Quirlige Komödie in Oberkirch

Nachbarn in der Zeit von Pandemie

Autor: 
Johanna Graupe
Lesezeit 3 Minuten
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12. Oktober 2020

Felix Schwarz (Andreas Werth) mit seiner Nachbarin Kerstin Schröder (Sarah Matberg, l.) und dem Hausdrachen Frau Otto (Manon Straché, r.). ©Johanna Graupe

„Ich hasse dich – heirate mich“ – Unterhaltsame, wirbelnde Komödie in Zeiten des Corona-
Lockdowns und der Homeoffice-Arbeit. Das Publikum in Oberkirch wusste das Spiel zu schätzen.

Die Oberkircher Abo-Saison, zu der Bürgermeister Christoph Lipps am Wochenende in der Erwin-Braun-Halle einlud, wurde gleich an zwei Abenden eröffnet. Alle weiteren Abo-Vorstellungen finden in derselben Weise statt, um allen Abonnenten die Möglichkeit geben, die Stücke zu sehen und um die Hygienevorschriften einzuhalten. Dem Corona-Lockdown hat sich Florian Battermann, Theaterchef der Braunschweiger „Komödie im Heinrich“, erfolgreich entgegengestellt und zusammen mit Jan Bodinus ein Stück geschrieben, das in ärgsten Covid-Zeiten spielt. Es wurde ein Boulevard-Wurf und inzwischen von anderen Theatern ebenfalls aufgenommen. 

Hohes Tempo und Spielfreude

Man ist mitten im Lockdown, und Tanzlehrerin Kerstin schlägt sich mit Online-Unterricht durch. Den unter ihr wohnenden nervösen Ratgeber-Autor Felix Schwarz, der unter Verlagsdruck steht, stört das Geklacker der Nachbarin von oben erheblich, rückt doch der Abgabetermin für seinen nächsten Ratgeber in bedrohliche Nähe. Kerstin Schwarz hat allerdings noch weitere Probleme: Ihr Freund hat gerade Schluss gemacht, bevor sie das tun konnte. 
Seit diesem ganz privaten Shutdown will sie sich nie mehr verlieben, sondern einen Partner auswählen, den sie von Beginn an ätzend findet, weil es am Ende doch dahin hinauslaufe. Praktischerweise kann sie ihre krude Theorie gleich austesten. Der ideale Ätz-Typ ist natürlich ihr neuer Nachbar. So kommt die Komödie in Gang.

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Eigentlich eine simple Story, aber: Es wird in hohem Tempo klasse gespielt, man kann jede Menge Tänze kennenlernen und die Spielfreude springt über. Sarah Matberg als Kerstin hat Verve, Ausstrahlung, Charme – und sie kann tanzen, was sie in etlichen Musical- und Filmproduktionen schon unter Beweis stellte. 

Regisseur Andreas Werth als schreibender Nachbar Felix Schwarz gibt sich zunächst so nölend, abgehoben und genervt, dass er für die Tanzlehrerin als idealer Typ erscheint, eine antipathische Beziehung auszutesten. In der klassischen Screwball-Handlung giften sich die beiden souverän an, die Dialoge sind pointiert wie die Tanzschritte. Die beiden kommen sich natürlich näher, obwohl oder gerade weil er einen ziemlich bekloppt klingenden Ratgeber für das Tanzen schreibt und von der Materie kaum eine Ahnung hat. Zum Neustart ihrer Beziehung gibt es schon mal gemeinsame Überlegungen für Online-Konzepte. 

Vollgas nach Noten

Manon Straché, aus zahlreichen Fernsehrollen bekannt, war unbestrittener Publikumsliebling mit großer Bühnenpräsenz als Dauerschwätzerin in tiefstem Sächsisch. Mühelos geht sie über mehrere Oktaven, kann singen und tanzen. Als Nachbarin Frau Otto bringt sie Pfeffer ins Stück, stürmt immer im unpassenden Moment in die Wohnung, mischt sich ein, bringt den neuesten Tratsch: derb, direkt, aber lebensklug. Manon Straché gibt der prolligen Figur eine warmherzige, liebenswerte Note.
Ein tolles, spielfreudiges Ensemble gab Vollgas nach Noten, und das Publikum honorierte den unbeschwerten, frischen Abend – obwohl es ständig um Maskenpflicht und Abstand geht  – mit langem Applaus. Manon Straché bat zum Schluss noch um Unterstützung: Nachdem bei ihren Nachbarn diskutiert, gestritten, aber eben nur mit Abstand geküsst werden kann, ermunterte sie die Zuschauer eben dies richtig zu tun. Das ließen sich etliche Zuschauer nicht zweimal sagen. 

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