Tutzing

Peter Maffay: «Jetzt beginnt die Kür»

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
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23. August 2019
Peter Maffay hat Lust auf Experimente.

Peter Maffay hat Lust auf Experimente. ©dpa - Peter Kneffel

Peter Maffay hat in seiner Karriere mehr als nur eine Welt erschaffen. Das Reich des kleinen, grünen Drachen Tabaluga gehört dazu - aber auch sein eigenes, mehrere Gebäude umfassendes Anwesen in Tutzing am Starnberger See.

Dort sitzt seine Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Dort hat er ein Studio, in dem er seine Musik produziert. Dort sprach er mit der Deutschen Presse-Agentur über seinen 70. Geburtstag - und einiges mehr.
 

Sie werden 70 Jahre alt. Was für ein Zeitabschnitt ist das, der da jetzt für Sie beginnt?                                                                                                                                                                                                                                                              Erdgeschichtlich ist ein 70. Geburtstag nicht wahnsinnig einschneidend. Aber für mich schon. Ich habe das Gefühl, die Pflicht ist erfüllt, und jetzt beginnt die Kür. Ich kann das gar nicht so genau definieren, aber nach 50 Jahren auf der Bühne kann ich mir vorstellen, dass da ab jetzt viel mehr Platz sein wird für Improvisation, für das Experimentieren - auch musikalisch.

Warum gab es diesen Platz vorher nicht? Warum haben Sie sich ans «Pflichtprogramm» gehalten?
Es ist ja eine sehr angenehme Pflicht. Ich habe mir in meinem Leben ehrlich gesagt nichts Besseres vorstellen können, als so zu leben - mit Musik. Ich würde das auch jederzeit wieder so machen, wenn ich mich zu entscheiden hätte. Aber ich habe inzwischen das Gefühl, dass das alles rund ist und das richtige Maß hat und ich die Aufgabe, dieses Maß zu erreichen, nicht mehr bewältigen muss. Auch in der Stiftung sind wir jetzt an einem Punkt angekommen, an dem alles einigermaßen rund läuft. Jetzt geht es darum, die kommende Zeit mit Kreativität aufzufüllen und sich schöne Sachen einfallen zu lassen. Ein anderer Anlass ist meine kleine Tochter. Das ist auch ein völlig neuer Aspekt. Mein Sohn ist 16 - da habe ich einiges aus seinem ersten Lebensjahr schon vergessen.

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Sie werden sich also vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit nehmen für das Private und ihre Tochter?
Ja. Die ersten 50 Jahre waren schon sehr rasant. Der Beruf hat alles überlagert - und zwar nicht zu knapp. Inzwischen besteht eigentlich nicht mehr wirklich eine Veranlassung, diese Hektik zu leben. Ich weiß ja, dass ich hier wider besseres Wissen rede und sich ein gewisser Druck ohnehin wieder aufbauen wird. Ich kam mit Druck eigentlich immer relativ gut zurecht. Aber ich muss auch zugeben, dass es Phasen gab, wo es mir selber zu viel war. Ich bin ein schlechter Nein-Sager, und wenn man mit 40 Grad Fieber irgendwie auf der Bühne stehen und spielen muss, dann ist das eklig. Aber wir sind dann auch öfter von der Bühne runter gekommen - und das Fieber war weg.

Ist Ihr Privat- oder Familienleben etwas zu kurz gekommen über die Jahre?
Ja. Es gibt Leute in meinem Leben, die hätte ich gerne öfter gesehen, und ich hätte gerne öfter mit ihnen zusammengesessen und so weiter. Ich beobachte ja diese Umstände auch bei anderen. Man mag sich irgendwie, ist sich zugetan und möchte Zeit miteinander verbringen - aber alles zu koordinieren ist eben nicht so einfach.

Der Titel «Morgen» auf Ihrem Album ist fast schon brachial politisch - mit warnenden Bildern von Adolf Hitler im Musikvideo. Sie sind ja nicht unbedingt als unpolitischer Mensch bekannt - aber warum jetzt so explizit?
Ja, so hart hatten wir das eigentlich noch nie. Aber es ist ja inzwischen nicht ungewöhnlich. Man sieht das ja beispielsweise auch bei Rammstein und anderen Leuten, die die Plattform Musik benutzen, um sich zu artikulieren in gesellschaftlicher und politischer Weise. Es ist ja nun mal die Realität. Wir zeigen ja keine erfundenen Bilder. Die Aneinanderreihung verdeutlicht, mit welcher Skala von Themen, Konflikten und Erosionen wir es zu tun haben. Wenn man sich die kommenden Generationen vorstellt und unter welchen Umständen sie leben werden, dann stellt sich da zwangsläufig eine Mega-Aufgabe. Aber ich bin Gott sei Dank bei weitem nicht der Einzige, der solche Sachen anrührt oder berührt. Wenn man nach 50 Jahren ein neues Album macht, dann kann man mit Blabla rausgehen - oder man positioniert sich. Ich denke, dass wir dieses gesellschaftliche System, in dem wir das Glück haben zu leben, bewahren und beschützen müssen. Und dafür ist es nötig, dass man sich dazu bekennt und dass man diesen Erosionen nicht nachgibt. Das ist wie mit Rost, der sich schleichend festsetzt. Den muss man permanent entfernen und bekämpfen.

Zur Person

Peter Maffay

Peter Maffay wurde am 30. August 1949 als Peter Alexander Makkay in Rumänien geboren. 1963 zog er mit seinen Eltern nach Bayern. Seit Jahrzehnten feiert er große Erfolge mit seiner Musik. In den 1980er Jahren entwickelte Maffay das Rockmärchen «Tabaluga». Jüngst machte er auch privat Schlagzeilen, weil er seine vierte Ehefrau für eine Lehrerin verließ, die 38 Jahre jünger ist als er. Mit ihr hat er inzwischen eine kleine Tochter. Seinen 70. Geburtstag feiert Maffay mit seinem neuen Album «Jetzt» und einem Konzert in Berlin.

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