Moderner Tanz

Nervenaufreibende Vorstellung der Company Nanine Linning

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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19. Oktober 2018
Szene aus der Choreografie »Bacon«.

Szene aus der Choreografie »Bacon«. ©Kalle Kuikkaniemi

Keine leichte Kost bot die Dance-Company Nanine Linning am Mittwoch und Donnerstag mit der Choreografie »Bacon« in der Reithalle. Die Aufführung im Rahmen von »Tanzland« soll den Offenburgern modernen Tanz näher bringen – und da ist noch Luft nach oben.

Nur gut zur Hälfte besetzt war die Offenburger Reithalle am Mittwoch, als die Company von Nanine Linning ihr erfolgsverwöhntes Stück »Bacon« zeigte. Vielleicht ist es also höchste Zeit, dass mit dem Projekt »Tanzland« während der nächsten beiden Jahre moderner Tanz auf unterschiedliche Weise vermittelt wird. 

Dass die Aufführung keine leichte Kost bieten würde, war von vornherein klar. Schon beim Betreten des Raums erschrickt der Zuschauer ein wenig: Von der Decke baumeln kopfüber zwei Körper, die sich in bizarrer Weise räkeln. Dann bewegt sich die in der Ecke liegende Person. Von den Bühnenrändern her nähern sich Tänzerinnen. Sie schleichen, krabbeln oder verharren wie in Lauerstellung. Ihre Bewegungen zeigen unverhohlene Aggression. Wie Raubtiere neigen die Tänzer ihre Köpfe zueinander. Eine sphärisch klingende Musik gibt den Takt für ihre Bewegungen vor.

Die niederländische Choreografin Nanine Linning setzt auf Überraschungseffekte. Plötzlich scheppert ein Ton. Eine Klappe in der Kulisse öffnet oder schließt sich. Ein Ensemblemitglied wird  angesprungen. Die Augen von Raubvögeln und die fletschenden Zähne von Raubtieren auf der Großleinwand im über Eck gestellten Kubus aus Lichtdrähten verstärken den bedrohlichen Eindruck.  

Es gibt auch Versöhnliches.Einen Pas de deux, bei dem die Tänzer dennoch Abstand voneinander halten. Oder die Szene, in der das Ensemble sich im Gleichklang befindet. Mehrheitlich aber loten die Szenen die Grenzen des Erträglichen aus – auch, weil sie nicht vorhersehbar sind und dadurch an den Nerven zerren. Nur einmal ist dem Publikum schon vorher klar, was passieren wird: als die Tänzerin kopfüber in der Toilettenschüssel landet.

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Von Schönheit und Schmerz

Im Künstlergespräch im Anschluss an die Aufführung wies Nanine Linning auch auf die Schönheit der Brutalität des Schmerzes und der Grausamkeit hin. Ihr Stück, so berichtete sie, sei unter dem Eindruck des Kosovokrieges entstanden. Damals sei sie erschrocken darüber gewesen, wie schnell der Mensch seine Etikette vergesse, wie labil Werte seien: »Schon nach drei Tagen wurde geplündert.«

Mitleid zeigte das Publikum von allem mit der Tänzerin, die gut eine halbe Stunde kopfüber hing. »Das geht, ich habe das selbst gemacht«, beruhigte Linning lächelnd. Man müsse die Szene jedoch langsam aufbauen, so wie das ganze Stück – quasi von Minute zu Minute. Eine Choreografie setze sich aus »Hunderte von Bildern von Google« in ihrem Kopf zusammen, berichtete die Company-Chefin. Ihre Ideen bespreche sie dann mit den Verantwortlichen für Licht, Ton und Bühnenbild. Schließlich entstehe das Stück in der Zusammenarbeit mit dem Ensemble.

Was bleibt: Es war eine Tanzdarbietung, bei der man sich ausnahmsweise nicht wünschte, wie die Akteure auf der Bühne tanzen zu können.

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