Auf dem Virgule-Gelände am Rheinhafen

Stadt Straßburg schafft Platz für neue Künstlerateliers

Autor: 
Jürgen Lorey
Lesezeit 3 Minuten
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05. Oktober 2019
inen Eindruck von den Bewohnern des neuen Künstlerviertels konnten sich die Be­sucher auf dem Virgule-Gelände beim Tag der offenen Tür machen.

(Bild 1/2) inen Eindruck von den Bewohnern des neuen Künstlerviertels konnten sich die Be­sucher auf dem Virgule-Gelände beim Tag der offenen Tür machen. ©Jürgen Lorey

Platz für bis zu 100 Künstler bietet das ehemalige Areal des elsässischen Einzelhandelsunternehmens Coop im Straßburger Rheinhafenviertel. Am vergangenen Wochenende wurde der Teilbezug der Ateliers mit Ausstellungen, Vorführen und Konzerten gefeiert.

Auf dem Karton in Form eines Fensterladens steht in Handschrift: „Gedicht zu jedem Thema: Geopolitik, Sex, Ende des Tunnels, Buchführung, Superheld...“ Auf dem anderen Fensterladen sind die Einschränkungen zu lesen: „Ausverkaufte Gedichte: Liebe Mama, Feen und Kobolde, Golf GTI, für Hunde“.

Die beiden Fensterläden gehören zur „Gedichte-Fabrik“ des Künstlerkollektivs „Noun“ inmitten des neu gestalteten Virgule-Gelände auf dem Coop-Areal im Straßburger Rheinhafen. Wer mag, kann ein Gedicht bestellen, das bei den jungen Künstlern, die eine OP-Haube auf dem Kopf tragen, auf Schreibmaschinen der 1980er-Jahre entwerfen und dann vom Podest der Karton-Konstruktion mit einem Megafon vortragen.

Die „Gedichte-Fabrik“ war Teil der Veranstaltungen, Ausstellungen, Künstlerworkshops und Konzerten, mit denen die Stadt Straßburg am vergangenen Wochenende die Neugestaltung des Virgule-Geländes feierte. Das Gelände heißt so, weil es die Form eines Kommas (französisch virgule) hat. Auf das Areal mit den ehemaligen Werkstätten und ergänzenden Neubauten sollen nach dem Willen der Stadt Straßburg vorwiegend Künstler, aber auch Vereine der Sozial- und Solidarwirtschaft einziehen oder sind schon eingezogen. 

Moderate Mieten

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Die „Garage“, das mit 4600 Quadratmetern Fläche größte Gebäude, soll die Vitrine des neuen Viertels werden. Hier sollen langfristig rund 100 Künstler die völlig renovierten Örtlichkeiten beziehen. Alain Fontanel, als erster Beigeordneter der Stadt Straßburg für Kultur zuständig, spricht von moderaten Mieten. Anfangs soll der Quadratmeterpreis bei 25 Euro im Jahr liegen, später bei 45 Euro. 
Rund zehn Künstler, die bislang in der Semencerie waren, einem Künstlertreff in einer ehemaligen Saatgut-Halle im Straßburger Bahnhofsviertel, nahmen das Angebot der Stadt an, in die „Garage“ zu ziehen, weil der Fortbestand der Halle nicht gesichert sei, wie der Künstler Arthur Poutignat erklärt. Diese Künstler schlossen sich zum Kollektiv CRIC zusammen. Etwa zehn weitere Künstler hätten sich entschieden, woanders hinzugehen, sagt Poutignat. „Einige fühlten sich nicht wohl bei der Idee, an einen Ort umzuziehen, der der Stadt gehört.“ 

Im zweiten großen Gebäude auf dem Virgule-Gelände mit dem Namen „Les Ateliers Eclairés“ ist ein so genanntes Makerspace untergebracht. Es ist eine Werkstatt, in der Menschen Zugang zu Maschinen und Know-How erhalten, das es sonst nur in größeren Profi-Werkstätten gibt, etwa zum Prototypenbau mit 3D-Druckern und Laser-Cuttern, Holzmaschinen für Tischler und einer Metallwerkstatt. 

Gefahr der Gentrifizierung?

Das Virgule-Kultur­areal mit 4600 Quadratmetern Nutzfläche ist Teil eines weit größeren Immobilienprojektes auf dem jahrelang brachliegendem Coop-Gelände mit 50 000 Quadratmetern Nutzfläche. Hier sollen 450 Wohnungen für 1000 Einwohner entstehen, ferner öffentliche Gebäude und Flächen für Gewerbe und Wirtschaft. Manche der Künstler sehen darin die Gefahr der Gentrifizierung: den Wechsel von einer Bewohnerschaft mit niedrigem Einkommen und Status zu einer mit mehr Status und Einkommen.

Daniel Depoutout, der bereits in den 1990er-Jahren eine stillgelegte Coop-Halle bezog und dort unter anderem Skulpturen und mechanische Maschinen aus recycelten und aufmöblierten Materialien kreiert, betrachtet das Virgule-Gelände mit einer mit Vorsicht gefärbten Neugier: „Wissen Sie, wenn wir Künstler uns unterordnen, enden wir oft wie die alkoholsüchtigen Indianer in den Reservaten.“ 

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