Herbstkonzert des Concertino Offenburg

Uraufführung mit erfrischenden Tönen von Heinz Jaggi

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Oktober 2019
Das Concertino Offenburg beim Herbstkonzert. Schlagzeuger Jaro Baron und seine Duopartnerin, die Geigerin Franziska Fessler, spielten ein Auftragswerk von Heinz Jaggi.

Das Concertino Offenburg beim Herbstkonzert. Schlagzeuger Jaro Baron und seine Duopartnerin, die Geigerin Franziska Fessler, spielten ein Auftragswerk von Heinz Jaggi. ©Jürgen Haberer

Eine Uraufführung von Heinz Jaggi und die annullierte „Sinfonie d-Moll“ von Anton Bruckner: Das Herbstkonzert des Concertino Offenburg am Sonntagabend bot ein Kontrastprogramm. Dafür sorgten auch Schlagzeuger Jaro Baron und seine Duopartnerin Franziska Fessler an der Violine.

Kontraste hat der musikalische Leiter Dieter Baran in seiner kurzen Einführung zum Konzert im Konzertsaal der Freien Waldorfschule angekündigt. Er meinte damit die Begegnung mit einem neuen, vom Concertino selbst in Auftrag gegeben Werk, und die von Anton Bruckner später selbst annullierte „Sinfonie d-Moll“. 

Das 1985 gegründete Orchester hat sich damit wieder einmal selbst in dem Spannungsfeld verortet, in dem es sich am wohlsten zu fühlen scheint. Es darf durchaus etwas Modernes sein, wenn das Klanggefüge nicht zu weit auf das Feld der musikalischen Abstraktion vordringt und tonale­ Ansätze zumindest erkennbar bleiben. Genauso wichtig ist der Blick auf das Oeuvre der klassischen Literatur. Es sollte aber auf keinen Fall ein Allerweltsstück sein, dass in jeder Klassiksammlung zu finden ist. 

Für den ersten Teil des diesjährigen Herbstkonzerts hat sich Baran an den Schweizer Heinz Jaggi gewandt, den Solopauker des Sinfonieorchesters Biel-Solothurn, dem seit 2017 auch Barans Sohn Jaro angehört. Jaggi hat sich an die Arbeit gemacht und ein „Konzert für Violine, Schlagzeug und Streicher“ komponiert, eine moderne, aber nie verstörende Klangcollage, die kontrastreich neue Töne anschlägt. 

Rasante Läufe mit gebrochenen Akkorden für die Violine von Franziska Fässler, die mit Jaro Baran zusammen seit 2014 das Duo Arcophon bildet. Das Schlagwerk wechselt zwischen Vibraphon, kleiner Trommel und Tam-Tam. Bongos und Becken, dazu die Streicher des kleinen Orchesters, die fast immer präsent sind, aber nie aufdringlich wirken. 

- Anzeige -

Der erste Satz ist lebhaft und vielschichtig, der zweite geprägt von einer starken Reduktion, einer sphärischen, manchmal fast ersterbenden Aura. Das Zwischenspiel ist eine Reminiszenz an barocke Harmonien, das Finale eine polyrhythmische Verbeugung vor der Rezeptur der progressiven Rockmusik. Die Uraufführung selbst ist eine erfrischende, wunderbar abwechslungsreiche Klangreise, die das spürbar beeindruckte Publikum in der Waldorfschule mit langanhaltendem Beifall belohnt.

Opulente Tonsprache

Nach der Pause dann Bruckners „Sinfonie d-Moll“, die später von ihm durch einen handschriftlichen Eintrag auf der Partitur „genullt“ wurde. Anton Bruckner hat in dem 1869 komponierten Werk wohl vor allem an der Rezeptur seiner späteren Werke gearbeitet. Die knapp 50-minütige Sinfonie ist kürzer als seine späteren Tonschöpfungen, nimmt trotz einer gewissen Schlichtheit aber bereits die opulente und dramatische Tonsprache, den machtvollen Charakter seines Spätwerkes vorweg. 

