Ausstellung im Kunstverein Offenburg

Sabine Ostermann mit Linolschnitten in Offenburg

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 3 Minuten
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10. September 2019

(Bild 1/3) "Fallstricke" von Sabine Ostermann. ©Peter Heck

Sind es Zeichnungen, Gemälde, Drucke? Ab Freitag zeigt der Kunstverein Offenburg Linolreliefs von Sabine Ostermann, die viel Witz und großartiges Können reflektieren. 
 

Bei manchen Künstlern fragt man sich, was soll ich jetzt mehr bewundern, die Technik, das handwerkliche Können, den Ausdruck? Falsche Frage, denn das Zusammenspiel macht den Reiz, die Faszination aus, lässt den Betrachter immer wieder hinschauen – und sich freuen. Bei den Linolschnitten oder Linolreliefs von Sabine Ostermann, die ab Freitag beim Kunstverein Offenburg auf dem Kulturforum ausgestellt werden, ist das sicherlich der Fall. 

Ostermanns Bilder sind vordergründig unterhaltsam, ziehen aber sehr schnell in die Tiefe. Wobei die Künstlerin den Betrachter regelrecht in diese inhaltliche Tiefe führt. Mit »Seilschaften«, »Fallstricken« oder »Netzwerken«. Andere Werkgruppen beschäftigen sich mit »Textilien« und »Transparenz« oder »Shopping«. Mit und ohne Menschen. Die tragen oft dieselbe Kleidung, wie uniform, doch folgt man ihren Tätigkeiten und Beschäftigungen, wird schnell deutlich, dass hier jeder für sich kämpft, nicht auf ein gemeinsames Ziel hin. 

Wie die Marionetten an Fäden

Die Figuren hängen an Fäden, Seilen, Stricken, klammern sich an Netze. Oftmals wie verzweifelt, aber das mag hineininterpretiert sein. Beim zweiten Blick denkt man, die Gestalten haben den Überblick verloren, sind wie ferngesteuert oder Marionetten an Fäden; auf anderen Bildern ist es umgekehrt – die Fäden werden zum Werkzeug. Diese Fäden oder Seile sind die dünnen Linien, die dem Linolschnitt geschuldet sind. Dieses technische Element nutzt Ostermann aus für ihre Arbeiten, die fast schon wie Gesellschaftskritik anmuten. Denn was einerseits als »Netzwerk« überschrieben ist, zeigt gleichzeitig genau das Gegenteil. 

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Grundlage dieser Bilder sind Alltagsszenen – Menschen auf einer Treppe sitzend, aufs Handy starrend. Bei Ostermann werden sie mit Fäden umsponnen. Manche dieser Szenen mögen ein wenig schwermütig sein, andere sind – oberflächlich – fröhlich. Kinder wie beim Drachensteigenlassen. Oder doch nicht? Manche Konstellationen wirken surreal, wie Traumsequenzen. 

Ausgeschnitten und dreidimensional

Zu sehen gibt es »Cutouts«, Bilder, die dreidimensional wirken. Kurator Martin Sander erklärt: Bei einzelnen Figuren ist der Hintergrund ein Problem, es werde gerne etwas hineinintrpretiert, was nicht da sei. Der Maler entscheide sich dann, den Hintergrund ganz wegzulassen – oder die Figur auszuschneiden. Wie Ostermanns Sessel mit der zerkratzten Oberfläche und der Katze. Dem Vorhang, der schwebend, in zarter transparenter Spitze eine profane Tüte Fritten und eine Cola verbirgt. Das Kleid aus vielerlei Spitze, farbig, einfach schön. Gerade hier zeigt sich nicht nur die künstlerische, sondern auch die handwerkliche Meisterschaft Sabine Ostermanns. Die mit so einem Kleid unlängst Dritte wurde beim diesjährigen Linolschnittwettbewerb der ehemaligen Linolwerke Bietigheim-Bissingen. 

Im letzten Raum zeigt sich die perfekte Zeichnerin Ostermann – naturalistische Schnitte von (Berliner) Architektur. 
Eine Schau, die man nicht so schnell vergisst. 
 

Info

Termin

Sabine Ostermann, »Kein Druck – Linolreliefs«, Kunstverein Offenburg, Kulturforum; Freitag, 13. September, 19 Uhr, bis 18. Oktober; Dienstag - Freitag, 13 - 17 Uhr, Samstag, Sonntag 11 - 17 Uhr.

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