Washington

Nach fast 100 Jahren: Schüler kippt Schneeball-Wurfverbot

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. Dezember 2018
Der neunjährige Dane Best vor Gemeinderatsmitgliedern.

Der neunjährige Dane Best vor Gemeinderatsmitgliedern. ©dpa - Severance Police Department

Kurz vor Weihnachten hat ein Grundschüler in den USA das fast hundert Jahre alte Schneeball-Wurfverbot in der Gemeinde Severance im Bundesstaat Colorado gekippt.

Der Gemeinderat sei einem entsprechenden Antrag des Drittklässlers Dane Best (9) einstimmig gefolgt, sagte Gemeindesprecher Kyle Rietkerk am Mittwochabend (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur. Er bestätigte damit US-Medienberichte. Dane habe vor dem Gemeinderat unter anderem argumentiert: «Jeder in Severance sollte in der Lage sein, eine Schneeballschlacht zu haben, wie überall auf der Welt.»

Rietkerk sagte, bei einem Schulausflug zum Bürgermeister und zum Gemeinderat sei den Schülern auch von dem antiquierten Verbot erzählt worden, Schneebälle zu werfen. Ihnen sei außerdem gesagt worden, dass sie auch als Kinder eine Stimme hätten. Bürgermeister Don McLeod sagte dem Sender CNN: «Die Kinder waren total verblüfft, als sie herausfanden, dass sie die ganze Zeit gegen das Gesetz verstoßen haben.» Jedes Jahr ermutige er Kinder bei ihrem Besuch, vorhandene Regelungen zu ändern. «Dane war der erste Schüler, der mich beim Wort genommen hat, und ich bin sehr stolz, dass er das getan hat.»

Was der Ursprung des Verbots gewesen sei, sei unklar, sagte Rietkerk. «Wir haben wirklich keine Ahnung.» Bekannt sei, dass es seine Wurzeln in einer Regelung aus dem Jahr 1921 habe, wonach keine Wurfgeschosse geworfen werden dürften. Die bisher geltende Gemeindeverordnung untersagt, «Steine oder jegliche anderen Wurfgeschosse» auf Menschen, Tiere, Gebäude, Bäume, Fahrzeuge oder anderen öffentlichen oder privaten Besitz zu werfen.

- Anzeige -

Rietkerk sagte, es sei nicht überliefert, dass Schneeballwürfe jemals tatsächlich geahndet worden seien. In Severance - eine Gemeinde, in der eigenen Angaben zufolge geschätzte «4300 freundliche Menschen» leben - habe es früher mehrere sonderbare Verbote gegeben. So seien der Besitz oder Betrieb von Billardtischen, Dartboards oder Bowlingbahnen im Jahr 1921 nur gegen eine Gebühr von 1000 Dollar erlaubt gewesen - damals horrend viel Geld. Nach der Ratsentscheidung postete die Gemeinde am vergangenen Montag auf ihrer Facebookseite: «Schneeballschlachten sind jetzt legal in Severance! Glückwunsch, Dane!»

Dane wurde in seinem Anliegen mit Briefen von seiner Lehrerin und seinen Klassenkameraden aus der Range-View-Grundschule unterstützt. Lehrerin Shannon Fisher schrieb: «Meine Schüler waren schockiert, herauszufinden, dass es illegal ist, in Severance einen Schneeball zu werfen.» Eine Drittklässlerin namens Kendra argumentierte: «Im Winter würde es Spaß machen, Schneebälle zu werfen.» Ihr Klassenkamerad Dustin meinte, es sei nicht fair für die Bewohner von Severance, nicht zu wissen, wie es sei, einen Schneeball zu werfen.

Der lokale Sender CBS4 berichtete unter Berufung auf Danes Eltern, der Junge könne als nächstes womöglich eine weitere Regelung in Severance anfechten: Derzeit dürfe jeder Haushalt in der Gemeinde nur drei Haustiere halten, und als Haustiere würden nur Hunde und Katzen gelten. Dane habe dagegen ein - derzeit noch illegales - Meerschweinchen.

