Lahr

Satirische Giftpfeile

Jürgen Haberer
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Januar 2023
Kabarettist Frederic Hormuth ließ durchblicken, wie sehr die Welt für ihn einem Tollhaus gleicht. 

Kabarettist Frederic Hormuth ließ durchblicken, wie sehr die Welt für ihn einem Tollhaus gleicht.  ©Jürgen Haberer

Kabarettist Frederic Hormuth streift in seinem Jahresrückblick im Lahrer Stiftsschaffneikeller viele Schlagzeilen und Aufreger aus dem vergangenen Jahr.

Der Krieg in der Ukraine ist präsent aber nicht das Hauptthema im Jahresrückblick des Kabarettisten Frederic Hormuth.
Kriegstreiber Putin scheint ohnehin von allen guten Geistern verlassen, taugt allenfalls dazu, das Frustpotenzial zu erhöhen. Der Mann aus Heppenheim an der Bergstraße, arbeitet sich akribisch an den Schlagzeilen und Aufregern des gerade zu Ende gegangenen Jahres ab. Er zieht satirische Giftpfeile aus dem Köcher und lässt dabei immer wieder durchblicken, wie sehr unsere Welt für ihn einem Tollhaus gleicht. Um die aufkommenden Depressionen zu bekämpfen und Haltung zu bewahren, setzt er sich zwischendurch immer wieder an den Flügel und streut einen polemisch angelegten Popsong ein.
Corona ist vorbei, es geht wieder aufwärts, das ist selbst in der schwer gebeutelten Kulturbranche zu spüren, die wie auch der Lahrer Kulturkreis wieder steigende Besucherzahlen vermeldet, ein vorsichtiges Wiedererwachen der Neugier. Frederic Hormuth, ein seit Jahren gern gesehener Gast im Lahrer Stiftsschaffneikeller, bleibt bei der Besucherresonanz nur knapp hinter dem Freiburger Lokalmatador Matthias Deutschmann zurück, der Anfang Dezember zum ersten Mal wieder für ein volles Haus gesorgt hat.
Wir haben den Angriff des Virus und die politischen Kapriolen von Karl Lauterbach überstanden, sind in der Isolation des heimischen Wohnzimmers zumindest nicht ganz verblödet. Die Aufarbeitung von 2022 setzt Frederic Hormuth trotzdem ordentlich zu. Es war ein Jahr, das neben der viel beschworenen „Zeitenwende“ viel Frustpotenzial mit sich gebracht hat. Die oft auch noch mitschwingende Absurdität macht Hormuth an der Klimadebatte fest und an der Fußballweltmeisterschaft in der Adventszeit.
Auch wenn mittlerweile die Gefahr besteht, dass wir alle bald unfreiwillig am Asphalt festkleben, die „Letzte Generation“ hat mit ihren Klebeaktionen, den Kunstattentaten mit Kartoffelbrei und Tomatensuppe Gespenster heraufbeschworen, die wir längst fast vergessen haben. Die „RAF“ ist wieder in aller Munde, der Ruf nach einem harten Durchgreifen der Staatsmacht.

