Salzburg

Salzburger Festspiele wollen antike Mythen befragen

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. November 2018
Anna Netrebko 2017 als Aida bei den Salzburger Festspielen.

Anna Netrebko 2017 als Aida bei den Salzburger Festspielen. ©dpa - Barbara Gindl

Die Macht des Mythos als Urgrund des Theaters steht im Mittelpunkt der Salzburger Festspiele 2019. Es gehe darum, diesen «kulturellen Speicher», diese «Archive der Welterkenntnis» unter aktuellen Gesichtspunkten anzuzapfen, sagte Intendant Markus Hinterhäuser am Mittwoch.

Eröffnet wird das Opernprogramm mit der Mozart-Oper «Idomeneo» in einer Inszenierung des US-Regisseurs Peter Sellars. Am Pult steht Teodor Currentzis. Er werde Mythos und aktuelle Themen vereinen, hat Sellars angekündigt. Er wolle das versunkene sagenhafte Atlantis als Symbol für die drohende Klimakatastrophe auf die Bühne der Felsenreitschule bringen.

Die Festspiele zeigen vom 20. Juli bis 31. August 2019 199 Aufführungen. Darunter sind fünf Opern-Neuinszenierungen, vier neue Schauspielproduktionen und mehr als 80 Orchester-, Kammer- und Solistenkonzerte. Die russische Diva Anna Netrebko ist wieder in einer konzertanten Opernaufführung - diesmal in Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» - zusammen mit ihrem Gatten Yusif Eyvazov zu erleben.   

Mit «Oedipe» des rumänischen Komponisten George Enescu über die Tragik von Ödipus, der unwissentlich seinen Vater tötete, wird eine der bekanntesten Erzählungen der Antike auf die Opernbühne gebracht. Regie führt Achim Freyer. «Es ist ein wirkliches Meisterwerk», warb Hinterhäuser für die selten gespielte Oper des 1955 gestorbenen Komponisten. Von ihm werden im Konzertprogramm noch weitere Werke zu hören sein.   

- Anzeige -

Medea, als eine der zentralen mythologischen Frauenfiguren, ist zweifach im Programm. Die Oper «Médée» von Luigi Cherubini wird von Simon Stone inszeniert. Ergänzend wolle der französische Komponist Pascal Dusapin mit der konzertant aufgeführten Oper «Medeamaterial» eine aufwühlend zeitgenössische Interpretation des Stoffes um eine Mutter, die ihre Kinder tötet, bieten, hieß es. Außerdem ist im Opernprogramm Giuseppe Verdis weniger bekannte Oper «Simon Boccanegra» vertreten. Eher ungewöhnlich im Hauptprogramm ist Jacques Offenbachs Operette «Orphée aux enfers» («Orpheus in der Unterwelt»). 

Mythische Stoffe sind auch im Schauspielprogramm zu finden. Die Uraufführung von Theresia Walsers «Die Empörten» soll den antiken Grundkonflikt von Antigone und Kreon in die Gegenwart übertragen. Es handle sich laut Walser, einer Tochter des Schriftstellers Martin Walser, um eine «finstere Komödie» voller Wortwitz und kluger Dialoge. Die Hauptrolle verkörpert Caroline Peters.

Eröffnet wird das Theaterprogramm mit Ödön von Horvaths «Jugend ohne Gott» aus dem Jahr 1933, entstanden kurz vor dem Zusammenbruch der österreichischen Demokratie. Der russsiche Revolutionsautor Maxim Gorki ist mit dem 1904 geschriebenen Stück «Sommergäste» vertreten. Es zeige exemplarisch den Mangel an Empathie in einer unpolitischen Gesellschaft, die sich nur noch für sich selbst interessiere.

«Jedermann»-Darsteller Tobias Moretti bekommt mit der preisgekrönten Schauspielerin Valery Tscheplanowa eine neue Buhlschaft an seine Seite. Große Namen tauchen bei den Lesungen auf. Angela Winkler, Senta Berger, Corinna Harfouch, Birgit Minichmayr, Ulrich Matthes präsentieren Dichtungen wie «Ulysses» von James Joyce und «Mythos Orpheus und Eurydike». Star-Dirigent Currentzis ist mit seinem neuen SWR-Symphonieorchester zu Gast.  

