Ausstellung in Renchen

Satirische Blicke auf USA von Tomi Ungerer und Thomas Nast

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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07. Juni 2019
Kritische Karikaturen von Tomi Ungerer.

Kritische Karikaturen von Tomi Ungerer. ©Oscar Sala

Einen kritischen Blick auf Amerika werfen die satirischen Zeichnungen von Tomi Ungerer und Thomas Nast, die in der aktuellen Ausstellung im Simplicissimus-Haus in Renchen zu sehen sind. Zu sehen sind insgesamt rund 40 Werke und Dokumente.

Beim D-Day  am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten in der Normandie. Dieses denkwürdige Datum vor 75 Jahren war der Auftakt zur Befreiung Westeuropas von der Nazi-Herrschaft. Vielleicht eine Ironie des Schicksals, dass am Vorabend dieses Gedenktages im Simplicissimus-Haus in Renchen die Ausstellung »Thomas Nast/Tomi Ungerer – Ein kritischer Blick auf Amerika« eröffnet wurde. In der Vernissage am Mittwoch plädierten die grenzüberschreitenden Ausrichter für mehr Europa. Angesichts der aktuellen Entwicklungen warnten sie vor dem allgemein aufkeimenden nationalistischen Denken. Im Zentrum der Kritik stand dabei auch der amtierende amerikanische Präsident. 

Einen kritischen Blick auf die Geschichte der Vereinigten Staaten richten auch die beiden Hauptakteure der Ausstellung Thomas Nast (1840-1902) und Tomi Ungerer (1931-2019). In der Schau werden ältere und neuere Satirezeichnungen zu Amerika gegenübergestellt. Den Straßburger Grafiker, Schriftsteller und Illustrator Ungerer und den deutsch-amerikanischen Karikaturisten Nast trennt zwar ein Jahrhundert. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Sie haben ihre Kunst in den Dienst der Meinungsfreiheit gestellt. Immer wieder haben sie mit ihren grafischen Arbeiten ihr zeitgenössisches Amerika kritisch hinterfragt. In ihren satirischen Karikaturen kommt ein kritischer, manchmal zynischer Ton zutage, der die beiden heute mehr denn je verbindet.

Zu sehen sind insgesamt rund 40 Werke und Dokumente, darunter Leihgaben des Thomas-Nast-Vereins Landau, des Landesbibliothekszen­trums Rheinland-Pfalz und des Tomi-Ungerer-Museums in Kooperation mit der Grimmelshausenstadt Renchen und den Grimmelshausenfreunden. Die Ausstellung führt die Reihe zur deutsch-französischen Satire fort, die seit 2017 vom Eurodistrikt Straßburg-Ortenau gefördert wird und unter der wissenschaftlichen Schirmherrschaft des Tomi-Ungerer-Museums Straßburg steht.

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Konsumgesellschaft am Pranger

Tomi Ungerer lebte von 1957 bis 1971 in New York. Aus dieser Zeit stammen etwa seine bitterbösen Porträts der amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson und Richard Nixon. Ungerer beschäftigte sich intensiv mit der Rassendiskriminierung, die vermutlich in seiner bekanntesten Grafik »Black Power/White Power« Eingang gefunden hat. Aggressiv und ausdrucksstark soll die Zeichnung einen visuellen Schock beim Betrachter hervorrufen. Aufs Schärfste kritisiert werden in den satirischen Zeichnungen die amerikanische Gesellschaft. »Join the free and fat society« verfremdet das Symbol der Freiheitsstatue, um die Konsumgesellschaft anzuprangern. Amerikanische Symbole, wie den Uncle Sam hat er ganz bewusst eingesetzt. 

Eines der Themen die Ungerer während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten immer wieder aufgegriffen hat, ist der Vietnamkrieg. Er erinnerte ihn schmerzlich an die in seiner Jugend im Elsass erlebten Brutalitäten des Zweiten Weltkriegs. 
Der in Landau in der Pflaz geborene und mit sechs Jahren in die USA ausgewanderte Thomas Nast begründete in New York die politische Karikatur. Der schillernde und hierzulande kaum bekannte Künstler hat den dortigen politischen Parteien ihre Symbolfiguren und Logos hinterlassen: den Elefanten der Republikaner und den Esel der demokratischen Partei. Trotz oder gerade wegen des kritischen Blicks auf die amerikanische Politik und Gesellschaft, darf man nicht vergessen, dass es ein anderes Amerika gibt. Eines, das uns die Freiheit wieder brachte.

 

Info

Öffnungszeiten und Führungen

»Thomas Nast/Tomi Ungerer. Ein kritischer Blick auf Amerika«, Simplicissimus-Haus, Renchen, bis 15. September. Öffnungszeiten: Sonn- und Feiertage von 15 bis 18 Uhr, freitags von 18 bis 21 Uhr. Info/Kontakt: Telefon 0 78 43 /7 07 19, 
 www.simplicissimushaus.de. Führungen in deutscher und französischer Sprache durch die Ausstellung werden am 16. Juni, 14. Juli, 11. August und 15. September,  jeweils um 15 und 16.30 Uhr angeboten. 

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