Keine Rettungsgasse

- Anzeige -

Frederic Hormuth ordnet ein, wenn er daran erinnert, dass Polizei und Rettungssanitäter zum Unfallort laufen, weil es wieder einmal keine Rettungsgasse gibt, dass auf dem neuen Flughafen von Berlin auch ohne Klimaaktivisten neun Jahre lang kein einziges Flugzeug gelandet ist. Er blickt nach Katar, wo allenfalls halbherzig Position bezogen wurde, der Fußball wieder einmal bewiesen hat, dass er nahezu schmerzfrei im luftleeren Raum existieren kann. Es verkommt zu einer Anekdote am Rande, dass sich ein grüner Wirtschaftsminister für zusätzlich Gaslieferungen auch noch vor den Machthabern des Emirats verbeugen muss. Habeck schlägt sich trotzdem ganz ordentlich, wenn man bedenkt, dass es bisher gerade einmal drei Wirtschaftsfachleute an die Spitze des Ministeriums geschafft haben und einer davon vor allem für seine eher schlüpfrigen Herrenwitze berühmt war.
Hormuth streift vieles am Rande. Friedrich Merz, die politischen Ausdünstungen der CSU, das Ende der Doppelherrschaft im Vatikan und eine Energiepolitik, die Kernkraftwerke plötzlich als nachhaltig einstuft, die Wälder Europas zur Verbrennung in alten Kohlekraftwerken freigibt. Putin und der Krieg in der Ukraine werden nach der Pause doch noch zum Thema, das in Deutschland immer wieder reflexartig aufkommende Verständnis für die russischen Befindlichkeiten, das sich dann in offenen Briefen ausdrückt, dem von Sahra Wagenknecht verkörperten Schulterschluss über die politische Mitte hinweg.
Vom Thema „Meinungskorridor“ zur „kulturellen Aneignung“ ist es nicht all zu weit. Winnetou mag deutsches Kulturgut sein, die Bücher von Karl May haben Frederic Hormuth trotzdem schon als Teenager gelangweilt. Zum Abschluss gibt es dann noch eine Schlagerpersiflage und ein Hinweis auf den nächsten Jahresblick mit der „Schlachtplatte“, am 5. Februar im Lahrer Parktheater.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Pianist Kirill Gerstein brillierte im Festspielhaus Baden-Baden mit Dmitri Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert.
27.05.2024
Pfingstfestspiele Baden-Baden
Mit brillanten Vorträgen des SWR-Sinfonieorchesters unter Teodor Currentzis und Pianist Kirill Gerstein endeten die Pfingstfestspiele. Für Empörung sorgten Vorwürfe gegen Francois-Xaver Roth.
Legt nach 25 Jahren wieder in seiner Heimat auf: DJ Michael Mayer kommt ins Kesselhaus nach Offenburg.
26.05.2024
Offenburg
Der in Appenweier aufgewachsene Michael Mayer; Gründer des Lables Kompakt in Köln, ist als DJ in der ganzen Welt unterwegs. Nun kehrt er nach 25 Jahren in die Heimat zurück: Er legt im Kesselhaus in Offenburg auf. Vorab verrät er, wie lange er noch auflegen will.
Karlheinz Kluge
24.05.2024
Kulturkolumne
Früher begann der Tag mit einer Schusswunde“, titelte der Autor Wolf Wondratschek im Jahr 1969. Ich behaupte: Früher begann der Tag mit einem Trainingslauf durch die Berliner Hasenheide.
"Anders hören": Peter Vogels filigrane Klangskulpturen sind in der Freiburger Ausstellung auch visuell ein Ereignis.
24.05.2024
Ausstellung in Freiburg
Die Ausstellung „Anders hören“ im Museum für neue Kunst in Freiburg zeigt Kunst, die sich mit dem Hören beschäftigt. Etliche Werke fordern zur Interaktion auf.
24 Jahre jung ist das musikalische Wunderkind Tarmo Peltokoski. Bei den Pfingtfestspielen in Baden-Baden dirigierte er erstmals das SWR-Sinfonieorchester.  
22.05.2024
Pfingstfestspiele Baden-Baden
Bei den Pfingstfestspielen erlebte das Publikum den jungen Dirigenten Tarmo Peltokoski am Pult. Große Momente bescherten auch die Sopranistinnen Camilla Lylund und Sonya Yoncheva.
Songs aus ihrem Album „Of Moons and Dreams“ präsentierte Cécile Verny beim Gengenbacher Kultursommer, rechts Bernd Heitzler am Kontrabass.
22.05.2024
Gengenbach