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Bertold Thoma, hier in seinem Zuhause in der Schubertstraße, feiert seinen 75. Geburtstag. Im kommenden Jahr tritt er wieder für den Gemeinderat an.
Fit und noch mit vielen Zielen
15.12.2018
Kommunalpolitiker mit Herzblut und Sachverstand – auch noch mit 75 Jahren: Berthold Thoma, seit 39 Jahren für die SPD im Gemeinderat feiert am Sonntag Geburtstag. Aktiv für die Stadt und für seine Mitmenschen, ist er stets mit dem Fahrrad unterwegs. Zu seinem vielseitigen Engagement gehört auch die...
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
11.12.2018
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Hitradio Ohr: CD-Tipp
15.12.2018
Max Giesingers neues Album heißt "Die Reise". Im November hatte er es bei Hitradio Ohr in Offenburg im Studio vorgestellt.
Moliere im Parktheater
14.12.2018
Molière wird doppelt gespiegelt, das »Neue Globe Theater« aus Potsdam liefert in Lahr ein Debüt ab, das für weitere Gastspiele empfiehlt. Das »Stegreifspiel von Versailles« (1663), diente am Mittwochabend als Rahmenhandlung für die Komödie »Die Streiche des Scapin« aus dem Jahre 1671.  
Ehrung
14.12.2018
Das Literaturhaus Schleswig-Holstein und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben dem Hausacher Dichter und Kolumnisten der Mittelbadischen Presse die 21. Kieler Liliencron-Dozentur zuerkannt. 
Angela Ponce ist die erste Transfrau, die an der Endrunde für den Schönheitswettbewerb Miss Universe teilnimmt.
Bangkok/Madrid
14.12.2018
Seit fast 70 Jahren wird beim Miss-Universe-Wettbewerb die schönste Frau der Welt gekürt, jetzt gibt es eine Neuerung, die nicht jedem gefällt: Neben der Deutschen Céline Flores Willers und 92 weiteren Kandidatinnen geht am Montag (17.12.) in Bangkok auch die Spanierin Angela Ponce ins Rennen -...
Deutsche Mitspieler im weltweiten progressiven Rock: Die Band Can wurde 1968 in Köln gegründet.
Rückblick auf 1968
14.12.2018
Vor einem halben Jahrhundert wackelte die BRD. Das Jahr 1968 ging in die Geschichte ein, als Startschuss zu einer neuen Protestbewegung. Doch auch in der Musikszene war der Teufel los. Sie lieferte aber weitaus mehr als nur Soundtracks gegen das Establishment.
Noch schnell sauberfegen: Blick auf die James-Simon-Galerie in Berlin.
Berlin
13.12.2018
«Die teuerste Garderobe der Welt», so nennen die Berliner gern das neue Empfangsgebäude zur Museumsinsel. Doch was Stararchitekt David Chipperfield nach einer schier unendlichen Baugeschichte bei der Schlüsselübergabe vorstellt, dürfte auch die ärgsten Spötter überzeugen.
Isha Ambani (r) und Anand Piramal bei ihrer Hochzeit.
Mumbai
13.12.2018
Es ist Hochzeitssaison in Indien, und nichts ist für indische Familien wichtiger, als die Kinder unter die Haube zu bringen. Dabei geht es vor allem darum, Familien zusammenzuführen, die hinsichtlich der sozialen Schicht und der Stufe im Kastensystem zusammenpassen.
Fatih Akin ist im Rennen um den Goldenen Bären wieder dabei.
Berlin
13.12.2018
Regisseur Fatih Akin (45) geht mit seinem Horror-Thriller «Der Goldene Handschuh» ins Rennen um den Goldenen Berlinale-Bären.
Während der Stern von Eddie Brock (Bradley Cooper) zu sinken beginnt, steigt Ally (Lady Gaga) zum Star auf.
Los Angeles
13.12.2018
Hollywoods Schauspielerverband (SAG) hat das Liebesdrama «A Star is Born» mit den meisten Preis-Nominierungen bedacht.
Jürgen Stark.
Kulturkolumne
13.12.2018
Schon im antiken Griechenland rauften sich die Gelehrten ihre Haare im Angesicht der chaotisch anmutenden Primzahlen. Denn diese sind bekanntlich nur durch sich selbst und die Eins teilbar, folgen im Verlauf auf der nach oben offenen Zahlenskala dabei keinem bislang klar definierten Regelwerk.
Gal Gadot ließ als Wonder Woman die Kinokassen kräftig klingeln.
Los Angeles
12.12.2018
Kinofilme mit einer weiblichen Hauptrolle spielen laut einer Studie mehr Geld ein als jene mit einem Hauptdarsteller. Zu diesem Ergebnis kommen die US-Analyseagenturen CAA und shift7. Sie untersuchten die 350 umsatzstärksten US-Filme, die zwischen 2014 und 2017 ins Kino kamen.
Der Drehbuchautor und Dramatiker Aaron Sorkin in New York.
New York
12.12.2018
Schon vor der Premiere landete das Theaterstück über einen Gerichtsprozess selbst vor Gericht: Die Broadway-Version des Bestsellers «Wer die Nachtigall stört» aus dem Jahr 1960 weiche zu sehr vom Original ab, argumentierte Tonja Carter, die Nachlassverwalterin der 2016 gestorbenen US-...