Berlin

Tattoo-Entfernung bald ein echter Luxus?

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
21. August 2019
Petra Lichtblau entfernt per Laser ein Tattoo.

Petra Lichtblau entfernt per Laser ein Tattoo. ©dpa - Carsten Koall

Tattoos zieren den ganzen Körper der Erzieherin Vanessa Stark aus Berlin. Doch zwei missglückte Exemplare müssen verschwinden. Seit Wochen besucht die 24-Jährige deshalb nun schon ein Laserstudio.

«Das ist ziemlich ärgerlich und nicht billig», sagt sie. Allein die Entfernung eines Mandalas auf der Hand kostet rund 1300 Euro - etwa das Zehnfache des Tattoo-Preises. Wie ihr geht es vielen anderen Tätowierten in Deutschland. Und es könnte künftig noch teurer werden.

Tattoo-Entfernung per Laser - das darf momentan noch jeder, der ein Gerät und einen Gewerbeschein hat und einen Laserschutzkurs absolviert hat. Doch laut einer neuen Verordnung zum Strahlenschutz dürfen ab Ende 2020 nur noch Ärzte die Dienstleistung anbieten. Die Zukunft vieler Laser-Studios ist daher ungewiss: «Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht», sagt Markus Lühr, Gründer der Kette «Tattoolos», die mit Heilpraktikern arbeitet. Ärzte darf die GmbH nicht anstellen. «Die Tattoo-Entfernung wird künftig viel teurer und es wird lange Wartezeiten geben. Ich hoffe, dass das Ganze nicht in eine Grauzone abdriftet und in Hinterzimmern praktiziert wird», so Lühr.

Zur Tattoo-Entfernung ins Ausland

Diese Befürchtung teilt die Gründerin von «Endlich ohne», Andrea Goeman. «Unsere Kunden sind oftmals sehr belastet durch ihre Tattoos und haben demnächst keine Möglichkeit mehr, sie zu bezahlbaren Preisen legal professionell entfernen zu lassen. Ich hoffe, dass die Politik noch einlenkt», so die Heilpraktikerin aus Hannover, die an bundesweit 19 Standorten mit Kosmetikerinnen und Krankenschwestern, aber auch beratenden Ärzten arbeitet. Die neue Regelung sei vernichtend für ihr Unternehmen. Goeman rechnet damit, dass Kunden zur Tattoo-Entfernung künftig auch ins Ausland gehen.

Der Karlsruher Hautarzt und Laser-Experte Christian Raulin hingegen betont: «Ein Arzt hat eine Ausbildung, medizinisches Verständnis und vielfach auch eine Ethik.» In fast der Hälfte der Fälle rate er Patienten von einer Tattoo-Entfernung ab. «Wenn ich sehe, dass die Farben ungünstig sind oder das Tattoo zu groß ist, lasse ich die Finger davon.» Tattoos, die einen halben Oberarm bedecken, sind aus seiner Sicht noch entfernbar. Den großflächig tätowierten Fußballern der 1. und 2. Bundesliga hingegen prophezeit er ein anderes Schicksal: «Die werden die Tattoos ihr ganzes Leben behalten müssen.»

Vielen wird Geld für Entfernungen fehlen

«Die Neuregelung führt leider dazu, dass weniger Ärzte für ihren eigentlichen Job zur Verfügung stehen: sich um die Patienten zu kümmern», sagt der CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß. «In den kommenden Jahren müssen wir uns wohl mit Strandbesuchen abfinden, bei denen wir verblichene Tattoos sehen werden, die wahrlich kein schöner Anblick sind. Denn vielen wird das Geld fehlen, diese Tätowierungen entfernen zu lassen.»

Bei einer Laserbehandlung werden die Farbstoffpartikel in kleine Teile zerschossen. Die Bruchstücke sollen vom Körper abtransportiert oder abgebaut werden. Mögliche Nebenwirkungen: Bei der Zerstörung mancher Pigmente können - so das Bundesamt für Strahlenschutz - giftige und krebserregende Verbindungen wie Blausäure oder Benzol entstehen. Das Amt warnt zudem vor Verbrennungen, Pigmentveränderungen, Entzündungen und Narbenbildung, wenn der Laser nicht richtig eingesetzt wird.

- Anzeige -

Lasern ist die einzige Option

«Wenn im Tattoo ein suspektes Muttermal ist, kann sich nach einer Laserbehandlung nahezu unbemerkt ein Hautkrebs entwickeln», ergänzt der Mediziner Raulin. Außerdem sei es möglich, dass allergische Stoffe aus dem Tattoo sich im ganzen Körper verteilen: «Dann juckt es plötzlich überall.»

