Offenburg

Soundtrack aus der Ortenau

Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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24. November 2023
Leonard Küßner stellte sich dem Kinopublikum im Offenburger Forum vor.

Leonard Küßner stellte sich dem Kinopublikum im Offenburger Forum vor. ©Jürgen Haberer

Leonard Küßner hat die Musik zu Wim Wenders Film "Anselm – Das Rauschen der Zeit" geschrieben. Im Forum-Kino plauderte er über sich und seine Arbeit.

Im Mittelpunkt der Präsentation des Dokumentarfilms „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ im Forum-Kino steht die monumentale und expressive Kunst des kurz vor Kriegsende in Donaueschingen geborenen Malers und Bildhauers Anselm Kiefer. Wim Wenders, der Filmemacher, der eigentlich Maler werden wollte, hat ihm mit einem cineastischen Meisterwerk in 3D ein beeindruckendes Denkmal gesetzt, das 93 Minuten lang durch das Leben Kiefers und seine oft in alten Fabriken angesiedelten Wirkungsstätten streift, seine Kunst ebenso lebendig werden lässt wie seine oft schweißtreibende Arbeitsweise. Das Publikum wird hineingesaugt in die manchmal fast bizarre Welt eines Künstlers, der düstere Themen verarbeitet und aufgreift: die deutsche Mythologie, den Nationalsozialismus und die kollektive Schuld. 

In Offenburg spielt auch ein ganz anderer eine zentrale Rolle. Die erste Vorstellung des Films, die wegen der großen Publikumsnachfrage in den größten, 400 Zuschauer fassenden Saal des Kinos verlegt werden musste, wurde als Kinogespräch mit Leonard Küßner angelegt, dem Komponisten der Filmmusik. Der gebürtige Gengenbacher, der in Offenburg aufgewachsen ist, feiert heute seinen 30. Geburtstag. Ein von ihm vertontes Gedicht von Paul Celan hat 2022 Wim Wenders auf ihn aufmerksam gemacht und am Ende auch Anselm Kiefer selbst, den er allerdings erst bei der Premiere des Films bei den Filmfestspielen in Cannes im September kennengelernt hat.

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Nun stand er in seiner Heimatstadt in einem nahezu ausverkauften Kinosaal Moderator Stefan Mayer gegenüber und spricht locker über die Entstehung eines Films, der bei 93 Minuten Laufzeit mit rund einer Stunde Musik aufwartet. Es sind klassische Orchesterklänge, die an romantische Tonschöpfungen erinnern, bisweilen die Aura barocker Arien verströmen, aber auch in Richtung Ambiente und Kammermusik abdriften.

Küßner hat ein Jahr lang an dem Soundtrack getüftelt, sich dabei immer wieder intensiv mit Wim Wenders ausgetauscht, der parallel dazu den Film gedreht hat. Eingespielt wurde die Filmmusik, die auch auf Schallplatte erhältlich ist, in eineinhalb Tagen mit einem großen Orchester in Bratislava. Küßners  Lieblingsstelle, an der das Orchester alle Register zieht, untermalt einen Streifzug durch ein ehemaliges Industriegelände im südfranzösischen Barjac, wo Kiefer bis 2008 arbeitete. Fünf Minuten lang kommuniziert die Musik mit den faszinierenden Bildern der künstlerischen Hinterlassenschaft, die als Freiluftmuseum für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Für Preis nominiert

Küßner plaudert vor und nach der Filmvorführung gut eine Stunde lang aus dem Nähkästchen eines Filmkomponisten, der mit seinem Soundtrack zu „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ wohl endgültig den internationalen Durchbruch geschafft hat. Er ist in New York für einen Preis der amerikanischen Filmakademie nominiert. Nach Offenburg kommt er das nächste Mal zur Uraufführung eines Konzertes für Saxofon und Orchester am 5. Mai 2024.

INFO: Am Sonntag, 3. Dezember, wird im Fernsehprogramm des Südwestrundfunks ein Filmporträt von Leonard Küßner ausgestrahlt. Der Film über Anselm Kiefer läuft bis Dienstag, 28. November, im Forum in Offenburg. 

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