Oppenau

Vernetzt wie Nervenzellen - Vorschau

Autor: 
Rainer Braxmaier
Lesezeit 4 Minuten
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06. November 2021
Konzeptkünstler Tim Otto Roth und seine Frau und Arbeitspartnerin Miriam Seidler im Schein der Audioneuronen.

Konzeptkünstler Tim Otto Roth und seine Frau und Arbeitspartnerin Miriam Seidler im Schein der Audioneuronen. ©Rainer Braxmaier

Der Künstler Tim Otto Roth stellte in seinem Oppenauer Atelier sein neues Werk „Sonapticon“ vor, bei dem Licht- und Klangkörper von Tönen gesteuert werden.

Er ist mit seiner Kunst weltweit unterwegs, in Ägypten ebenso wie in Chile oder in den USA. In seiner Branche zählt der 47 Jahre alte Tim Otto Roth als Unikat, schon 2004 erhielt er den großen Medienpreis des ZKM. Das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien gilt als globale Avantgardeschmiede für die Kunst der Zukunft.
Doch ein Problem lässt den wieder in seiner Heimatstadt Oppenau lebenden Künstler nicht los. Viele Menschen genießen mittlerweile seine Großobjekte und Klang-Raum-Installationen, in denen es sphärisch tönt. Doch, wenn es darum geht, Herkunft und formale Kriterien der Arbeit zu erklären, herrscht schnell Finsternis bei den Laien: zu kompliziert (Roth selbst nennt es „komplex“), sehr schnell in wissenschaftlichen Gebieten, die sich eigentlich nicht optisch darstellen lassen.
Wissenschaft und Kunst
Die Quellen seiner Kunst liegen oft im All. Roth formt mittels hoher Technik daraus Töne und Lichterscheinungen, die sich wiederum untereinander vernetzen lassen und die Gestaltung selbst übernehmen. Und das Publikum liegt unter einem weit ausfahrenden klingenden Karussell von 36 „Lampions“ – und hebt ab. Das ist die Wirkung seiner bekanntesten Arbeit „Heaven´s Carousel“, inzwischen nach der Premiere vor sieben Jahren in Rom in sechster Generation modifiziert und weiterentwickelt. Damit ist aus dem ursprünglich bildenden Künstler, der sich seit zwei Jahrzehnten um die Verbindung von Wissenschaft und Kunst bemüht, ein Musiker und Komponist geworden.
Tim Otto Roths neueste Werkgruppe heißt „Sonapticon“ und in der Weiterentwicklung „Peri-Sonapticon“. Es „verwandelt mit einer akustischen Intelligenz einen ganzen Raum in ein Netzwerk von interagierenden Tönen, die grundlegende Vorgänge in Nervenzellen widerspiegeln, die uns zu fühlenden und denkenden Wesen machen“ – so die Definition des Künstlers.
Die private Premiere fand jüngst in Roths Oppenauer Atelier statt. Als Gast hatte er den Straßburger Saxophonisten und Komponisten Yérri-Gaspar Hummel eingeladen, mit dem Roth schon früher zusammengearbeitet hatte. Zu dessen Performance und mit Eingriffen Tim Otto Roths am Computer veränderten sich insgesamt 41 zu vertikalen Reihen sortierte Licht- und Klangkörper, „Audioneuronen“ genannt, die je nach den Tönen aus dem Instrument ihre Farbe wechseln, untereinander vernetzt und beeinflussbar nach dem Schema von Nervenzellen. Jeder Zyklus, vom Künstler am Computer begleitet, dauerte knapp zwanzig Minuten.
Möglich wurde die neue Werkgruppe durch Zuschüsse aus dem Programm „Neustart Kultur“. Es ist schon das zweite Mal, dass Tim Otto Roth von diesem Programm profitieren konnte, durch das auch seine Installation des „Heaven’s Carousel“ in Bad Reichenhall gefördert wurde.
Eine wichtige Quelle seines Kunstschaffens sieht Roth, der in Köln ein zweites Standbein hat, in der Auseinandersetzung mit dem Fotolabor seines Kunsterziehers Heinz Schultz-Koernig am Oberkircher Gymnasium. Nachdem er in Tübingen ein Politik- und Philosophiestudium begonnen hatte, wechselte er 1995 an die Kunsthochschule Kassel, war dort Meisterschüler des Fotokünstlers Floris M. Neusüss und beschäftigte sich intensiv mit dem Thema der Schattenbilder. Darüber schrieb er 2014 seine Promotion.
Selbstinszenierung
Mit der Premiere von
„Sonapticon“ feierte der Künstler zugleich seinen Umzug in das neue Oppenauer Domizil vor zwei Jahren. „Standesgemäß“ würden Spötter sagen, denn bei aller Ernsthaftigkeit und Tiefgründigkeit ist Tim Otto Roth auch ein Meister der Selbstinszenierung: das lange Blondhaar zum Zopf geflochten und gerne in sehr individuell geschnittenen Anzügen.
Dazu passt eben die neue Adresse, das „Schlössle“ in Oppenau. Hausherr ist zwar nicht der Fürstbischof von Straßburg, aber immerhin ein anderer Potentat der Region, der Schnapsfabrikant Günter Bimmerle. Drunter, im Erdgeschoss, residiert im Übrigen nach wie vor die Post, ein Ort, an dem man auch im digitalen Zeitalter handgeschriebene Briefe abgeben kann…

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