Ausstellung im Europäischen Forum am Rhein

Rainer Ehrts "deutsch-französische Begegnungen" in Neuried

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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06. Oktober 2019

Manfred Hammes und Rainer Ehrt, r., mit "Cafe des Exiles". ©Jürgen Haberer

Eine im Rahmen der Eröffnungswoche des „Theater Eurodistrikt BAden-ALsace“ initiierte Ausstellung im Europäischen Forum am Rhein spiegelt das deutsch-französische Verhältnis mit all seiner boshaften Liebenswürdigkeit. Zu sehen sind Zeichnungen des Cartoonisten Rainer Ehrt.  

Die Geschichte hat die beiden Erbfeinde Deutschland und Frankreich am Rhein zusammengeführt und zum Motor des Europäischen Gedankens gemacht. Die deutsch-französische Begegnung ist deshalb aber noch lange nicht frei von Sticheleien, von bisweilen boshaft nachklingenden Liebenswürdigkeiten, die sich auch in den mit feinen Strichen gefertigten Zeichnungen und Karikaturen von Rainer Ehrt manifestiert. 
Aufgewachsen im Harz, seit 1984 in Berlin beheimatet, setzt der gelernte Grafiker und Cartoonist mit spitzer Feder an und lässt doch immer auch eine tiefe Liebe zu Frankreich, zur französischen Lebensart erkennen. Es ist das Land seiner kindlichen Sehnsucht, eines unerfüllten Versprechens seiner Französischlehrerin. Paris und die Franzosen hat er tatsächlich erst in den 1990er-Jahren im Rahmen einer Ausstellung in der deutschen Botschaft kennengelernt. 
Das Ehrt nun im Europäischen Forum am Rhein ausstellt, geht auf eine Begegnung mit Manfred Hammes zurück. Hammes hat in seinem Frankreichbuch die Zeichnung „Café des Exilés“ verwendet, ein wunderbar angelegtes Rendezvous der literarischen Exilanten. Gemeinsam haben die beiden nun das Buch „Begegnungen der deutsch-französischen Art“ aufgelegt, eine zweisprachige Sammlung von Zeichnungen (Ehrt) und Texten (Hammes). 
Prägende Köpfe
Viele der in diesem Buch verwendeten Cartoons und Karikaturen sind nun auch in der Ausstellung zu finden, die im Foyer des „Theater Eurodistrikt BAden-ALsace“ rund drei Dutzend Grafiken zeigt. Goethe und Napoleon zwischen Kaffee und Nationalorden, der deutsche Adler beäugt kritisch den französischen Gockel. Europa pflügt mühsam den steinigen Acker des geeinten Kontinents.
Die deutschen Fürsten buhlen um die Gunst des übermächtigen Sonnenkönigs, Mozart klimpert in Versailles unter dem reich gedeckten Tisch. Daneben die Schule der Aufklärung, die Exilanten zwischen Paris, Nizza und Sanary-sur-Mer, die waffenstarrende Begegnung des zweiten Weltkrieges. 
Rainer Ehrt hat all gravierenden Ereignisse und die prägenden Köpfe des kulturellen Lebens eingefangen, die Fürsten und Politiker, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, Thomas Mann, Bert Brecht und Alfred Döblin, Sigmund Freud, Arnold Schönberg und Kurt Weil, Baudelaire, Danton, Rousseau und Voltaire. Er hat Tomi Ungerer ein wunderbar freches Denkmal mit praller Weiblichkeit gesetzt, das dem elsässischen Zeichner sicherlich gut gefallen hätte, den Ringkampf zwischen der prallen Germania und seiner französischen Widersacherin skizziert. Es sind tiefschürfende und hintersinnige Zeichnungen, Kommentare voller Ironie und Zweideutigkeit. 
Die Ausstellung „Begegnungen der deutsch-französischen Art“ ist bis zum 10. Januar 2020 im Europäischen Forum am Rhein zu sehen. Der Eintritt ist frei. Danach wird die Ausstellung in Berlin, Paris und Brüssel gezeigt. 

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