Schwindelerregende Wortakrobatik

Das Comedy-Duo Oropax wirbelte in Oberkirch

Autor: 
Johanna Graupe
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. Oktober 2020

Das Duo Oropax amüsierte sein Publikum in Oberkirch bestens. ©Johanna Graupe

Oberkircher Literaturtage: Das Comedy-Duo Oropax überzeugte mit seinem Programm „Testsieger am Scheitel.“ . Ihr Auftritt wurde reichlich beklatscht.

„Die Pluralform von Publikum ist: Ausverkauft“: Das war die Erwin-Braun-Halle –  mit  Abstandsgebot – vergangenen Samstag, als im Rahmen der Oberkircher Literaturtage das Comedy-Duo Oropax mit dem Programm „Testsieger am Scheitel.“ von der Fangemeinde mit lautstarkem Applaus begrüßt wurde. 

Die Balance zwischen ausgefeiltem Wortwitz, großem Körpereinsatz, brüderlichen Rangeleien und Materialschlacht aus ausgefallenen Requisiten kann nicht ohne Chaos und Improvisation funktionieren, Oropax gab sich folglich den Beinamen Chaos-Theater. Bei den Brüdern Thomas und Volker Martins aus Freiburg gibt keine festgezurrten Dialoge, sie agieren spontan und anarchisch mit Charme und Wortwitz durch einen rasanten Abend. Um die brüderlichen Hierarchien klarzustellen, bedient sich das Duo der gewaltfreien „Fisch“-Kommunikation, wobei „barsches“ Verhalten und „grätige“ Reaktion vermieden werden soll, damit das Gegenüber auch mal als „toller Hecht“ gefeiert werden kann. 

„Überraschend sinnlos“

Der Bruderzwist und die Rollenverteilung war auch in den 90 Minuten ihres „überraschend sinnlosen“ Programms in Oberkirch fester Bestandteil. Die fehlende Kopfbehaarung des einen wurde verglichen mit der mangelnden Intelligenz des anderen. In ihrer „GmbHaar“ ist der eine das Haar und das Beschränkte, der andere „Chief Executive Comedian“. Dass der eine oder andere Witz unter die Gürtellinie ging, war geplant, in weiser Voraussicht hatten die beiden diesen sensiblen Körperbereich an ihren Jeans mit quadratischen Flicken verpixelt, „falls Sie gewagte Fotos von uns ins Internet stellen wollen“. 

- Anzeige -

Schlag auf Schlag ging es mit Wortspielen dieser Art, wenn Thomas im Nerz mit Nagezähnen auftritt: „Ich bin kein heterosexueller Bär, sondern ein Bi-ber“, Volker ist das ledrige Pendant zum pelzigen Nager – das Publikum war begeistert. Die Brüder jonglieren mit Worten und Bedeutungen, benutzen eine Violine – schließlich ist sie ja ein Streichinstrument –, um ein Brot zu bestreichen. Da wird eine unscheinbare, weiß gestrichene Tür schnell zum Dreh- und Angelpunkt mehrerer Nummern. Der „Maler Malheur“ bewirft sie mit Steinen, da ist sie „Tür-Kies“, dann wird sie zum romantischen Sitzplatz für ein französisches Frühstück, wobei die Aussprache des Lautes „Sch“ zu heftigem Stöhnen führt: Da kann man „beim Zuhören schon mal Rechtschreibfehler machen“. 

Neue Charaktere

Running Gag und fester Bestandteil jeder Aufführung ist der Mönchs, schon beim Auftreten mit Lachsalven begrüßt, der auf der Bühne „nichts verloren hat und folglich auch nichts findet“; er treibt sein Gegenüber fast in den Wahnsinn, wenn er aus der Holztür eine schwindelerregende Drehtüre zaubert. Für das Programm „Testsieger am Scheitel.“ – der Punkt erweitert den Programmtitel zum „Scheitelpunkt“ – haben sich die Brüder auch neue Charaktere ausgedacht. Da gibt es Andrew Gyn, den Choiffeur, der eine misslungene Haartransplantation zu retten versucht und die Glatze von Volker Martins mit Haargel und Federn versieht, um zu einem Kamm-Bäck zu verhelfen. Witzig am  Schluss der Auftritt von Harald Pinski, der als „Ge-Heim-Agent“ an einem großen Geschäft arbeitet – der Mobiltoilette mit Datenfernübertragung. 

