Joachim Gottschalk über Band- und Studioarbeit in Zeiten des Lockdowns
Dossier: 

"Musik bis zum Abwinken"

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 6 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Februar 2021

(Bild 1/3) „Jimmy’s Soul Attack“ – beim Konzert in der Offenburger Reithalle ©Ulrich Marx

Kein Konzert mit „Jimmy’s Soul Attack“, kein Auftritt mit der „Blues World“ während des Lockdowns, doch Bandleader Joachim Gottschalk sieht nach vorne. Projekte hat er zuhauf.

Als im vergangenen Januar das traditionelle Reithallen-Konzert von „Jimmy’s Soul Attack“ stattfand, war die Welt noch in Ordnung. In diesem Jahr musste es, wie das Konzert der Peter-Oehler-Band im Dezember, abgesagt werden. Wie es Joachim Gottschalk ohne Band und Publikum geht, erzählt er im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Er klingt dabei nicht resigniert, er scheint eher unternehmungslustig nach vorne zu blicken als trauernd zurück. 

Nachdem der Sommer 2020 ja noch recht hoffnungsvoll gestimmt hatte, hätte man annehmen können, dass sich der Bandleader voller Elan in die Planung des Konzertes 2021 stürzen würde. Immerhin – so einfach von null auf hundert ist ja auch für erfahrene Musiker nicht unbedingt leicht. Und man möchte ja ein anständiges Programm abliefern. „Um ehrlich zu sein“, sagt Gottschalk, „haben wir damit gerechnet, dass es im Winter Schwierigkeiten geben würde. Aber für den Fall der Fälle haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was wir machen können“, sagt er. „Unplugged oder etwas in der Art, denn Proben konnten wir ja nicht. Und in der Regel mag das Publikum Unplugged-Konzerte“. 

Man sei sich aber einig gewesen, dass das Januar-Konzert vermutlich nicht stattfinden wird. Und was kommunikative Menschen so tun, wenn sie nicht direkt miteinander sprechen und handeln können: Sie verständigen sich über ihre Whatsapp-Gruppe. So auch die Mitglieder seiner beiden Bands. „So bleibt man wunderbar in Kontakt und schickt sich auch schon mal ein Ständchen“, sagt er lachend. 

Neuer Termin: 22. Januar 2022

Es seien alle ein bisschen traurig, „aber wir haben ja Profis in der Band, die machen Online-Unterricht“. Die Lehrer sorgten sich sehr um die Kinder, und grundsätzlich sei die gegenwärtige Situation für Musikprofis „ganz furchtbar“. „Aber“, sagt er lachend, „wir haben schon den nächsten Termin: 22. Januar 2022 in der Offenburger Reithalle.“ Der Termin als kleines Zahlenspiel lässt sich gut merken.

„Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben“, mahnt Gottschalk. Und so hat er auch schon einige Pläne für die Zeit nach dem Lockdown im Sommer. Im Sommer hatte er auch die Gunst der Stunde genutzt, auf der Schauenburg gespielt und im Kehler Jachthafen, natürlich nur mit der „Blues World“. „Indoor-Termine im Sommer hatten wir auch, die haben wir aber nicht wahrgenommen“, betont der Musiker. Sicher ist der Erlös bei so kleinen Auftritten nicht groß, aber „die Musiker sind froh, wenn sie wieder mal auf der Bühne stehen können“. Zu Hause spielen und üben sei ja schön und recht, aber „du bist alleine“. Da ist niemand, mit dem man sich ad hoc austauschen kann, der korrigiert oder der Vorschläge macht.

- Anzeige -

Da fragt man sich doch, ob es unter solchen Bedingungen noch Spaß macht, als Künstler aktiv zu sein. Und etliche Profis haben ja offensichtlich bereits die Konsequenzen gezogen und sich anderweitig Arbeit gesucht. Denn Auftritte im Internet sind keine echte Alternative, und die Frage muss gestellt werden, wem derartige Angebote nutzen. 