Das nun durch Holz- und Blechbläser verstärkte Concertino läuft zu Bestform auf. Es begeistert das Publikum mit einem musikalischen Parforceritt und einer machtvollen Klangsprache – eine bemerkenswert reife Leistung. Als Zugabe und Abgesang folgt zum Schluss dann der zweite ungarische Tanz von Johannes Brahms.          

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Sie präsentierten gestern das Wortspiel-Programm 2020: Sybille Scheerer (Buchhandlung Roth), Christa Peiseler (Buchhandlung Akzente), Markus Niemeier (Stadtbibliothek), Constanze Armbrecht (Volkshochschule) und Malena Kimmig (Leitung Stadtbibliothek).
20.02.2020
Offenburger Literaturtage "Wortspiel"
Mit zehn Lesungen, Autorengesprächen und Vorträgen kann die 13. Ausgabe des Offenburger „Wortspiels“ vom 19. März bis 6. Mai aufwarten. Mit etwas Glück dürfen die Buchfreunde zum Auftakt einem frischgebackenen Literaturpreisträger lauschen.  
17.02.2020
Lustspiel "Die Niere" in der Kehler Stadthalle
Die Berliner Komödie am Kurfürstendamm machte mit ihrer Aufführung von „Die Niere“ die Organspende zum Thema in Kehl. Passend für eine Komödie?
17.02.2020
"Wortreich" im Kehler Kulturhaus
Wir sind zu dick, zu alt und Falten haben wir auch – die Kabarettistin Inka Meyer zeigte am Sonntag im Kehler Kulturhaus auf ebenso entlarvende wie vergnügliche Weise die Auswüchse der grassierenden Selbstoptimierung auf. 
17.02.2020
Jens Rosteck liest im Salmen
Der Schriftsteller und Musiker Jens Rosteck lädt für Mittwoch zur szenischen Lesung in den Offenburger Salmen ein. Dabei geht es um keine Geringere als die französische Schauspiellegende Jeanne Moreau.
Enkhjargal Dandarvaanchig konzentrierte sich beim Konzert in Offenburg auf die Musik und Kultur seiner mongolischen Heimat.
17.02.2020
Enkhjargal Dandarvaanchig im Offenburger Salmen
Seine Musik erzählt von der Weite der mongolischen Steppe. Ober- und Untertongesang treffen auf den Klang der Pferdekopfgeige. Enkhjargal Dandarvaanchig, in Offenburg bestens eingeführt durch Rüdiger Oppermanns „Klangwelten“, gab am Samstagabend mit Gästen ein Konzert im Salmen.     
nspiriert von vielen Kulturen war das Konzert des Trios Trezoulé: Andi Bühler (Percussion, von links), Cathrin Pfeifer (Akkordeon) und Takashi Peterson (Gitarre).
17.02.2020
„Passerelles“-Konzertreihe
Mit facettenreichem World-Mix startete die Kehler „Passerelles“-Konzertreihe am Donnerstagabend in der Stadthalle in das neue Jahr. Das Berliner Trio Trezoulé erwies sich dabei als eine außergewöhnliche Formation. 
Sündhaft Süßes: „Opulent Gold Assortment“ von Peter Anton.
15.02.2020
Kunstmesse Art Karlsruhe
Auf der 17. Art Karlsruhe präsentieren 210 Aussteller noch bis Sonntag, 16. Februar, Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Im Mittelpunkt steht die Skulptur, eine Spezialität des nordbadischen Kunsttreffs. 
13.02.2020
Kultur
Die Kunstmesse »Art Karlsruhe« ist ab Donnerstag am Start und will in diesem Jahr das Augenmerk vor allem auch auf weibliche Positionen lenken.
Eine Stimme, die ins Herz dringt: Diana Damrau beim Konzert mit den Münchner Philharmonikern unter Leitung von Valery Gergiev.
13.02.2020
Konzert im Festspielhaus Baden-Baden
Das Konzert mit den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss und der 7. Sinfonie von Anton Bruckner wühlte das Publikum im Festspielhaus am Sonntag heftiger auf als der angekündigte Sturm. Das lag an der Musik und den Musikern.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.