Normalerweise spannen die „Beauty-Ritter der Comedy“ ihr Publikum gnadenlos ein, in Corona-Zeiten einen einzigen Gast aus Kappelrodeck. Er bekam Autogrammkarten, „die er selbst unterschreiben“ durfte. „Schön, wieder vor Publikum zu spielen“, bekannten die Comedians, „wenn auch mit Einschränkungen“ – der Stimmung tat das keinen Abbruch.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

23.11.2020
Eine Ära in der Städtischen Galerie Offenburg geht zu Ende
„Es waren immer schöne Begegnungen“: Gerlinde Brandenburger-Eisele, promovierte Kunsthistorikerin, hat knapp 30 Jahre lang Museum und Städtische Galerie der Stadt Offenburg betreut.  Nun geht sie in den Ruhestand und freut sich auf die Dinge, die da kommen werden.
Temperamentvoll wie ihre ausdrucksstarke Malerei: Künstlerin Gabi Streile.
20.11.2020
Oberkircher Künstlerin Gabi Streile 70 Jahre alt
Die Oberkircher Malerin Gabi Streile wird am 20. November 70 Jahre alt und wirft im Gespräch einen Blick auf ihre Arbeit. Zwei süße Babys und eine Ausstellung in ihrer Karlsruher Galerie bereiten der Künstlerin Freude in schwierigen Zeiten.
Buchcover der Textsammlung „Corona Decamerone“.
20.11.2020
Autorennetzwerk Ortenau-Elsass führte Tagebuch
„Katzen brauchen keinen Mundschutz“ oder „Vom Niesen und Genießen“ sind Geschichten von 38 Mitgliedern des Autorennetzwerks Ortenau-Elsass überschrieben, die dessen Leiterin Karin Jäckel unter dem Titel „Corona Decamerone“ als Buch herausgegeben hat.       
Jürgen Stark.
19.11.2020
Kulturkolumne
Vor Corona hielt Gerd Gruss sein Geschäft nur einmal während der Geschäftszeiten geschlossen: an seinem Hochzeitstag. In diesem Jahr hat der Geschäftsführer des Karlsruher Rock Shops vor allem auf dem Veranstaltungssektor mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. 
16.11.2020
Spurensuche Kunst im Raum
Fotograf Ulrich Marx hält Kunstwerke im öffentlichten Raum fest. In Kehl fand er „Begegnungen“.
13.11.2020
Literatur-Kolumne
In seiner neuen Kolumne setzt sich Jose F. A. Oliver mit der Frage nach Sprache und Wortschöpfungen auseinander und der sich ändernden Bedeutung.
Dietrich Mack.
12.11.2020
Kulturkolumne
Der berühmt-berüchtigte Satz „You’re fired“, mit dem Donald Trump viele Jahre jede Folge der TV Reality-Show „The Apprentice“ (Der Lehrling) beendete und der dann seine Personalpolitik im Weißen Haus prägte, fällt nun auf ihn selbst zurück: Er ist gefeuert
10.11.2020
Gespräch in der Kunstschule Offenburg
Welche Bedeutung haben Kunstschulen, wenn der Kultur die kalte Schulter gezeigt wird? Für die Pädagogen der Offenburger Schule ist die Antwort klar: „Grundbedürfnis befriedigen.“
09.11.2020
"Rheinpassagen": Der Maler Friedrich Geiler aus Kehl
„Rheinpassagen“ stellt den Kehler Maler Friedrich Geiler vor. Sein Markenzeichen sind die konstruktivistischen Landschaften der  geometrischen Formen, inspiriert durch den Fluss und die Rhein-Landschaften.
07.11.2020
Offenburg
Hitradio Ohr hatte bereits im Frühjahr zur alternativen Familienparty in den eigenen vier Wänden „eingeladen“.  Jetzt gibt es eine Neuauflage, und die dauert den ganzen Winter über.
07.11.2020
"I love Ortenau"-Porträt: Die "Brandmalerin" Carmen Klinge
Vom Zeichenpapier auf die Holzscheibe: Die Grafikerin Carmen Klinge lässt mit ihrer Brandmalerei ihrer Fantasie und  Kreativität freien Lauf. Mit dem Lötkolben entstehen kleine individuelle Kunstwerke, liebevoll inszeniert.
Jürgen Stark.
05.11.2020
Kulturkolumne
Die künstlerische Musik- und die gastronomische Esskultur gehen Hand in Hand dem Abgrund entgegen. Wer stirbt zuerst, wer stirbt zuletzt. Hamlet fragt jetzt: Sein oder Nichtsein, das ist hier schon wieder die Frage.