Offenburg

Pop im anderen Gewand

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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21. September 2021
Die Band Stilbruch beim Konzert in der Offenburger Reithalle. 

Die Band Stilbruch beim Konzert in der Offenburger Reithalle.  ©Jürgen Haberer

Mit Cello, Geige und Schlagzeug kreierte das Leipziger Trio Stilbruch seinen eigenen Sound. Das selbstgewählte Etikett „New Classic“ führt allerdings in die Irre.

Auch wenn sie sich selbst das Etikett „New Classic“ angeheftet hat: Die Gruppe Stilbruch serviert Popsongs mit deutschen Texten. Das Trio aus Leipzig tanzt trotzdem aus der Reihe. Cello, Geige und Schlagzeug kreieren einen Sound, der mit klassischen Zwischentönen kokettiert, mit barocken Einsprengseln und virtuosen Einlagen.
Das vom Offenburger Kulturbüro und dem Verein „361 Grad“ gemeinsam organisierte Konzert in der Reithalle, hat das Publikum am Samstag begeistert und doch auch die Grenzen eines Ansatzes aufgezeigt, der am Ende eher halbherzig daherkommt.
Mastermind Sebastian Maul (Cello, Gesang) ist klassisch ausgebildet, sein Herz schlägt aber unüberhörbar für die Popballade. Die von ihm komponierten Songs folgen eingängigen Mustern, bedienen klar das Feld der ­Populärkultur. Dass das auch mit klassischen Instrumenten funktioniert, hat die finnische Gruppe Apocalyptica bereits in den frühen 1990er-Jahren eindrucksvoll bewiesen.
Stilbruch geht einen Schritt weiter. Das aktuell durch den kroatischen Geiger Antonio Palanovic und den aus St. Petersburg stammenden Schlagzeuger Konstantin Chiddi komplettierte Trio bolzt nicht einfach nur Tempo, obwohl gerade auch Sebastian Maul immer wieder beherzt sein Instrument bearbeitet. Für den rhythmischen Druck sorgt normalerweise aber das Schlagzeug. Antonio Palanovic schlüpft in die Rolle eines virtuos agierenden Teufelsgeigers. Das Label „New Classic“ führt trotzdem in die Irre. Es etikettiert normalerweise die gerade auch in der neuen Musik immer wieder erkennbaren Bestrebungen, eine neue Tonsprache und Klangästhetik zu formulieren.

Starke Soloeinlagen

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Das Trio „Stilbruch“ hat am Samstagabend in der Reithalle trotzdem gepunktet. Gut 80 Zuhörer wanderten mit der Gruppe durch fast zwei Jahrzehnte Bandgeschichte, tauchten ein in musikalisch verpackte Alltagsgeschichten und Songs, die das Leben schreibt. Sie lauschten Balladen mit fein ziselierten Intros in einem klassischen Kontext, ließen sich vom Schwung des Trios immer
wieder mitreißen. Antonio Palanovic lieferte eine ganze Reihe starker Soloeinlagen ab, suchte immer wieder den Dialog mit dem Cello von Sebastian Maul.
Stilbruch legte sich fast zwei Stunden lang mächtig ins Zeug und offenbarte eine immer wieder greifbare Spielfreude, die nicht zuletzt die Lust des Trios an der Bühnenperformance und der in den letzten Monaten sehr vermissten Interaktion mit dem Publikum dokumentierte.
Launiger Auftritt
Dass sich dabei im Laufe des Abends eine gewisse Sättigung einstellte, eine gewisse Gleichförmigkeit des dargebotenen Songmaterials deutlich wurde, fiel nicht weiter ins Gewicht. Stilbruch überzeugte mit einem launigen Auftritt, mit Popklängen, die zumindest in einem etwas anderen Gewand daherkommen.

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