Faltsch Wagoni in Achern

Musikalische Wortakrobaten singen über Politik und Liebe

Autor: 
Bodo G. Toussaint
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. Januar 2020
Silvana und Thomas Prosperi singen, machen Musik und spielen mit Worten.

Silvana und Thomas Prosperi singen, machen Musik und spielen mit Worten. ©Bodo G. Toussaint

Silvana und Thomas Prosperi, die als Faltsch Wagoni auftreten, verstehen sich als Gesamtkunstwerk. Was darunter zu verstehen ist, zeigten sie am Donnerstagabend im Bürgersaal Achern mit ihrem Programm „Auf in den Kampf, Amore!“. 

Man muss sich selbst neu erfinden und alles ein bisschen anders machen als andere. Ein Rezept für den Erfolg? Das könnte es zumindest für Silvana und Thomas Prosperi gewesen sein, die bereits seit 37 Jahren als Faltsch Wagoni auftreten und mit „Musik-Kabarettisten“ nur unzureichend beschrieben wären. Bei ihnen ist auch eine ganze Menge intelligente Wortakrobatik im Spiel. Bestechend ist zweifelsohne die exzellente Musikalität! 

Die beiden Künstler betreten die Bühne und legen sogleich los. Sie singt und schlägt den Rhythmus auf einer scheinbar selbstgebastelten Trommel, er begleitet sie auf der Gitarre. Und schon ist man hin und weg! Es ist ihre wunderbare Stimme, die gefangen nimmt, dunkel, einschmeichelnd, ja fast betörend. Und so ist man größtenteils auf die Songs fixiert, mit denen die beiden alternierend ihr Programm gestalten. Das reißt nun definitiv nicht vom Sitz, sondern ist eher wortspielerisch skurril und lässt ein kleines bisschen das Salz in der Suppe vermissen. 

Das soll freilich die Verdienste der beiden um kuriose Wortschöpfungen nicht schmälern („Schwestriarchat unter einem weiblichen König“, „Wir setzen nicht aufs Bruttosozialprodukt, sondern auf Nettobrutalwohl“, „Kiffer-Kohldampf“, „Das Gefühl nutritiver Erlösung“). Auch die Sicht auf die Defizite unserer Gesellschaft ist nachvollziehbar. Faltsch Wagoni beschwört das Land Empörien, wo man sich eben empört und nicht mit den Wölfen heult und vor allem, wo man sich auch liebhat. Deshalb der Song: „Politik und Liebe, dass es das gibt, oh, ich bin entzückt!“. Es wird alles thematisiert, was nur irgendwie mit Politik und Liebe zu tun hat, und das kommt zuweilen auch ganz angenehm ironiefrei daher. 

- Anzeige -

Tretmühlen der Bürokratie

„Haben Sie sich eigentlich schon mal integriert?“, fragt Thomas und erläutert: „Sich integrieren bedeutet, sich erneuern, ergänzen, geistig auffrischen! Würde uns vielleicht allen mal guttun!“. Wer wollte dem widersprechen? Und Silvana fragt: „Wie soll denn unsere Gesellschaft prosperieren, wenn an allen Ecken und Enden Vorschriften lauern?“. Richtig, das kann natürlich nicht klappen. Und so erstaunt es freilich auch nicht, dass Zuwanderung ein Thema ist, wo „die Tretmühlen der Bürokratie erbarmungslos mahlen!“. Dem wird dann sogleich der passende Song hinterhergeliefert: „Leben in der Warteschleife“ mit dem Tenor, dass, wer allzu lange wartet, not­gedrungen hassen muss. 

Auch am vermeintlich schiefen Frauenbild in der Gesellschaft wird gekratzt: Die Frauen sind die „Dekos“, die Dekoration für die Obermacker. „Für uns sind Frauen Frauchen, sowas wie Wauwauchen!“. Die beiden dachten doch tatsächlich, dass diese Zeiten vorbei seien, doch denkst’e, erklären sie. Sie sind jedenfalls gegen Machos mit „ihrem abgefuckten Frauenbild“.