Severance ist eine kleine Gemeinde rund 100 Kilometer nördlich von Denver und liegt im Norden Colorados, wo es im Winter viel schneit. Unmittelbar nach der Ratsentscheidung lag allerdings kein Schnee. Trotzdem konnte Dane bereits den ersten «legalen» Wurf machen - mit einem Schneeball aus dem Eisschrank.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
15.02.2019
Bars, Musik, Kostümprämierung
Schon siebenmal fand der Gammlerball in Kehl bislang am Schmutzigen Donnerstag statt. In diesem Jahr ist das anders. Erstmals wird in der Stadthalle am Fasnachtssamstag gefeiert. Neben DJ Vuko sorgen verschiedene Narrenzünfte und die Gammlerbänd Willstätt für die Musik. Mit der Terminänderung aufs...
13.02.2019
Manufaktur für orthopädische Leistungen
Sie tragen uns im Laufe unseres Lebens durchschnittlich 180.000 Kilometer – unsere Füße. FUSS ArT, die Manufaktur für orthopädische Leistungen rund um den Fuß, ist seit Anfang Februar 2019 in der Moltkestraße 30-32 in Offenburg am Start und bietet ihren Kunden ein umfassendes Leistungsspektrum und...
04.02.2019
Offenburg
Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 7. bis zum 9. Februar findet auf dem Gelände die dreitägige Möbelmesse statt. Hier können die Kunden in verschiedenen Themenwelten die aktuellsten Wohntrends entdecken. Neben einem großen Sonderverkauf gibt es...
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 2 Stunden
Pro & Kontra der Mittelbadischen Presse
Die Geothermie wird gerade in der Ortenau von vielen abgelehnt. Andere halten sie für wichtig als neue Energiequelle. Um dieses Thema geht es beim "Pro & Konra" der Mittelbadischen Presse.
vor 2 Stunden
Thema des Tages
Bereits seit 2005 gibt es Pläne, ein Tiefengeothermie-Kraftwerk in Neuried zu errichten. Die Mittelbadische Presse beleuchtet den aktuellen Stand des Projekts und hat mit Experten und Vertretern einer Bürgerinitiative gegen die erneuerbare Energie Erdwärme gesprochen. 
Ein Kämpfer der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte schaut im Kampf gegen die Terrorgruppe IS in ein Gebäude im syrischen Baghus.
vor 8 Stunden
Washington/München
US-Präsident Donald Trump hat die europäischen Verbündeten um Aufnahme und Verurteilung von hunderten von gefangenen Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat aufgerufen.
Die Sozialdemokraten gewannen zwei Punkte hinzu.
vor 8 Stunden
Berlin
Erstmals seit Mitte Oktober liegt die SPD im Emnid-«Sonntagstrend» für «Bild am Sonntag» wieder vor den Grünen. Wie die Zeitung mitteilte, gewannen die Sozialdemokraten zwei Punkte hinzu auf 19 Prozent.
vor 8 Stunden
Freiburg
Giftige Pilze, zu viel verschluckte Tabletten oder ein Schluck aus der Waschmittelflasche - wer Angst vor einer Vergiftung hat, kann erst mal zum Telefon greifen. In Freiburg schätzen Experten das Risiko ein.
Das große Abschlussbild.
vor 17 Stunden
Berlin
Die Jury eines Filmfestivals muss sich immer auch entscheiden - eher Kunst oder eher Kasse? Bei der 69. Berlinale haben die Juroren die Kunst gewählt.
vor 20 Stunden
Baden-Württemberg
In der grün-schwarzen Landesregierung geht es verbal hoch her. Grünen-Fraktionschef Schwarz ermahnt den Koalitionspartner. Helfen neue Zahlen aus einer Umfrage, die Lage wieder zu entspannen?
16.02.2019
Nachrichten
Vermutlich weil er eine Abkürzung über die Gleise nehmen wollte, ist ein 16-Jähriger in der Nacht auf Samstag am Freiburger Bahnhof getötet worden. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. 
Bruno Ganz.
16.02.2019
Zürich
Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist tot. Er starb im Alter von 77 Jahren in Zürich, wie sein Management am Samstag mitteilte. Zuvor hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» online berichtet.
16.02.2019
Kommentar des Tages
Im Prinzip ist für viele die Nachricht, dass das Wohngeld erhöht werden soll, zwar eine gute Nachricht. Gleichwohl gibt es keinen Grund, in Euphorie zu verfallen, meint unser Korrespondent Stefan Vetter im Kommentar des Tages.
16.02.2019
Sozialstaatsprogramm
Das Sozialstaatsprogramm hat der Partei neuen Elan eingehaucht. Und der Vorsitzenden eine neue Position der Stärke ermöglicht. 
Ihre Ministerien hatten die höchsten Ausgaben für Expertise von außen. Das Innenministerium von Horst Seehofer gab rund 213,5 Millionen Euro aus, Ursula von der Leyens Verkehrsministerium 147,2 Millionen Euro.
15.02.2019
Berlin
Die Bundesregierung hat im Jahr 2017 rund 722,4 Millionen Euro für externe Beratungs- und Unterstützungsleistungen ausgegeben.