Beethovens fünftes Klavierkonzert im Festspielhaus Baden-Baden

Pianistin Elisabeth Leonskaja spielte brillant und energisch

Autor: 
Dietrich Mack
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
04. Dezember 2019
„Grande Dame“ des Klaviers: Elisabeth Leonskaja.

„Grande Dame“ des Klaviers: Elisabeth Leonskaja. ©Julia Wesely

Kontrastprogramm im Festpielhaus Baden-Baden: Pianistin Elisabeth Leonskaja, die am Sonntag mit dem Budapest Festival Orchestra Beethovens fünftes Klavierkonzert spielte, ist keine Tastenlöwin. Mit ihren Konzerten will sie zu geistigen Erkenntnissen verhelfen.

In den letzten Wochen konnte man im Festspielhaus Teodor Currentzis, Max Raabe und Cecilia Bartoli erleben. Musikalisch verbindet diese drei nichts. Aber sie sind nicht nur wegen ihres Könnens berühmt, sondern auch, weil sie die Show meisterhaft beherrschen.

Ein gegensätzlicher Typ zu diesen Künstlern ist die Pianistin Elisabeth Leonskaja. Sie spielte am Sonntag mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer das fünfte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven. Leonskaja, 1945 in Tiflis geboren und früh von Swjatoslaw Richter gefördert, gilt als „Grande Dame“ am Klavier. Dieser Beiname bezieht sich nicht auf ihr Alter, sondern auf ihre anspruchsvolle Haltung zur Musik. 
Vor einigen Jahren sagte sie in einem Interview: „Ich wünsche mir, dass die Zuhörer aus dem Konzert gehen mit dem Gefühl, etwas erkannt zu haben als geistige Idee, was uns im Leben beschäftigt, was wir aber normalerweise nicht erkennen, weil wir zu blockiert sind“. Sie versteht also Musik als Erkenntnisgewinn und Heilung und sich als Therapeutin. Das löst vielleicht keine spontane Begeisterung aus, zumal sie nicht den Voyeurismus befriedigt, eine Tastenlöwin zu erleben, aber es nötigt zu etwas selten Gewordenem: zu großem Respekt.

Beethoven wird gerne pauschal für alle Freiheitsbegriffe vereinnahmt. Das ist falsch. Er war zerrissen zwischen den Idealen der französischen Revolution und der österreichischen Restauration, Das fünfte und letzte Klavierkonzert entstand 1809. Wieder tobte Krieg zwischen den beiden Ländern, doch Beethoven verpflichtet sich, in Wien zu bleiben, widmet das Konzert, wie viele andere Werke auch, dem Mäzen und Amateurpianisten Erzherzog Rudolph. 

Auf dieser Bruchlinie steht das Konzert, das die heroische Phase um die „Eroica“ abschließt. Es hat eine enorme Klangfülle, einen heroischen Ton und bekam den Beinamen „Kaiserkonzert“, wobei unbestimmt blieb, welcher Kaiser gemeint ist. Diesen großen Atem spürt man vor allem in den Ecksätzen, die in der Tonart der „Eroica“ stehen (Es-Dur), und vom groß besetzten Orchester – sehr dominant und ungewohnt platziert die sechs Kontrabässe oben in der Mitte –  und von Leonskaja sehr energisch gespielt werden, ohne die tänzerischen Elemente zu vernachlässigen. Das hört man sofort in der brillanten Kadenz, mit der das Konzert beginnt. Der Mittelsatz im zart hingetupften Adagio kündigt die neue lyrische Periode an.

- Anzeige -

Keine Improvisation gestattet

Da Beethoven allen Nur-Pianisten misstraute, hat er in diesem Konzert erstmals alles penibel festgelegt, sodass kein Raum für Improvisation und Virtuosität bleibt. Der Pianist dient der Musik, und das tat Leonskaja mit ihrem dunkel grundierten Ton, dem man immer noch die russische Schule anhört, ebenso uneitel wie souverän. Bezeichnend auch, dass sie als Zugabe nichts Virtuoses wählte, sondern das Adagio aus einer Mozart-Sonate (F-Dur, KV 332). Großer Respekt für diese Priesterin der Musik.

