Sebastian Lehmann zu Gast beim Acherner "Gong"

Programm "Elternzeit: Intelligent und zum Brüllen komisch

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 3 Minuten
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18. November 2019
In Sebastian Lehmanns Soloprogramm finden sich Eltern und ihre erwachsenen Kinder wieder.

In Sebastian Lehmanns Soloprogramm finden sich Eltern und ihre erwachsenen Kinder wieder. ©Regina de Rossi

Sebastian Lehmann ist ein kluger Beobachter seiner Umwelt und dabei durchaus selbstkritisch. Diese Mischung machte den Reiz seines Soloprogramms „Elternzeit“ am Donnerstagabend im Rahmen der Kulturreihe „Gong“ im Acherner Bürgersaal aus.

Sebastian Lehmann sitzt auf der Bühne des Bürgersaals der Stadt Achern, vor sich ein Glas Wasser, ein paar aufgestapelte Bücher und einige Skripte. Eigene Aufzeichnungen, aus denen er abwechselnd liest. Dabei bedient er sich keiner großen Theatralik. Im Gegenteil. Seine Gestik ist reduziert. Fast stoisch behauptet er seinen Platz hinter seinem kleinen Pult und allein das macht neugierig auf diesen Mann: „Wie alle echten Berliner komme ich aus Süddeutschland!“. Er gibt damit eine Richtung vor, die das Publikum lieben wird. 

Sebastian Lehmann ist klug, gewieft und ein wunderbarer Beobachter seine Umwelt. Dass er sich darin eher selbstkritisch bewegt, macht ihn sehr sympathisch und lässt seine Zuhörer platzen vor Lachen. Zumindest diejenigen, die sich in seinen Geschichten wiedererkennen. Die Eltern etwa, die spätestens bei der Nestflucht ihres Nachwuchses erkennen müssen, dass dieser Abschnitt schwierig wird. Für beide Parteien. 

Wenn Mutter aus Freiburg anruft

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„Meine Mutter ruft aus meiner Heimatstadt Freiburg an! Der Sohn: ‚Gerade is schlecht! Ich koche.‘ Die Mutter: ‚Du kochst? Du bist doch ein Mann. Irgendwie jedenfalls.‘“ Ein Dialog, von deren Art es an diesem Abend noch viele geben sollte. Lehmanns Elterngespräche sind auch im SWR 3 Thema. Deshalb folgte an diesem Abend ein gut gemischtes, vor allem auch junges Publikum der Einladung der Kulturreihe „Gong“ in Achern. Mit der Berufswahl ihres Sohnes sind die Eltern des Künstlers ebenso wenig einverstanden, wie mit seinem Lebensstil. Es fallen Sätze wie „Sebastian, such dir doch endliche ’nen richtigen Job“, oder „Mit deinem Bruder“ (einem Bänker) „hatten wir ja Glück“.

 Wer erkennt sich hier nicht wieder, egal ob Elternteil oder halb Erwachsener. Das Leben draußen ist nicht leicht, ob in der Rolle derer, die einen Englischkurs besuchen und Tango tanzen lernen, um ihrer neu gewonnenen Freiheit einen Sinn zu geben. Oder in der Rolle derer, die sich die Frage nach ihrer Zukunft stellen: „Heiraten? Warum, außer aus Selbsthass. Kinder? Besser nicht!“ 

Und während der Junge aus Freiburg gedankenverloren dem Staubsaugerroboter zuschaut, sinniert er über die Jugendkulturen nach, über die Skater mit Hosen, die in den Rolltreppen hängen bleiben, über die Gothics mit ihren schwarzen Haaren und weiß geschminkten Gesichtern und über jene, die eine halbe Stunde in der Biotonne ausharren, um dem bewährten Patschuli-Duft näher zu kommen. Wenn Lehmann sich dann noch die Absurditäten der Lied­inhalte zahlreicher Popsongs vornimmt, ist der Saal nur noch am Lachen. 

Sebastian Lehmann hat ab 2003 deutsche Literatur, Philosophie und Geschichte in Berlin studiert. Heute ist er Schriftsteller, Lesebühnenautor, Poetry Slammer und Kleinkünstler. Ein Werdegang, der für alle, die intelligente und zum Brüllen komische Unterhaltung lieben, ein Glücksfall ist. Diese Mischung von passgenauer Beobachtungsgabe und herzerfrischender Selbstironie ist einfach nur Klasse. 

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