Konzert im Kulturhaus Kehl

Trio Wildes Holz überrascht mit rasanter Blockflötenshow

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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06. Dezember 2019
Boten Entertainment pur (von links): Djamel Laroussi, Tobias Reisige und Markus Conrads beim Konzert im Kehler Kulturhaus.

Boten Entertainment pur (von links): Djamel Laroussi, Tobias Reisige und Markus Conrads beim Konzert im Kehler Kulturhaus. ©Oscar Sala

Vergessen Sie alles, was Sie über Blockflöte gehört haben! Dieses vermeintlich infantile Instrument wird zu Unrecht völlig unterschätzt. Diese Lehre konnte der Musikfreund vom Konzert des Trios Wildes Holz am Dienstagabend im vollbesetzten Kehler Kulturhaus mitnehmen.  

Wenn die drei Musiker Tobias Reisige (Flöte), Markus Conrads (Kontrabass) und Djamel Laroussi (Gitarre) so richtig aufdrehen, dann steigt der Rauch aus ihren Instrumenten empor. Mit ihrem neuen Programm mit dem passenden Titel „Höhen und Tiefen“  präsentiert Wildes Holz eine einzigartige Melange aus Klassik und Pop. 

Bevor es am Dienstagabend  im Kehler Kulturhaus so richtig losgeht, gibt es mit „Moretti Swing“ eine musikalische Reminiszenz an den langjährigen Gitarristen Anto Karaula, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Der Tod des Bandmitglieds hatte das weitere Bestehen der Formation in Frage gestellt, doch mit dem aus Algerien stammenden Gitarristen Djamel Laroussi hat die Gruppe einen ausgezeichneten Nachfolger gefunden. Er spielt auf seinen Saiteninstrumenten so leidenschaftlich, als ob er schon immer dazu gehört hätte.

Das Trio Wildes Holz ist allerdings mehr als das Zusammenspiel dreier Instrumentalisten. Die Band lebt nicht nur von ihrer Virtuosität, sondern vielmehr vom hinreissenden Drive ihres Zusammenspiels, das gelegentlich mit kabarettistischen Zügen bereichert wird. Mimik, Gestik und vor allem eine ausgefeilte Choreografie mit synchronen Bewegungen bringen das Publikum zum Jubeln. Der Prince-Hit „Kiss“, Heinz-Rudolf-Kunzes „Brille“ oder der türkisch inspirierte „Kebop“ erweisen sich als Kabinettstückchen. Die manchmal haarsträubenden Läufe und Melodien kommen immer mit einem Augenzwinkern daher. Zwischendurch erklingt die eine oder andere melancholische Liebesballade, doch die Lebensfreude setzt sich immer wieder durch. 

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Während Bassist Marcus Conrads fast in Trance seine Läufe schmettert, sucht Flötist Tobias Reisige den Kontakt zum Publikum, erzählt so manche Anekdote. Die Musik ist überwiegend handgemacht, doch die modernen Zeiten haben auch bei Wildes Holz nicht Halt gemacht. Mit der Loop-Maschine ersetzt Reisige im Alleingang fast ein ganzes Orchester. Da werden Flötenklänge übereinander gelegt und mit rhythmischen Schlagzeugmustern unterlegt. Hier kommt eine ungeahnte Vielfalt an Klängen und Ausdruckmöglichkeiten zum Vorschein. 

Nein, die drei Herren haben keine Berührungsängste. Zwischen ernster und unterhaltsamer Musik gibt es bei ihnen keine Trennlinie. Auch vor gewagten Cover-Versionen bekannter Rock-Klassiker macht das Trio nicht Halt. So werden ein Red-Hot-Chilli-Pepper-Song oder Nirvanas grungiges „Come as you are“ demontiert und völlig neu interpretiert. 

Die Blockflöte verliert ihre Unschuld bei Madonnas Welthit „Like a Virgin“, der  sich musikalisch mit Santanas „Oye como va…“ paart.  Laroussi schwelgt mit himmlischen Gitarrenläufe bei „Roche­ Long“ in nostalgischen Erinnerungen an die algerische Heimat. Irgendwann ertönt der A-ha-Gassenhauer „Take On Me“ und dann ein italienischer Kanon aus dem Hochbarock – verrückt! Was Wildes Holz in etwa zwei Stunden bietet, ist Entertainment pur, eine rasante Blockflötenshow mit viel Charme und Humor. Die vielen musikalischen Höhepunkte offenbaren eine ausgepägte Originalität, die zudem mit viel Spielwitz geboten wird: rotzig-rauh, wild und zugleich einfühlsam. 

Nach ihrem Gastspiel in Kehl startet das Trio sein neues Weihnachtsprogramm „Alle Jahre wilder!“ Davon gibt es im Kulturhaus bereits eine Kostprobe. Die besinnliche Weihnachtsweise „Der kleine Trommler“ wird mit Puff Daddys „Come With Me“, bekannt aus dem „Godzilla“-Soundtrack, gepaart. Das Publikum ist danach hin und weg – Zugabe! Es folgt ein Klassiker, die Flötenversion der „Pippi-Langstrumpf-Melodie“ – dann heißt es: „Frohe Weihnachten!“

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