Am Ende heißt es wieder musikalisch: „Die Zukunft braucht Streiter, sie erledigt sich nicht“ (von selbst) und das wird dann auch noch auf die Liebe, die Fairness und die Freiheit ausgedehnt. Denn: Das alles erledigt sich nicht, wenn wir nichts selbst unternehmen. Großer Applaus! Danke! Lektion gelernt! 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Sie präsentierten gestern das Wortspiel-Programm 2020: Sybille Scheerer (Buchhandlung Roth), Christa Peiseler (Buchhandlung Akzente), Markus Niemeier (Stadtbibliothek), Constanze Armbrecht (Volkshochschule) und Malena Kimmig (Leitung Stadtbibliothek).
20.02.2020
Offenburger Literaturtage "Wortspiel"
Mit zehn Lesungen, Autorengesprächen und Vorträgen kann die 13. Ausgabe des Offenburger „Wortspiels“ vom 19. März bis 6. Mai aufwarten. Mit etwas Glück dürfen die Buchfreunde zum Auftakt einem frischgebackenen Literaturpreisträger lauschen.  
17.02.2020
Lustspiel "Die Niere" in der Kehler Stadthalle
Die Berliner Komödie am Kurfürstendamm machte mit ihrer Aufführung von „Die Niere“ die Organspende zum Thema in Kehl. Passend für eine Komödie?
17.02.2020
"Wortreich" im Kehler Kulturhaus
Wir sind zu dick, zu alt und Falten haben wir auch – die Kabarettistin Inka Meyer zeigte am Sonntag im Kehler Kulturhaus auf ebenso entlarvende wie vergnügliche Weise die Auswüchse der grassierenden Selbstoptimierung auf. 
17.02.2020
Jens Rosteck liest im Salmen
Der Schriftsteller und Musiker Jens Rosteck lädt für Mittwoch zur szenischen Lesung in den Offenburger Salmen ein. Dabei geht es um keine Geringere als die französische Schauspiellegende Jeanne Moreau.
Enkhjargal Dandarvaanchig konzentrierte sich beim Konzert in Offenburg auf die Musik und Kultur seiner mongolischen Heimat.
17.02.2020
Enkhjargal Dandarvaanchig im Offenburger Salmen
Seine Musik erzählt von der Weite der mongolischen Steppe. Ober- und Untertongesang treffen auf den Klang der Pferdekopfgeige. Enkhjargal Dandarvaanchig, in Offenburg bestens eingeführt durch Rüdiger Oppermanns „Klangwelten“, gab am Samstagabend mit Gästen ein Konzert im Salmen.     
nspiriert von vielen Kulturen war das Konzert des Trios Trezoulé: Andi Bühler (Percussion, von links), Cathrin Pfeifer (Akkordeon) und Takashi Peterson (Gitarre).
17.02.2020
„Passerelles“-Konzertreihe
Mit facettenreichem World-Mix startete die Kehler „Passerelles“-Konzertreihe am Donnerstagabend in der Stadthalle in das neue Jahr. Das Berliner Trio Trezoulé erwies sich dabei als eine außergewöhnliche Formation. 
Sündhaft Süßes: „Opulent Gold Assortment“ von Peter Anton.
15.02.2020
Kunstmesse Art Karlsruhe
Auf der 17. Art Karlsruhe präsentieren 210 Aussteller noch bis Sonntag, 16. Februar, Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Im Mittelpunkt steht die Skulptur, eine Spezialität des nordbadischen Kunsttreffs. 
13.02.2020
Kultur
Die Kunstmesse »Art Karlsruhe« ist ab Donnerstag am Start und will in diesem Jahr das Augenmerk vor allem auch auf weibliche Positionen lenken.
Eine Stimme, die ins Herz dringt: Diana Damrau beim Konzert mit den Münchner Philharmonikern unter Leitung von Valery Gergiev.
13.02.2020
Konzert im Festspielhaus Baden-Baden
Das Konzert mit den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss und der 7. Sinfonie von Anton Bruckner wühlte das Publikum im Festspielhaus am Sonntag heftiger auf als der angekündigte Sturm. Das lag an der Musik und den Musikern.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.