Haslach im Kinzigtal

Von Worten und Taten - prev

Autor: 
Jose F. A. Oliver
Lesezeit 5 Minuten
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17. Mai 2021
Der Kolumnist Jose F. A. Oliver.

Der Kolumnist Jose F. A. Oliver. ©Christoph Breithaupt

Kolumnist Jose F. A. Oliver macht sich Gedanken über das richtige Wort als Übersetzer.

Ach, ja? Stimmt. Nein! Wenngleich ... Auf der anderen Seite. Es könnte aber auch sein, dass ... Mhm! Muss ich mir überlegen. Das sehe ich in der Tat etwas anders. Um Himmels willen, wo denken Sie denn hin! „Da bin ich entschieden nicht meiner Meinung!“ Wow! Und: Hoppla!
Was immer das auch bedeuten könnte; ich meine, wenn jemand sagt, dass er entschieden nicht seiner eigenen Meinung sei. Spannend. Oder? Hieße dieser Satz letzten Endes, dass jemand oder man nicht wirklich sagt, was man denkt. Immerhin – und das ist schon viel – mit dieser Bemerkung wird zumindest zugegeben, dass man „nicht seiner (eigenen) Meinung“ ist.

Das hat was. Ich staunte nicht schlecht, als ich diesen Ausruf neulich vernahm: „Ich bin entschieden nicht meiner Meinung!“ So wie ich immer mehr staune über das, was ich täglich höre und lese und gebe deshalb frank und unerschrocken zu: es wird zusehends schwieriger, den Überblick - heißt „Überblick“ – eher: den Durchblick zu bewahren.

So viele Wochentage, so viele Sonntagsreden. So viele Interviews, so viele Floskeln. Gibt es eigentlich den „internationalen Tag der Sonntagsreden?“. Oder, noch besser: Eine „Internationale der Floskeln“? Ich müsste recherchieren. Ist Ihnen in dem Zusammenhang schon aufgefallen, verehrte Leserin, verehrter Leser, wie viel nicht gesagt wird, wenn etwas gesagt wird? Ich gehe davon aus, dass es Ihnen bewusst ist. Corona entblößt ja so mancherlei und manches mehr.

Auch die Sprache(n) und unsere Fähigkeit, in und mit ihr kontinuierlich auszuweichen. All diese Sonntagsreden, beispielsweise, die im Grunde als „verabredete Ausreden“ bezeichnet werden müssten. Mir stechen sie zurzeit vehement in die Ohren. Worte werden vor- undnachgebogen, glattgebügelt; Argumente anlassmäßig zurechtgestutzt und Äußerungen, selbst konträre, in ein und demselben Atemzug munter wieder aufgehoben.

Der ewige Faust

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Und nun? Was machen wir mit dieser so banalen Erkenntnis? Mhm. Stimmt. Ja. Wenngleich, etc. etc. Und so weiter. Und sofort. Sie verstehen? Da bin ich doch entschieden meiner Meinung. Obschon. Ich hoffe, ich habe sie jetzt nicht allzu sehr durchgeschüttelt mit meinem „wortverrüttelten“ Auftakt in die heutige Kolumne. Sie müssen wissen, dieser Tage übersetze ich wieder einmal.

Nicht nur, aber doch sehr viel Nachrichten. „Daily news“ – wie es so schön heißt. („Tägliche Neuigkeiten“). Nachvollziehbares und oft genug in jeder Hinsicht Unverständliches. Unverhofft Entdecktes, Wissenswertes, Hilflosigkeit(en). Aus den entlegensten Pandemie-Regionen dieser Welt. Die Wortakrobatik lässt mich mehrmals täglich ungläubig aufhören. Indes, schlauer bin ich dann doch wiederum nicht – sie wissen ja: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn./ Da steh ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor;(...)“ Tja, der alte „Faust“.
Allein das, was passiert, empfohlen, bestimmt und verordnet wird oder „nur“ unbestimmt im Raum steht, in die Alltagssprache zu enträtseln, ist eine Lebenskunst für sich. Allmählich wird das Leben ein Nebel. Hm! Wie faustisch „allerweltsklug“; und doch wie eigen. Leben und Nebel. (Von vorn wie von hinten zu lesen). Damit wären wir beim wesentlichen Punkt meiner Übersetzertätigkeit.

Neben dem Täglichen aus Rundfunk und Fernsehen übersetze ich vor allem Dichterinnen und Dichter. Heuer aus dem Flämischen, dem Spanischen, dem Englischen.

Genuss kontinuierlichen Entdeckens

Diese geistige Herkulesaufgabe ist hingegen ein Genuss kontinuierlichen Entdeckens; und ich lerne so verdammt viel Neues, weil Unbekanntes. Vor allem darüber, was nicht in eine andere Sprache zu schmuggeln ist. Ich lerne nicht nur von den Dichterinnen und Dichtern und ihren fremden Kulturen, vielmehr mache ich mir natürlich sehr viel Gedanken über das Eigene. Das Eigene unserer Sprach- und Sprechkultur. Meine Sprachen, die mir die Wiege schaukelten. Das Andalusische. Das Alemannische. Denen später die ersten Fahr- bzw. Wortversuche in den Hochsprachen Deutsch und Kastilisch folgten. Ganz ohne die Stützräder meiner Dialekte und Variationen.
Ich übersetze also schon lange. Obwohl mir das Wort „übersetzen“ nicht bedingungslos gefällt. Lieber spreche ich von einem „ersten, zweiten, dritten oder gar vierten Original“. Je nachdem, wie viele Versuche es zu sehr unterschiedlichen Zeiten gegeben hat, sich einem Wort aus der jeweils anderen Sprache zu nähern. Ich bin beileibe kein professioneller Übersetzer, aber, dies wohl, ein leidenschaftlicher Liebhaber anderer Sprachen und deren Kulturen. Ob das schon genügt, um sich dieser so herausfordernden Arbeit zu stellen?

Manches ist so eigen (und eigenschön), dass es nicht übersetzbar ist. Beispielsweise die Kombination „Leben“ und „Nebel“. Übersetzen Sie das mal ins Englische, Französische oder Spanische. Ins Türkische oder ins Arabische. Es braucht einige Gespräche(Dialoge mit mir selbst), bis ich dann schließlich doch wieder einmal mehr bei Goethe und in seinem „Faust“ lande und, um weiterzukommen, mir aktiv tröstend zitiere: „Der Worte sind genug gewechselt / Lasst mich auch endlich Taten sehn.“ Mhm! Was aber, wenn aus Worten Taten werden und umgekehrt, wenn die Taten Worte ...? Schwierig, schwierig ... auch für’s Übersetzen.

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