Das Beiprogramm mit Werken von Antonín Dvorak war locker und farbig. Mit einem Wiegenlied zeigte das Orchester einmal mehr seine Sangeslust, mit der  achten Sinfonie seine Meisterschaft für Klangfarben, angeführt von Klarinetten, Flöten, Pauke und einer energischen Konzertmeisterin. Das war im besten Sinn sehr unterhaltend.

Am Sonntag hatte sich die Nachricht verbreitet, dass in der Nacht einer der ganz Großen der Musikwelt gestorben war: der Dirigent Mariss Jansons. Eine Schweigeminute des Gedenkens wäre angemessen gewesen. Leider haben Festspielhaus und Dirigent dies versäumt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

vor 16 Stunden
Tonarten-Festival 2020
Das diesjährige Tonarten-Festival Sasbachwalden bescherte den Zuhörern im Kurhaus einen prallen Tango-Abend mit Werken von Piazzolla. Das Ensemble Operassion bot ein Konzert der Extraklasse.
vor 17 Stunden
Musik auf der Seebühne
Der Kehler Kultursommer auf der Seebühne startete am Samstag mit Cris Cosmo und Band und dem Gast „Zweierpasch“. Trotz Beschränkungen wurde es ein fröhlicher Abend.
01.08.2020
Ausstellung im "Temopolis"
Karikatur trifft Technik: Das „Temopolis“ in Ohlsbach zeigt Arbeiten von Erich Rauschenbach.  Der Cartoonist skizziert ironisch-kritisch die Auswirkungen von Technik.
31.07.2020
Hitradio Ohr: Summer of Live
Es gibt keine großen Festivals und keine großen Popkonzerte. Zumindest nicht in der bekannten Form. Die Musikredaktion von Hitradio Ohr in Offenburg hat sich was ausgedacht für den August: „Summer of Live“ ab Montag.
usrine Stundyte (Elektra) und Tanja Ariane Baumgartner (Klytämnestra) bei einer Probe der Oper „Elektra“ von Richard Strauss. Die Opern-Neuinszenierung steht am Eröffnungsabend der Salzburger Festspiele morgen, Samstag, auf dem Programm.
31.07.2020
100 Jahre Salzburger Festspiele
Das Jubiläum 100 Jahre Salzburger Festspiele wird auch in Coronazeiten gefeiert. Das 1920 gegründete Kulturspektakel hat sich in den 1990er-Jahren der Moderne geöffnet und ist zum Stelldichein der Stars von Oper und Schauspiel geworden. 
Dietrich Mack.
30.07.2020
Kulturkolumne
Anwalt der Künstler, geliebter Hausvater oder cholerischer Tyrann: Theaterintendanten üben ihr Amt auf sehr verschiedene Art und Weise aus. Dass die Mitarbeiter sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen, zeigt aktuell das Beispiel Karlsruhe. 
Große Festspielhaus in Salzburg mit der Festung Hohensalzburg im Hintergrund.
30.07.2020
100 Jahre Salzburger Festspiele
Im Gegensatz zu allen anderen großen Festivals finden die Salzburger Festspiele auch in diesem Jahr statt, abgespeckt zwar, aber immerhin. Das wirkt ebenso trotzig wie passend, denn diese Festspiele wurden vor 100 Jahren inmitten gewaltiger Krisen gegründet.
28.07.2020
Online-Musikfestival "We Live"
„We live“ mit „No Authority“: Auch das fünfte Konzert hatte 25 000 Aufrufe innerhalb eines Tages. Das Lahrer Online-Musikfestival wird immer mehr zu einer großen Erfolgsgeschichte.
28.07.2020
Kehler Kulturprogramm der neuen Saison
Das Kulturbüro Kehl stellte sein neues Abo-Programm für 2020/2021 vor. Für Einzelkarten gibt es ein Bestellformular.
27.07.2020
Ausstellung zur Eröffnung des Tonarten-Festes
Das 14. Tonarten-Musikfestival in Sasbachwalden ist eröffnet. Zum Auftakt gab es am Sonntag eine Vernissage der Arbeiten von Eva Schniedertüns-Gornik.
Überbordende Lust an der Farbe: Künstler Leon Löwentraut in der Kunsthalle Messmer zwischen zwei großformatigen Bildern seiner Ausstellung.
27.07.2020
Ausstellung in der Kunsthalle Messmer in Riegel
Shootingstar Leon Löwentraut zeigt in der Kunsthalle Messmer in Riegel am Kaiserstuhl seine expressive und exzessive Malerei. Der Ausstellungstitel „Jung, provokativ und erfolgreich“ ist für den erst 22-jährigen Künstler Programm.
Künstler Robert Schad mit der im Innenhof des neuen Rat­hauses plazierten Großskulptur.
26.07.2020
"Kunst in die Stadt!" in Lahr eröffnet
Die diesjährige Skulpturenausstellung „Kunst in die Stadt!“ in Lahr gestaltete der renommierte Stahlbildhauer Robert Schad. Seit, Samstag, 25. Juli, ist die Freiluft-Schau offiziell eröffnet.Die Begleitausstellung in der Städtischen Galerie ist erst ab September zu sehen  

