„Spiel es noch einmal, Sam!“

Warum weckt Live-Musik in uns so viele Gefühle?

Markus Brauer/dpa
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03. März 2024
Festivalbesucher stehen in Hamburg vor einer Bühne beim Musik-und Kunst-Festival „MS Dockville“ im August 2019.

Festivalbesucher stehen in Hamburg vor einer Bühne beim Musik-und Kunst-Festival „MS Dockville“ im August 2019. ©Foto: Jonas Walzberg/dpa

Musik vom Tonträger hören, anstatt viel Geld für Konzertkarten auszugeben? Geht natürlich, ist aber für das Emotionszentrum des Gehirns kein Vergleich, wie eine Schweizer Studie jetzt zeigt.

Live-Musik kann deutlich stärkere Emotionen wecken als Musik vom Tonträger. Das hat das Team um Sascha Frühholz vom Psychologischen Institut der Universität Zürich nun experimentell gemessen. Die Studie ist im Fachjournal „PNAS“ erschienen.

So emotional wirkt Musik

In einem Versuch wurde die Gehirnaktivität von 27 Studienteilnehmern gemessen, während sie dieselben Klavierstücke live oder als Aufnahme hörten. „Eine unserer Fragen war: Kann man mit Live-Musik mehr erreichen in Bezug auf die emotionale Reaktion als mit aufgenommener Musik?“ betont Musikwissenschaftler Frühholz. „Die Antwort ist klar: Das geht.“

Das liege vor allem daran, dass der Pianist auf das Verhalten von Zuhörenden reagieren könne. In dem Experiment wurden ihnen zwölf kurze Musikstücke vorgespielt – zum einen live von einer Pianistin und einem Pianisten oder als Aufnahme. Per Magnetresonanztomografie wurde währenddessen die Reaktion der Probanden in der Amygdala gemessen.

Zur Info: Die Amygdala ist ein paariges Kerngebiet des Gehirns.Sie wird wegen ihrer Form in der Anatomie auch Mandelkern genannt. Die Amygdala ist für Emotionen und Gefühle wie Furcht und Angst. Sie ist für die emotionale Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse und Konditionierung möglicher Gefahren zuständig.

 

In einem arrangierten Versuch veränderte der Pianist sein Live-Klavierspiel laufend, um die emotionale Reaktion in der Amygdala, dem Zentrum des affektiven Systems im Gehirn, zu steigern.
Foto: UZ/H

 

Höhere und konsistentere Aktivität im Gehirn

Das Ergebnis wurde den Musikern in Echtzeit angezeigt. Diese hätten Anweisung gehabt, ihr Spiel daraufhin so zu verändern, dass die Emotionen intensiviert werden - etwa durch Veränderung von Lautstärke, Tempo, Tonqualität oder dem Anschlagen von mehr Tasten.

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Der Versuch habe gezeigt, dass es während der Live-Musik eine viel höhere und konsistentere Aktivität in der Amygdala gab als beim Hören der Musik vom Tonträger, wenn die Musiker nicht auf das Befinden der Zuhörenden reagieren konnten.

Bei Live-Musik bekommen der Pianist oder eine Band laut Frühholz Rückkoppelung vom Publikum, das befeuere die Musiker und das wiederum befeuere das Publikum. Das habe sein Team nun messen können.

 

Was ist Musik?

Musik ist Kunst mit Tönen - das Ergebnis eines kreativen Prozesses, der auf bestimmten Wertvorstellungen und erlernten Verhaltensweisen beruht. Es drückt sich aus und versinnbildlicht in der dauerhaften Erzeugung und Erhaltung von Werten. Musikalische Werke setzen sich aus organisierten Klängen zusammen, die Assoziationen und Emotionen hervorrufen.

Ausgangsmaterial von Musik sind Töne, Klänge und Geräusche sowie deren akustische – also klangliche, durch den Hörsinn aufgenommene – Eigenschaften, wie Lautstärke, Klangfarbe, Tonhöhe und Tondauer. Die Fähigkeit des Menschen, als Musik kreativ erzeugte Schallereignisse von anderen akustischen Reizen zu unterscheiden, zählt zu den komplexesten Leistungen des menschlichen Gehirns.

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„Spiel es noch einmal, Sam!“

Nach Angaben von Frühholz dürfte das auf die evolutionären Wurzeln der Musik zurückzuführen sein. Menschen hätten schon immer Werkzeuge und Instrumente benutzt, um live Musik zu machen. „Der Mensch sehnt sich nach der emotionalen Erfahrung von Live-Musik. Wir wollen, dass Musiker uns mit ihrer Darbietung auf eine emotionale Reise mitnehmen.“ Oder wie es im Film Casablanca aus dem Jahr 1942 heißt: „Spiel es noch einmal, Sam – um der alten Zeiten willen!“

Laut BBC wollen die Forschenden das technisch sehr aufwendige Experiment wiederholen, dann aber mit einem größeren Publikum und in einer konzertähnlichen Umgebung.

Info: Was ist ein Ohrwurm?

Musikalische Dauerschleife
Kennen Sie dieses Phänomen auch? Sie hören einen Song und wie von Zauberhand geht diese Melodie nicht mehr aus Ihrem Kopf. Die Töne haben sich in Ihr inneres Gehör regelrecht eingebrannt und lassen sich nicht mehr resetten. Wieso wird Musik zur nervigen Dauerschleife? Es gibt Musik, die ist so genial gut, dass man sie immer und immer wieder hören möchte. Und dann gibt es noch jene „Tralala“, bei der man sich schon nach den ersten Tönen am liebsten die Ohren mir Oropax zustopfen will. Leider steht es nicht immer in unserer Macht – oder der unseres Gehirns –, welche Musik zur nervigen Dauerschleife wird.

Ohrwurm-Medley
Gemeinsam ist allen Ohrwurm-Medleys, das sie einen hohen Wiedererkennungswert sowie eine exzellente Mischung aus Vertrautheit und Überraschungseffekt besitzen. Welchem Genre sie entstammen – ob E(rnste)- oder U(nterhaltungs)-Musik – ist eigentlich ziemlich egal. Wolfgang Amadeus Mozarts „Kleine Nachtmusik“ oder Ludwig van Beethovens berühmtes Anfangsmotiv aus der 5. Symphonie hat genauso exzellente Ohrwurm-Qualitäten wie Helenes Fischers „Atemlos in der Nacht“ oder Henry Mancinis „Pink-Panther-Soundtrack“. Vor allem Popsongs und Schlager, bei den man das Tanzbein schwingen kann und die emotional eingängige und intellektuell seichte Lyrics haben, sind Ohrwurm-affin.

Musikwissenschaft
Musikwissenschaftler haben sich intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt – und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Wiederholung eines 3- oder 4-Takte-Motivs ist ideal für Ohrwürmer. Hierfür zwei allseits bekannte und sehr unterschiedliche Hörbeispiele:

Helene Fischer
„Atemlos durch die Nacht“: Der Schlagersong beginnt mit einem kurzen 4-taktigen Intro, gefolgt vom ersten Vers. Der Auftakt besteht aus einer Achtelkette mit Sextsprüngen . . .

Ludwig van Beethoven
5. Sinfonie, 1. Satz: Das berühmte Anfangsmotiv aus der „Schicksalssinfonie“ besteht aus drei Achtelnoten mit abschließendem Terzsprung (g–es). Es erklingt im Fortissimo mit Streichern und Klarinetten und wird anschließend auf drei Takte erweitert . . .

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