Konzert in der Klosterkirche Erlenbad in Sasbach

Singakademie und Gastchöre glänzten mit Puccini und Rossini

Autor: 
Bodo G. Toussaint
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18. November 2019
Völkerverbindender Chorgesang: Die Singakademie Ortenau mit Gästen aus dem Elsass und aus Frankfurt beim Konzert in der Klosterkirche Erlenbad.

Völkerverbindender Chorgesang: Die Singakademie Ortenau mit Gästen aus dem Elsass und aus Frankfurt beim Konzert in der Klosterkirche Erlenbad. ©Bodo G. Toussaint

Kirchenmusik von Italiens großen Opernkomponisten brachten Singakademie Ortenau und Collegium Vocale Strasbourg-Ortenau zusammen mit den Musiciens sans frontières Alsace-Ortenau am Samstagabend im Kloster Erlenbad in Sasbach zum Leuchten.  

Mittlerweile gehören sie zum Standard eines gehobenen Kulturprogramms beiderseits des Rheins: Die Gemeinschaftsproduktionen der Singakademie Ortenau und des Collegiums Vocale Strasbourg-Ortenau zusammen mit den Musiciens sans frontières Alsace-Ortenau, mit denen Dirigent und künstlerischer Leiter Olaf Fütterer in den letzten Jahren nicht selten für Furore gesorgt hat. Ganz einfach, weil die schiere Kraft des Chorgesangs unter Beweis stellt, dass Musik völkerverbindend ist. Franzosen, Deutsche, Italiener, Niederländer: Wer fragt nach den Nationen, wenn sie gemeinsam den vornehmlich sakralen Werken großer Komponisten huldigen?

Am Sanntagabend stand in der Klosterkirche Erlenbad den beiden Chören gar noch der 2016 gegründete Lufthansa Konzertchor zur Seite. Dementsprechend groß war die Nachfrage. Die Bankreihen der Klosterkirche waren vollbesetzt. Das mochte auch mit dem Programm zusammenhängen, denn „Stabat Mater“ von Gioachino Rossini (1792-1868) und „Messa di Gloria“ von Giacomo Puccini (1858-1924) schienen auf den ersten Blick ungewöhnlich und deshalb das Interesse zu wecken: bedeutende, wenn nicht die bedeutendsten italienischen Opernkomponisten und der Kirchenmusik. Zumal das Werk von Puccini, der sogar aus einer Kirchenmusikerfamilie stammte, nach seiner Uraufführung 70 Jahre auf Eis gelegen hatte und erst wieder 1952 aufgeführt wurde.

Hervorragende Solisten

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Was also macht Olaf Fütterer mit seinen Chören und Musikern aus Kirchenmusik von ausgewiesenen Opernkomponisten? Er hatte zunächst einmal für eine herausragende Besetzung der Solisten gesorgt: Oriana Kurteshi (Sopran), Marlene Lichtenberg (Mezzosopran), Joaquin Asiáin (Tenor) und Thomas Herberich (Bass) warfen allesamt Glanzlichter auf jeden einzelnen 

Solopart, was vor allem im „Stabat Mater“, dem in zehn Sätzen gegliederten Sakralwerk Rossinis zur Geltung kam. Zwischen dem gewaltigen „Introduzione“ und dem Amen im großartigen „Finale“ setzten der glockenreine Sopran, der betörende Mezzosopran, der kräftige-helle Tenor und der voluminöse Bass der Protagonisten die herausragenden Akzente. Ein reifes Werk von Rossini am Ende seiner Laufbahn als Opernkomponist. 

Weit fulminanter und fast schon mit opernhaften Dimensionen die „Missa di Gloria“ von Puccini, mit einem zarten, von Tenor und Bass begleiteten Kyrie und einem temperamentvollen, rhythmisch rasanten Gloria. Hier wechseln dynamische, temporeiche Passagen mit solchen von schwebender Leichtigkeit. Mit Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei ist das vollständig vertonte Messordinarium ein wahres Füllhorn an melodiöser Kreativität. Es wäre wahrlich Verschwendung gewesen, hätte der Komponist nicht das eine oder andere in seinen Opern später wiederverwendet (zum Beispiel Agnus Dei-Elemente in der Oper „Manon Lescaut“). 

Das Publikum war jedenfalls von der großartigen Aufführung hingerissen. Es spendete lange anhaltenden Applaus und war zudem noch um eine Erfahrung reicher: Auch die Italiener können Kirchenmusik! Und Olaf Fütterer ist es gelungen, sie mit seiner multinationalen Equipe zum Leuchten zu bringen.

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