liebevoll inszeniert.

Beneidenswert. Da gibt es Menschen, die können ihr Hobby zum Beruf machen und damit letztendlich ihren Beruf zum Hobby. So ein Mensch ist Carmen Klinge. Die Grafikerin aus Gengenbach, gebürtig aus dem Schwäbischen, „aber schon ewig hier“ beheimatet, wie sie lachend betont, ist musisch-kreativ in vielen Bereichen unterwegs. „Grafik wollte ich schon immer machen“, antwortet die 41-Jährige, „immer einen kreativen Beruf ausüben.“ So wurde sie Mediengestalterin und studierte nach der Ausbildung Grafikdesign. 

Basis ist das Zeichentalent

Basis dafür ist ihr Zeichentalent. Klinge fotografiert aber auch mit Begeisterung. Und dann ist da noch das Musizieren und Singen. Klarinette hat sie gelernt und im Blasorchester gespielt, sie trommelt – „ich habe einen Kurs gemacht. Familiär besteht ein Bezug zu 
Afrika“ – und, wen wundert es jetzt noch, sie schreibt Lieder. „Ganz Persönliches“, sagt sie.

Neben ihrer Tätigkeit als Grafikerin bei Reiff Medien hat sich Carmen Klinge etwa vor zehn Jahren ein eigenes Geschäft aufgebaut als freie Grafikerin mit eigenem Logo: „Visuelle Kommunikation“. 

Das Zeichnen auf Papier hat sie zum Zeichnen mit dem Lötkolben geführt. „Brandmalerei“ nennt man das. „Vor etwa 15 Jahren habe ich das schon mal ausprobiert. Jetzt bin ich wieder zufällig darauf zurückgekommen“. Und zwar beim Wandern im Wald. „Da haben wir ein schönes Stück Holz gefunden“, erinnert sich Carmen Klinge, und die Idee kam auf, „da kann man doch ein Schild für den Garten draus machen und was Schönes drauf brennen.“ Gesagt, getan, die kreative Ader pochte, sie kaufte sich zuerst ein „einfaches Set, nicht so teuer“ und probierte es aus. 

Ihr Zeichentalent einerseits und die berufliche Erfahrung in Gestaltung und Umgang mit Formen und Logos andererseits kommt ihr jetzt zugute. Für Freunde brannte sie ein Schild als Hochzeitsgeschenk, „das kam gut an!“, und der Damm war gebrochen, sozusagen. „Ich bin da auf den 
Geschmack gekommen“, sagt Carmen Klinge und lacht bei der Erinnerung daran, wie schnell aus diesen Anfängen dann eine ganze Kollektion entstanden ist, zusätzlich zu den anfänglich individuellen Motiven. 

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Ihre Entwürfe stellte sie schnell online, nachdem sie gemerkt hatte, wie gut ihre Schwarzwaldmotive bei Freunden und Fremden ankamen. „Ich hatte mir gedacht, ich probiere einfach mal was aus. Ich habe anderen die Entwürfe gezeigt, und die fanden das toll.“  Inzwischen sind es 14 Schwarzwaldmotive, die Carmen Klinge in verschiedenen Varianten „brandmalt“. 

Filigranes Malen

Im Vordergrund steht  immer die Überlegung, „was passt zum Schwarzwald“, ohne in Klischees zu verfallen, und vor allem – was ist neu? Neu oder zumindest anders ist ihre Technik. Die unterscheidet sich von anderen. „Ich punktiere“, verrät Klinge, die inzwischen zur ausgewiesenen Fachfrau geworden ist. „Ich tausche mich mit einem netten Herrn aus Gengenbach aus, der sich auf eine meiner Onlineanzeigen vor einigen Monaten gemeldet hatte. Er macht selbst hobbymäßig Brandmalerei“, sagt Carmen Klinge. Auch auf Facebook ist sie zu erreichen.Carmen Klinge arbeitet nicht fotorealistisch und mit Verläufen. 

Punktieren dauere zwar länger, das Motiv bekomme dadurch aber auch eine andere Struktur, werde 
reliefartig. „Es ist ein besonderer Stil“, der aber zu den Motiven passt. Etwa zu den Strohschuhen. Einige Motive lassen sich klein und sehr filigran „malen“ – wie die Weintrauben auf den Schlüsselanhängern oder die Kuckucksuhr oder die Gesichter mit Bollenhut. Apropos Bollenhut: Der findet sich als Teil des Logos von „Carmens S-Kollektion“ und in allen Motiven, ist sozusagen das Markenzeichen. Mal taucht er 
als „echter“ Bollenhut auf, mal entpuppen sich die Bollen als kleine Tannen, mal als Kirschen auf dem Schwarzwälder Törtchen, mal als Blumenkasten an der Schwarzwaldmühle. 

„Heimat“ gibt es immer

Ein weiteres wiederkehrendes Element ist das Wort „Heimat“. Das kann zur „Heimatliebe“ werden, zur „süßen Heimat“, aber auch zur „Kuh(len) Heimat“. Wie das Motiv erscheint, sei letztendlich auch vom Holz abhängig, hat Carmen Klinge mittlerweile erfahren. Am besten eigne sich – zumindest für ihre Zwecke – Eichen- und Buchenholz. Das bekommt sie von einem Holzbauern aus der Nachbarschaft. „Es sind alles Unikate“, betont Carmen Klinge, will heißen: hier gleicht kein Stück dem anderen. Kunst eben. 

Doch was ein kreativer, künstlerischer Kopf ist, der denkt schon wieder weiter. „Ich habe da neulich was ausprobiert...“

Stichwort

Brandmalerei

Für die „Brandmalerei“ benötigt man diverse Werkzeuge und Materialien: 
Lötstifte oder Lötkolben, und eine Bürste zum Säubern der verschiedenen Spitzen sowie Schmiergelpapier; einen Stift zum Kopieren von Motiven, Durchschlagpapier und die klassischen Zeichenutensilien; Pinsel, Öl oder Schutzlack zum Imprägnieren, dafür Handschuhe und einen Ventilator (wegen der Dämpfe). Lötstifte oder -kolben werden sehr heiß, Profis haben Ausführungen mit Temperaturreglern. Es gibt auch fertige Bastellötsets, für Anfänger empfehlenswert.

Info: www.klinge-design.de; Instagram: visuelle_brandmalkunst

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