Konzertreihe in der Oberrheinhalle Offenburg

Spritziges Konzert in neuem Format

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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15. September 2020

Gutes Zusammenspiel: Die Philharmoniker aus St. Petersburg und die junge Pianistin Onuté Grazinyté. ©Jürgen Haberer

Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg und die Pianistin Onuté Grazinyté begeisterten in der Reihe „Oberrheinhallen-Konzerte“. Die Konzerte werden in Zukunft jeweils zwei Mal gegeben.

Ein kleiner, kompakter Klangkörper überzeugt mit viel Schwung und musikalischer Feinkost. Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg hat am Sonntagabend unter veränderten Rahmenbedingungen ihr im Frühjahr wegen Corona abgesagtes Gastspiel in der Oberrheinhalle nachgeholt. Die 16 Musiker unter der Leitung von Juri Gilbo servierten einen luftig angelegten Klangreigen, ein kompaktes Konzert ohne Pause, das wie zukünftig alle städtischen Veranstaltungen gleich zwei Mal aufgeführt wurde. 

Bevor das Kammerorchester mit Werken von Händel, Mozart und Haydn in den Fundus der alten Musik eintauchte, wartete Edgar Common,  Leiter des Offenburger Kulturbüros, mit einem klaren Bekenntnis zur Kulturarbeit auf. Es wird keine vom Kulturbüro ausgehenden Absagen geben, die Doppelvorstellung wird im Konzert- und Theaterbetrieb vorerst zum Standard. Nach Möglichkeit soll niemand abgewiesen werden, schon gar nicht die treuen Abonnenten. 

Ein pralles Programm

Das Publikum darf sich nach einem halben Jahr Abstinenz auf ein pralles Kulturangebot freuen, auch wenn das bis auf Weiteres gültige Prozedere von allen mehr Aufwand erfordert: Die Entscheidung für die Früh- oder Spätvorstellung treffen, Kontaktdaten hinterlegen, Abstandsregel und Maskenpflicht einhalten. „Wir sind es den Kulturschaffenden schuldig, müssen ihnen Auftrittsmöglichkeiten und letztendlich auch wirtschaftliche Perspektiven anbieten, wenn die kulturelle Vielfalt erhalten werden soll“, betonte Common. Seine Worte hallten wider im Beifall des Publikums, im zustimmenden Nicken der Musiker, die eigentlich für das Saisonfinale der „Oberrhein Konzert Reihe“ in diesem Frühjahr gebucht waren.

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Das Konzert selbst? Ein musikalischer und atmosphärischer Genuss. Zum Einstieg gab es die Sinfonia am Beginn des dritten Aktes des Oratoriums „Salomo“ von Georg Friedrich Händel. Kurz, prägnant und schwungvoll, alte Musik in höchster Vollendung, geprägt von zwei über den Streicherklängen schwebenden Oboen. 

Zum Schluss zwei Takte Beethoven

Danach dann Mozarts Klavierkonzert in A-Dur. Das neckische, mit Einfällen gespickte Werk eines frisch verheirateten Komponisten wurde in Offenburg dargeboten als herrlich verspieltes Zwiegespräch des kleinen Orchesters mit der 1996 in Vilnius, Litauen, geborenen Pianistin Onuté Grazinyté. Die Grundhaltung der Solistin kokett, ihr Anschlag präzise und beseelt. Das Klavierkonzert in seiner Gesamtheit ein musikalischer Farbtupfer. Danach dann Joseph Haydns Sinfonie f-Moll, ein weiteres Kleinod seiner Epoche. Eingeleitet von einem dunklen, wunderbar getragenen Adagio, die Form der Kirchensonate gekontert mit viel musikalischer Expressivität, einem energiegeladenen Finale. 

Als Zugabe bot man eine Polka von Alfred Schnittke. Dissonante Klänge voller Brüche, im Kontext eines rhythmischen Feuerwerks, der Kontrabass verhaftet in der Geste einer Marschtrommel, das Orchester brillant, im Übergang von der alten Musik zur Moderne. Zum Abschluss, das durfte sein, gab es ein, zwei Takte Beethoven mit auf den Weg.. Ein winziges Fragment, bei dem sich die Musiker in einem Schwung erheben.  

Info

Termin

Das am Sonntag vorgestellte Format wird die Oberrhein-Konzertreihe die Saison über prägen. Das Programm ohne Pause ist verkürzt, die Konzerte beginnen um 17.30 Uhr und um 20 Uhr, die Einführungsvorträge jeweils eine halbe Stunde davor.
Weiter geht es am 10. Oktober mit dem südafrikanischen Flötisten Stefan Temmingh und seinem Ensemble „The Gentleman‘s Band“.

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