Sängerin Cécile Verny und das Instrumentaltrio an ihrer Seite beeindruckten das Publikum beim Gengenbacher Kultursommer mit musikalischer Feinkost.
Pianist Michael Kaeshammer hämmerte bei den Auftritten in seiner Geburtsstadt Offenburg mächtig in die Tasten.
20.05.2024
Offenburg
Der Pianist, Sänger und Entertainer Michael Kaeshammer begeisterte mit seinem neuen Album „Turn it up“. Mehr als 900 Zuhörer kamen zu den beiden Konzerten in die Reithalle.
In der Galerie Arthus selbst zeigt Thomas Baumgärtel (64) ein breites Spektrum seiner Bananenkunst.
20.05.2024
Zell am Harmersbach
„Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel war auch in Zell a. H. aktiv. In der aktuellen Ausstellung in der Galerie Arthus dreht sich alles um die gelbe Tropenfrucht.
Künstler Lothar Seruset steht im Innenhof des Rathauses neben einer seiner Skulpturen: ein Mann, der mit einem Haus auf dem Arm mitten in einem Fluss steht, in dem es vor Fischen wimmelt.
16.05.2024
Lahr
Der Bildhauer Lothar Seruset bespielt die Lahrer Reihe „Kunst in die Stadt!“ drinnen und draußen. Sein filigranstes Kunstwerk wurde in der ersten Nacht nach der Ausstellungseröffnung zerstört.
Das Frühjahrskonzert des collegium musicum stand im Zeichen der Harfe, virtuos gespielt von der Solistin Kisten Ecke. ⇒Foto: Stephan Hund
16.05.2024
Oberkirch
Viel Beifall erhielt das Collegium Musicum für sein anspruchsvolles Frühjahrskonzert. Harfensolistin Kirsten Ecke unterstrich mit ihrem virtuosen Spiel den Zauber der Musik.
Dietrich Mack
16.05.2024
Kultur
Der Fußball als sportliches und gesamtgesellschaftliches Ereignis beschäftigt den Kolumnisten. Auch die Trainersuche des FC Bayern. Wer daran verzweifelt, den tröstet er mit Worten des Propheten Jesaja.
Hommage an die Musikikone Dr. John: Matthis Pascaud und Hugh Coltman mit ihrer Band beim intimen Konzert in der Reithalle.
15.05.2024
Offenburg
Gitarrist Matthis Pascaud und Sänger Hugh Coltman boten im Foyer der Reithalle vor kleinem Publikum eine überzeugende Hommage an die Musikerikone Dr. John.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Ein Novum in der Region: Das Fit Gym 24/7 Offenburg steht ab sofort rund um die Uhr fürs Training zur Verfügung.
    28.05.2024
    Rund um die Uhr im Fit Gym 24/7 Offenburg trainieren
    Rund-um-die-Uhr-Dienstleistungen sind in einigen Branchen normal: die Digitalisierung macht es möglich. Regionale Unternehmen kommen da rasch an ihre Grenzen. Mirko Reinhard stößt mit seinem Fit Gym 24/7 in Offenburg in eine Lücke vor.
  • Das erste Afterwork-Event im "Liberty" Ende März war ein voller Erfolg: Etwa 200 Gäste starteten vergnügt in den Feierabend.
    28.05.2024
    Im "Liberty" am 6. Juni in den Feierabend durchstarten
    "Bei uns können Sie in Freiheit in den Feierabend starten", macht das "Liberty"-Team Lust auf das anstehende Afterwork-Event. Bereits die Premiere Ende März war ein voller Erfolg. Das Konzept: Top-DJs, gute Bewirtung und jede Menge gute Laune.
  • Das gediegene neue Corporate Design von Sport Kuhn spiegelt sich auch in der Fassadengestaltung wider.  
    21.05.2024
    Sport Kuhn: Führungstrio geht mit Drive in die Zukunft
    Seit vergangenem Sommer steht die vierte Generation bei Sport Kuhn in Offenburg an der Spitze und hat in den wenigen Monaten viele Änderungen angestoßen. Immer im Mittelpunkt: der Kunde.
  • Finanz- und Versicherungsmakler Tino Weissenrieder betreut mit dem Team der "W&K Wirtschaftsberatung" in Lahr einen bundesweiten Kundenstamm.
    21.05.2024
    Rundum beraten: W&K Wirtschaftsberatung Tino Weissenrieder
    In Unternehmen werden viele Entscheidungen getroffen – strategische, finanzielle und technologische. Doch wer stellt die Weichen für die Zukunft der Unternehmer? Die "W&K Wirtschaftsberatung" Tino Weissenrieder hilft mit Kompetenz und Erfahrung weiter.