Das Lasern ist Raulin zufolge die einzige Option. Darüber hinaus werden unliebsame Bilder aber auch abgeschliffen oder abgefeilt, mit Säure weggeätzt oder mit flüssigem Stickstoff per Kältetherapie behandelt. Wegen ästhetisch inakzeptabler Narben, Pigmentstörungen und sonstiger dauerhafter Nebenwirkungen seien diese Verfahren aber strikt abzulehnen.

Im Idealfall lasse sich eine Profitätowierung nach bis zu 20 oder mehr Sitzungen entfernen. Doch die klinische Erfahrung zeige, dass etwa bei einem Drittel der Patienten auch nach sehr vielen Sitzungen keine vollständige Entfernung gelinge. Vor allem bunte und mehrfarbige Tattoos und solche, die viel Farbpigmente enthalten, seien schwierig zu entfernen, so der Arzt, der häufig erlebt, dass Tätowierer eben nicht die erhofften Picassos oder Dürer sind. «Da wird aus einer Eule schnell mal eine Ente und aus einem Hai ein Kabeljau.»

Etwa jeder Zehnte ist mit seinem Tattoo unzufrieden

Oft seien aber auch die Motive nicht mehr gewollt - etwa Arschgeweihe oder der Name des Ex-Partners. «Und manchmal muss auch einfach Platz für Neues her», ergänzt der «Tattoolos»-Gründer Lühr.

«Die Linien sind viel zu dick», kritisiert Vanessa Stark das Mandala auf ihrer Hand. Noch ärgerlicher sei aber ein Tattoo auf ihrem Oberschenkel. «Hier wurde viel zu tief gestochen, es haben sich Narben gebildet», so die Neuköllnerin, die auch modelt.
Über die Zahl der Tätowierten gibt es nur Schätzungen. Laut einer 2017 veröffentlichten Studie der Uni Leipzig sind es rund 16 Millionen Menschen. «Früher gehörten Tattoos und Piercings in die Schmuddelecke. Heute gelten Menschen mit Körpermodifikationen als aufgeweckte, interessierte Menschen, die sich zu einer sozialen Gruppe bekennen», sagt der Studienautor Elmar Brähler. Laut CDU-Politiker Krauß ist aber etwa jeder Zehnte mit seinem Tattoo unzufrieden. 1,2 Millionen Patienten nähmen jedes Jahr eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch.