„Jeder hofft, dass es bald rum ist“

„Es macht einfach nicht den Spaß und ist auch keine richtige Alternative“, bestätigt Gottschalk. „Allein schon der Sound“, meint er. „Da kann man vielleicht was mit Chor machen, aber mit Instrumenten wie E-Gitarren oder Schlagzeug?“ Bands lebten vom Zusammenspiel, und der technische Aufwand sei groß. „Das geht nicht. Da spielst du wie gegen die Wand“, meint der Profi. Letztendlich ist es ja nicht mit einem „Auftritt“ getan, denn „der Lockdown betrifft auch die Leute um die Künstler herum. „Es trifft uns alle. Und es macht keinen Spaß mehr, langsam steht es einem recht weit oben“, meint er. Aber: „Ich bin kein Querdenker, Corona zu leugnen ist saudumm, man muss damit leben. Jeder hofft doch, dass es bald rum ist.“

Er selber habe Glück. „Ich habe meine Musik, mein Studio, bin damit reichlich beschäftigt. Ich habe ganz viel Musik gemacht, mehr als vorher“, sagt er lachend. Proben konnte er nicht mehr, nicht mal mit der Blues-Band, denn sein Proberaum im KiK ist geschlossen. Aber in seinem Studio konnte er arbeiten. „Ich habe die Musik meines ganzen Lebens aufgenommen, ein Stück nach dem anderen, alles, was ich gerne gehört oder gespielt habe: Beatles mit Twist and Shout, Toto, Queen, fünf Stücke von Bill Withers, der vergangenen März gestorben ist. Oder zuletzt ‚This Masquerade’ von George Benson. Ich wollte es perfekt machen“, zählt er auf. So habe er alte und neue Stücke geübt, „Musik bis zum Abwinken“, amüsiert sich Gottschalk.

Viel Nachwuchsarbeit

Ein wichtiges Projekt sind Arrangements für eine junge Sängerin, die er produziert. „Ich schreibe für sie, sie hat eine coole bluesige Stimme. Man wird noch viel von ihr hören“, prophezeit Gottschalk. Er arrangiert unter anderem bekannte Stücke um auf einen modernen Stil, spielt sie ein und schickt sie der Sängerin mit Anweisungen. Das gelingt, weil er ein professionelles Equipment habe. „Damit kann sie üben und wir sind gerüstet, wenn es mit den Gesangseinspielungen wieder losgeht.“ 
Auch sein Buch ist fertiggeschrieben: „Roll Over Beethoven.“ Es hat etwas Biografisches, gibt Gottschalk zu, aber das ist ja auch nicht verkehrt. Er habe viel recherchiert, was die 1960er-Jahre anging, „über Musik, Klamotten etc., selbst wenn es um das Wetter in jener Zeit ging.“  Er wollte ja keinen Fehler machen.  Jetzt sucht der Autor noch einen geeigneten Verlag für sein Werk.

Die Kreativität habe also trotz aller Widrigkeiten nicht gelitten. „Ich kann in die Zukunft denken“, sagt der Musiker. „Ich habe ja selber viele Stilrichtungen, die ich liebe.“ Und da er in seinem Studio ausprobieren und experimentieren kann, spielt er eben alle Instrumente ein. Auch den Piano-Part, „dabei bin ich gar kein Pianist“. Und er habe Gitarre geübt. „So gut war ich noch nie“, meint Joachim Gottschalk vergnügt. Selbst „saumäßig schwere Riffs“ haben am Ende geklappt. „Aber Zeit genug habe ich ja.“