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Schlafzimmer als Wohlfühlort: Der D&K Sonderposten Großhandel in Gengenbach hat alles rund um den gesunden Schlaf im Sortiment.
    02.08.2020
    Traumhaft schlafen mit dem D&K Sonderposten Großhandel in Gengenbach
    Eine qualitativ hochwertige Matratze ist die beste Basis für erholsamen Schlaf. Und die muss nicht teuer sein: Diesen Beweis tritt der D&K Sonderposten Großhandel in Gengenbach an. Er präsentiert aktuell noch auf 120 Quadratmetern, ab August auf rund 500 Quadratmetern, alle Arten von Matratzen...
  • Die Bereiche JOOP! LIVING ROOM, DINING ROOM, BEDROOM und BATHROOM sprechen dieselbe Designsprache und verschmelzen perfekt zu harmonischen Wohnwelten.
    23.07.2020
    Premium-Kollektion bei Möbel RiVo
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten in der Region. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach steht seit mehr als 40 Jahren für geschmackvolles Wohnen und ist Partner ausgewählter Marken. So zählt Möbel RiVo zum exklusiven Kreis an Möbelhäusern in Deutschland, der die...
  • Mit dem Theraband können gezielt Körperpartien wie Rücken, Schultern und Bauchmuskeln gestärkt werden.
    23.07.2020
    Beschwerden beim Bewegen? Stinus GmbH berät umfassend und fertigt Hilfsmittel nach Maß
    Der Alltag verlangt dem Körper einiges ab: Die Beine tragen in Beruf und Freizeit überall hin, die Arme bewegen Lasten, der Nacken ist beim Blick in den Monitor oder aufs Handy nach vorn gebeugt, die Schultern verkrampfen. Blockaden, Verspannungen und schmerzende Muskeln sind die Folge. Die...
  • Das edel-graue Parkett schafft eine klare Raumstuktur.
    06.07.2020
    Im grenznahen Neuried werden Wohnträume wahr
    Holz ist ein wunderbarer Werkstoff für den Innenausbau: Er ist durch und durch natürlich und passt sich den Anforderungen an. Dabei ist er genauso individuell wie die Menschen, die in den vier Wänden leben. Wer seinen Wohntraum in Holz verwirklichen will, ist bei marx Design in Holz in Neuried an...