Neue Formate bei TV-Serien

Was ist eine Sadcom?

Autor: 
dpa/red
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04. Mai 2021
Die Serie „MaPa“ mit Maximilian Mauff als alleinerziehendem Vater bezeichnet sich selbst als Sadcom

Die Serie „MaPa“ mit Maximilian Mauff als alleinerziehendem Vater bezeichnet sich selbst als Sadcom ©Foto: rbb/Carolin Weinkopf

Es gibt immer mehr neue Fernseh- und Streaming-Formate. Das bedeutet auch immer mehr neue Genre-Begriffe, um sie zu sortieren. Wissen Sie genau, was hinter einer „Sadcom“, „Dramedy“ oder „Anthologie“ steckt?

Berlin - Tragikomödie hieße es bei einem Film. Weil es aber eine Serie ist, gibt es nun ein anderes kreatives Wort, wie das sechsteilige Werk „MaPa“ von Alex Lindh am besten zu bezeichnen sei. Die Miniserie startete vor einem Jahr beim Streamingangebot Joyn+ und ist jetzt noch bis 16. Mai beim öffentlich-rechtlichen Koproduzenten RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) in der ARD-Mediathek zu sehen. Die Serie beschreibt sich selbst als „Sadcom“, also sad (traurige) comedy – in Anlehnung an das Genre „Sitcom“, das ein Kofferwort aus „situation“ und „comedy“ ist, also Situationskomödie. Es fehlt aber das eingespielte Gelächter im Hintergrund. Die Gags sind auch keine Brüller, sondern eher Absurditäten, bei denen geschmunzelt werden kann. Die Kunst der Macher besteht darin, die sich anbahnenden Tränen mit einem Lacher zu stoppen.

„MaPa“ mit Maximilian Mauff in der Hauptrolle dreht sich um die Nöte eines jungen alleinerziehenden Vaters in Berlin, der sich nach dem plötzlichen Tod seiner Freundin allein um Baby Lene kümmert. Als Mama und Papa zugleich muss Metin zwischen dem Windeln wechseln, der anstrengenden Fürsorge von Freunden und seiner Mutter Zeit zum Trauern finden, zwischen Kitaplatzorganisieren und Arbeitengehen.

Auch die britische Serie „Fleabag“ ist eine „Sadcom“

Das Wort „Sadcom“ gibt es seit einigen Jahren, als Vorreiter gilt die amerikanische Serie „Louie“, als Höhepunkt gilt die britische Serie „Fleabag“ von und mit Phoebe Waller-Bridge. In Fachkreisen gilt das einprägsame Wort „Sadcom“ als PR-Erfindung, aber es lasse sich durchaus gut anwenden auf Dramedy-Serien, die sich komisch mit Trauer auseinandersetzen, wie es Timo Gößler formuliert, der in Potsdam Dozent für Dramaturgie und Serielles Erzählen an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf ist. Dazu zählen kann man auch die Trauer-Serie „After Life“ von und mit Ricky Gervais oder die deutsche Netflix-Serie „Das letzte Wort“ mit Anke Engelke als Witwe und Trauerrednerin.

Als „Dramedy“ bezeichnen Experten wie Gößler Produktionen, die ernste Inhalte mit Humor horizontal (also episodenübergreifend) erzählen. Dabei kann es um Suchterkrankungen, Depressionen oder andere schwere Themen gehen. Beispiele sind „Feel Good“ mit Mae Martin, „End of the fucking World“ mit Alex Lawther oder „The Mopes“ mit Nora Tschirner.

„Medical Dramas“ und „Period Dramas“

Fürs deutsche Fernsehen reichten lange Zeit wenige Genrebegriffe aus. Etwa Samstagabendshow, Quiz, Krimi, Familienserie, Soap, Mehrteiler oder Arzt- beziehungsweise Krankenhausserie – man denke an „Die Schwarzwaldklinik“, „Der Landarzt“, „Praxis Bülowbogen“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Doctor’s Diary“. International würde man Mediziner-Serien wie „Der Bergdoktor“, „In aller Freundschaft“ oder auch „Charité“ als Medical (oder Medical Drama) bezeichnen.

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Wobei die „Charité“-Mehrteiler über verschiedene Jahrzehnte auch als Historienserie durchgehen könnten, was international als „Period Drama“ bezeichnet wird. Damit sind Filme oder Serien gemeint, die in einer bestimmten Zeit (also historischen Periode) angesiedelt sind, um über diese geschichtliche Epoche Allgemeingültigeres zu erzählen. Große Period-Erfolge sind international zum Beispiel „Downton Abbey“, die Queen-Serie „The Crown“ oder auch „Bridgerton“.

In den vergangenen ungefähr 20 Jahren prägten Bewegtbildmacher auch Begriffe wie Castingshow, Reality-TV, Dokusoap, Factual Entertainment, Scripted Reality oder Infotainment. Die SWR-Show „Gottschalk feiert: Nochmal 18!“ mit Thomas Gottschalk und Promigästen nennt sich gar „Timetainment“.

In Anthologie-Serien hat jede Episode unterschiedliche Figuren, Handlung und Besetzung

Spätestens im Zeitalter der Streamingdienste sickern immer mehr differenzierende Begriffe in den allgemeinen Sprachgebrauch. Eine sogenannte Anthologie-Serie war schon „Alfred Hitchcock präsentiert“ in den 50ern und 60ern. Doch erst mit „Black Mirror“ oder „Love, Death & Robots“ lernten Millionen dieses Genre, bei dem jede Episode andere Figuren, Handlung und Besetzung hat, auch so zu benennen. Daneben gibt es auch Anthologie-Serien, bei denen Figuren, Handlung und Besetzung von Staffel zu Staffel wechseln - etwa „Fargo“, „True Detective“, „American Crime“, „American Horror Story“.

Eine „Mockumentary“ (fiktionale Doku, die das Genre Dokumentarfilm parodiert) waren schon deutsche Filme wie „Das Millionenspiel“ (1970) oder die WDR-Sendung „Smog“ (1973), doch erst seit ein paar Jahren wird das auch so chic englisch benannt. In Deutschland gab es etwa „Schorsch Aigner - Der Mann, der Franz Beckenbauer war“ mit Olli Dittrich, die Serie „Andere Eltern“ bei TNT Comedy oder die ARD-Produktion „How to Tatort“ über das neue Bremer „Tatort“-Team.

Das Genre Improvisationscomedy erlebte nach früheren Sendungen wie „Schillerstraße“, „Frei Schnauze“ oder auch „Genial daneben“ in diesem Jahr einen neuen Schub mit der deutschen Ausgabe des Ernstbleib-Formats „LOL - Last One Laughing“ bei Amazon Prime Video. Noch 2021 soll es eine zweite Staffel geben mit Michael „Bully“ Herbig, Anke Engelke und weiteren Stars.

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