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

 Muhterem Aras beim "Leselenz" in Hausach
vor 12 Stunden
Hausach
Leselenz 2.0 Nachlese: Muhterem Aras und Michael Serrer diskutierten in Hausach über Wurzeln, Zugehörigkeit und Identität. Die Gesprächsrunde vor 100 Zuhörern gab etliche Anstöße.
Die Ortenauer Bundes-Preisträger "Jugend musiziert", Simon Dilger, Klavier, und Benedikt Kasper, Posaune, spielten in Gengenbach in der Stadthalle.
vor 13 Stunden
Gengenbach
Die Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ stellten ihre Stücke in Gengenbach vor. Erstmals wurde das Konzert im Livestream übertragen.
"Den Kopf hinhalten" heißt der Debüt-Roman von Jens Rosteck über einen Henker und einen jungen Pianisten. 
vor 13 Stunden
Offenburg
Jens Rosteck stellte seinen Debüt-Roman in der Reithalle vor
Das Ensemble „Maffay pur“ präsentierte eine Hommage an Peter Maffay.
20.06.2021
Lahr
Die Band „Maffay pur“ brachte gute Laune in den Lahrer Stadtparkt. Das Publikum reagierte trotz Lockerungen noch verhalten. Statt der zugelassenen 300 kamen 100 Musikfeunde.
Das Boreas Quartett aus Bremen gastiert bei den Offenburger Kreuzgangkonzerten 2021.
18.06.2021
Offenburg
64 Besucher pro Veranstaltung sind bei den Offenburger Kreuzgangkonzerten 2021 zugelassen. Es erklingen Violine und Cello, Blockflöten und alte Instrumente.
Dietrich Mack.
17.06.2021
Kultur
Was Fußballbundestrainer Joachim Löw und Bundeskanzlerin Angela Merkel sich in diesen Tagen wohl zu sagen hätten? Ein Thema zumindest gibt es, den baldigen Abschied von der öffentlichen Bühne.
Alain Perroux.
17.06.2021
Kultur
Alain Perroux (50) ist seit 2020 Intendant der elsässischen Rheinoper. Im Interview spricht der Schweizer Dramaturg und Musikwissenschaftler über Baustellen, Jubiläumsfeiern und seine künstlerischen Pläne.
PK unter Corona-Bedingungen (v.l.): Edgar Common, Christa Peiseler, Barbara Roth, Carmen Lötsch, Malena Kimmig und Sarah Frank.
14.06.2021
Offenburg
Acht Lesungen an der Reithalle und im Kreuzgang bilden in diesem Jahr die Offenburger Literaturtage „Wortspiel“. Eingeladen sind einige gute Bekannte wie Annette Pehnt oder Urs Faes.
Alphorngruppe Reussblick.
14.06.2021
Lahr
Villa-Jamm-Artists: Franz Schüssele und Freunde
Das Kammerensemble Trio con brio aus Kopenhagen begeisterte wieder einmal.
14.06.2021
Kehl
Das Kammerensemble Trio von brio aus Kopenhagen eröffnete die „Corona-Saison“ in der Kehler Stadthalle mit einem schwungvollen Konzertabend. Der Applaus des Publikums war warm und enthusiastisch.
Lieder von Hans Eisler trug Mezzosopranistin Viola de Galgóczy (rechts) vor. Am Klavier wurde sie von Uschi Gross begleitet.
14.06.2021
Offenburg
Die Exkursion in Sachen zeitgenössische Musik mit dem Offenburger Ensemble war ein Lichtblick nach der langen Live-Abstinenz. Das nächste Konzert ist bereits für den 31. Juli geplant.
Lust auf Theater neu entfacht: Die Badische Landesbühne spielte in Gengenbach auf dem Stadthallen-Parkplatz. 
14.06.2021
Gengenbach
Die Corona-Beschränkungen ließen in Gengenbach nur einen Mini-Kultursommer zu. Dafür ließ die Freiluft-Aufführung von „Die listigen Weiber von Windsor“ die Pandemie total vergessen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Sieger der #Ballwechsel Aktion des Energiewerks Ortenau (ewo) wurde der VfR Achern. Im Acherner Hornisgrindestadion versammelten sich zur Preisverleihung: (von links) Erich Oser, Michael Müller, ewo-Geschäftsführer Matthias Friedrich, Oberbürgermeister Klaus Muttach, VfR-Achern Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Glunz, Malwin Lima, Bastien Touchemann, Thorsten Libis, Salvatore Vida, Carlos Fusaro.
    21.06.2021
    Sechs Vereine freuen sich über attraktive Preise
    Endlich: Das runde Leder rollt wieder. Über Monate mussten die Ortenauer Amateurfußballer tatenlos darben. Pünktlich zum Trainingsbeginn brachte die Preisverleihung der Aktion #Ballwechsel des Energiewerks Ortenau (ewo) den Gewinnern das Glück ins Haus.
  • Das trinationale Filmfestival der Hochschule Offenburg wird live aus dem FORUM Cinema in Offenburg gestreamt.
    16.06.2021
    Filmfestival Hochschule Offenburg – 53 Filme am Start
    Das trinationale studentische Filmfestival SHORTS wird dieses Jahr vom 1. bis 5. Juli live aus den FORUM Cinemas Offenburg gestreamt.
  • Unsere eigenen vier Wände: der Bau- und Sanierungsboom hält auch in der Ortenau weiter an. 
    15.06.2021
    Bauboom hält an – neue Förderprogramme ab 1. Juli
    Die Pandemie hat der Baubranche, den Architekten und Planern, den Landschaftsgärtnern sowie den Möbelhäusern weiter Auftrieb beschert. Renovieren und Sanieren stehen ganz oben auf der Liste der Vorhaben der Bauherren. Unser Magazin zeigt Aktuelles vom Markt auf.
  • Das Arbeitgeberversprechen "in good company" wird bei Hubert Burda Media wörtlich genommen. 
    14.06.2021
    Spannende Sales-Jobs: Im Dialog mit den Verbrauchern
    1903 als Druckerei gegründet, gehört Hubert Burda Media heute mit mehr als 1600 Arbeitsplätzen am Standort Offenburg zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und zählt mit weiteren Standorten zu einem der größten Medien- und Technologieunternehmen Europas.