«Wenige machen sich richtig viele Gedanken, bevor sie sich tätowieren lassen», sagt Lühr. Außerdem habe sich herumgesprochen, dass man sie wieder entfernen lassen könne. Doch der Karlsruher Arzt Raulin warnt vor allzu großer Leichtfertigkeit: «Tattoos sind keine Abziehbilder, sondern etwas fürs Leben.» Er gibt dem Trend keine große Zukunft mehr: «Nach zehn Jahren ist das wieder vorbei.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Der vielseitige Musiker Savvas Zilelidis hat sich als Shabba Pan neu erfunden.
vor 9 Stunden
Freiburger Künstler Savvas Zilelidis und sein Projekt Shabba Pan
Savvas Zilelidis steht für eine neue Generation von Musikern. Er beherrscht zahlreiche Instrumente und bewegt sich spielerisch zwischen akustischen und synthetischen Klängen. Er bringt experimentelle Bands in die Clubs und unterrichtet Kinder und Jugendliche. 
06.07.2020
"Musica" Straßburg 2020
„Musica“ Straßburg trotzt Corona mit einem etwas abgespeckten Programm. Der Chor des Offenburger Schiller-Gymnasiums tritt am zweiten Eröffnungsabend im September auf.
05.07.2020
Eröffnung des Literaturfestes "Hausacher Leselenz" mit Ilija Trojanow
Zur Eröffnung des „LeseLenz 2.0“ in Hausach las Ilija Trojanow aus seinem Roman „Doppelte Spur“. Die Vorstellung wurde aus der Stadthalle ins Autokino übertragen. 
04.07.2020
Passerelles-Konzerte
Ab sofort gibt es Karten für die Kehler Passerelle-Reihe. Im Oktober geht es los. 
03.07.2020
Hitradio Ohr CD-Tipp
Die Holländerin Ilse DeLange präsentiert ihre neue CD: Changes. In Deutschland ist es bereits in den Top 20.
03.07.2020
Werkschau der Studenten Vorstudium der Kunstschule
24 junge Menschen beenden jetzt mit einer Werkschau ihr Vorstudium Bildende Kunst an der  Kunstschule Offenburg. Los geht es am Dienstag in der Galerie des Kunstvereins.
Abstand auf der Bühne und im Saal: Den Musikgenuss im Straßburger Musikpalais trübten die strengen Hygieneauflagen nicht.
03.07.2020
Philharmoniker spielten wieder vor Publikum
Geradezu  feierlich zumute war es vielen Musikfreunden, die am Dienstag erstmals seit dem Beginn der Coronakrise die Straßburger Philharmoniker wieder live erleben durften. Das Programm erfreute Klassikliebhaber, Anhänger des Atonalen und Queen-Fans.  
Wird zur Theaterkulisse: das Stadtmuseum Tonofenfabrik in Lahr.
03.07.2020
Theater Baden Alsace
8500 Euro hat das Theater Baden Alsace (Baal novo) im Rahmen des Förderprogramms „Kultur Sommer 2020“ des Landes Baden-Württemberg erhalten. Damit ist das Freiluft-Projekt „Badischer Sommer – Theater Baden Alsace“ gesichert. 
Geiger Emmanuel Tjekna­vorian.
03.07.2020
Festspiele Baden-Baden in anderer Form
Die Festspiele Baden-Baden sind in diesem Sommer in Hotels und im Museum Frieder Burda zu erleben. Unter dem Motto „En suite“ gibt es vom 18. Juli bis 30. August ein Konzert-Programm mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern
Jürgen Stark.
02.07.2020
Kulturkolumne
Während bei uns die Clubs noch geschlossen und größere Events tabu sind, feierten chinesische Musikfans ausgelassen ein Rockkonzert. Doch auch dort leiden Kulturveranstalter und Clubbetreiber stark unter der Krise.   
Albert Camus schrieb mit "Die Pest" einen Klassiker, der in der Coronakrise wieder sehr gefragt ist.
01.07.2020
Seuchen und Epedemien in der Weltliteratur
Berühmte Autoren vergangener Jahrhunderte haben über Epedemien in Europa geschrieben. Albert Camus inszenierte seinen Klassiker  „Die Pest“ als spannenden Krimi und zugleich als einen weisen Ratgeber für apokalyptische Situationen. 
Die Komödie „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ soll am 21. Oktober im Lahrer Parktheater aufgeführt werden.
30.06.2020
Neues aus dem Kulturamt Lahr
Gute Nachrichten für Kulturinteressierte in Lahr: Die geplanten Veranstaltungen der Reihen „Stadttheater Lahr“, „LahrBoulevard“ und „SymphonieKonzerte“ können stattfinden. Das teilte das Kulturamt der Stadt am Montag mit. 

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das edel-graue Parkett schafft eine klare Raumstuktur.
    vor 19 Stunden
    Im grenznahen Neuried werden Wohnträume wahr
    Holz ist ein wunderbarer Werkstoff für den Innenausbau: Er ist durch und durch natürlich und passt sich den Anforderungen an. Dabei ist er genauso individuell wie die Menschen, die in den vier Wänden leben. Wer seinen Wohntraum in Holz verwirklichen will, ist bei marx Design in Holz in Neuried an...
  • Willkommen zu Hause: Stressless® steht für Komfort und Entspannung. Modell: Tokyo Linden Sand.
    02.07.2020
    Stressless®: Raus aus dem Alltag, rein ins Zuhause
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten und Wohnen in Baden. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach ist Partner ausgewählter Marken und präsentiert mit Stressless® norwegischen Komfort. Die Welt des exklusiven Möbelherstellers wartet im Stressless®-Studio darauf,...
  • Kai Wissmann präsentiert am Donnerstag, 16. Juli, die Gewinner der Shorts 2020.
    25.06.2020
    Trinationales Event: Großes Finale am 16. Juli
    Die Shorts lassen sich nicht ausbremsen, auch nicht von einer weltweiten Pandemie: Das trinationale Filmfestival der Medienfakultät der Hochschule Offenburg wird diesmal komplett online ausgerichtet. Die Filme sind donnerstags und sonntags ab 19 Uhr im Live-Stream hier abrufbar. Das große Finale...
  • Eine reduzierte Formensprache, robuste Materialien und eine seriöse Optik zeichnen Möbel von Musterring aus.
    25.06.2020
    Möbel RiVo in Achern: Wohnwelt auf 8000 Quadratmetern
    Bei der Einrichtung zählt einzig und allein der persönliche Geschmack. Und Geschmack ist bekanntlich vielseitig. Gerade deshalb bietet das Einrichtungshaus Möbel RiVo in Achern-Fautenbach eine riesige Auswahl an Markenkollektionen von Top-Designern und -Herstellern wie Musterring.