Kultur

Museumsbesucher wird zum Gamer

Autor: 
Hans-Dieter Fronz
Lesezeit 3 Minuten
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06. September 2021
In der Ausstellung „Play“ erklärt die Staatsgalerie Stuttgart den Parcours zum „offenen Spielfeld“.

In der Ausstellung „Play“ erklärt die Staatsgalerie Stuttgart den Parcours zum „offenen Spielfeld“. ©Staatsgalerie Stuttgart

Die Staatsgalerie Stuttgart führt in ihrer Ausstellung „Play“ zu den kindlichen Wurzeln der Kunst zurück. Zudem werden Arbeiten voller Verspieltheit und Phantasie gezeigt.

„Bitte nicht berühren!“ Wo begegnet man Schildern mit dieser Aufschrift am häufigsten? Richtig, in Museen. Kunstwerke, lernt man schon als Kind, soll man nicht anfassen. Subversiv hebt die Staatsgalerie Stuttgart jetzt das Verbot aus den Angeln und hebelt darin gleichzeitig die alte Vorstellung vom Ehrfurcht gebietenden Charakter der Kunst aus. Im Musentempel in der Landeshauptstadt darf und soll man geradezu Kunstwerke berühren, ja, mit ihnen spielen.
In der Ausstellung „Play“ erklärt das Museum den Parcours zum „offenen Spielfeld“. Der Besucher wird zum Gamer. Kleine wie große Kinder dürfen hier – nur als Beispiel – mit Bällen werfen, um ein Mobile in Bewegung zu setzen, oder mit Kreide die Wand bemalen. Die Ausstellung wurde konzipiert vom internationalen Kollektiv Artpod. Helga Huskamp von der Staatsgalerie erklärt: „Artpod bietet einen neuen Zugang zum Museumsbesuch an. Wir betrachten das Werk nicht ehrfürchtig mit Abstand, sondern sind über Interaktionen aufgefordert, auf die Kunst und ihre Erzählung frei zuzugehen.“
Der Gedanke ist nicht neu. Schon Friedrich Schiller erkannte den Spielcharakter des Kunstwerks. Die Romantiker suchten sogar den Ursprung von Kreativität im Kind. Jetzt, so scheint es, ist diese breite unterschwellige Strömung im Museum selbst angekommen.

Fröhliche Bilder 

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Die ausgestellten Werke von 17 Künstlerinnen und Künstlern sind zumindest voller Verspieltheit und Phantasie. Wie die Vogelskulpturen, die Martin Graff aus alltäglichen Gegenständen geschaffen hat. Seine „Blaumeise“ setzt sich aus einer Milchkanne, einem Mopedhelm und einem Skateboard zusammen. Die Malerei ist mit vier fröhlichen Bildern von Björn Heyn vertreten; zwei davon hängen horizontal an Seilen von der Decke, wie Schaukeln. Mit Kreidestücken selbst malen darf der Besucher in Courtney Childress’ Installation. Dagegen soll er Dustin Schenks „Virus-WeltWandbild“ buchstäblich ausradieren – um dadurch möglichst gleich auch das Virus selbst zum Verschwinden zu bringen.
Olafur Eliassons „Berliner Treibholz“, eine bemalte runde Holzscheibe, stellt den Gleichgewichtssinn des Nutzers auf die Probe. Interaktiv ist auch Stefan Saffers Mobile „Patch-Bong-Klack“. Der Besucher setzt es in Bewegung, indem er mit Pingpong-Bällen auf die mit geometrischen Formen bemalten Kreisscheiben zielt. In Anka Anders’ Videoprojektion „Intruders“ wiederum wird der Besucher zum Zeugen eines spannenden Geschehens.
Jennifer Dalton möchte Ausstellungsbesucher miteinander ins Gespräch bringen. Die Aufkleber ihrer sechs Spenderstationen haben Aufschriften wie „ich trage die falschen Schuhe“ oder „alternating between depressed and inspired“. Menschen, die sich für den gleichen Button entschieden haben, sollen dazu animiert werden, sich über ihr Motto auszutauschen.
Von Maxine Leus „Eco wanderers“ – Zwergen, die Müll einsammeln – kann man gute Vorsätze mit nach Hause nehmen, von Stefanie Pöllots im Außen-raum des Museums platzierten speziellen Kaugummiautomaten sogar echte Kunst. Wirft man ein Zehn-Cent-Stück ein, spuckt der Automat nicht etwa Kaugummis, sondern eine Kapsel mit Glitter aus, ein Multiple, ein Kunstwerk mit Seriencharakter.

Info

Öffnungszeiten

Ausstellung "Play“, Staatsgalerie Stuttgart, Konrad-Adenauer-Straße 30. Bis 31. Dezember, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Dienstag und Donnerstag 10 bis 20 Uhr.

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