Kultursommer Gengenbach eröffnet

Wenn Comedian Sebastian Lehmann mit den Eltern telefoniert

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 3 Minuten
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11. Juni 2019
rech und aufrüttelnd: Sebastian Lehmann beim Kultursommer Gengenbach.

rech und aufrüttelnd: Sebastian Lehmann beim Kultursommer Gengenbach. ©Regina de Rossi

Mit Selbstironie und trockenem Humor eröffnete Sebastian Lehmann am Freitagabend den 20. Kultursommer Gengenbach. Das Publikum in der Stadthalle am Nollen hatte viel Spaß beim Mithören seiner »Telefonate mit den Eltern«. 

Der Ü-Dreißiger in schwarzem Hemd, schwarzer Hose mit Tagesbart und unkonventionellem Haarschnitt wirkt tiefenentspannt, als er auf der Bühne hinter einem kleinen Tisch Platz nimmt. »Wie alle echten Berliner komme ich aus Süddeutschland«, beginnt er mit einer Kostprobe seines Humors. Neuere deutsche Literatur, Philosophie und Geschichte hat Sebastian Lehmann in Berlin studiert. Heute ist er Autor, Poetry Slammer, Kleinkünstler und wiederkehrender Gast bei SWR 3. 

Braves Elternpaar

Ein Werdegang, dem er in seinem Programm einem braven Elternpaar im beschaulichen Freiburg entgegenstellt. Wie um alles in der Welt sollen sie diesen jungen Mann verstehen? Dabei wollen sie es doch. Also telefoniert man. Regelmäßig. »Mit deinem Bruder hatten wir ja Glück«, sagt die  Mama. »Der arbeitet bei der Bank und verdient Geld«. Bestimmt ist er auch kein Vegetarier und teilt Papas Vorliebe für eine Ex­tra Portion Schinken in jedem Essen. 

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Ein Anruf. Der Sohn: »Gerade is schlecht! Ich koche.« Die Mutter: »Du kochst? Du bist doch ein Mann. Irgendwie jedenfalls.« Und schon entspannt sich ein Gespräch über Geschlechterrollen und Essgewohnheiten, in dem der Vater im Hintergrund kräftig mitmischt. Süßkartoffelgratin mit Fenchelpesto an Ingwersud kontra Bratkartoffel mit Schinken. Dialoge, zum Brüllen komisch. Dabei scheint die Kluft zwischen Jung und Alt nie größer gewesen zu sein als heute. Die Jungen wissen, wie man ein Smartphone bedient, die Drop-Box öffnet, um die Hochzeitsbilder des Cousins anzusehen, oder warum das Telefon immer knackt. 

Es entspinnst sich folgender Dialog: »Vielleicht werdet ihr abgehört« – »Quatsch, Sebastian verarsch mich nicht« – »Mama, Mütter sagen nicht verarscht« – »Da, es knackt wieder«. Nach einem ausführlichen Statement des Sohnes zur Abhörpraxis reicht es der Mama: »Gehen Sie aus der Leitung, oder ich rufe die Polizei!«, brüllt sie empört. Und Sebastian Lehmann hat die Lacher erneut auf seiner Seite. 

Sebastian Lehmann beschreibt mit unbändigem Witz, was rund um ihn herum geschieht. Er ruft zum Boykott festgefahrener Gesellschaftsnormen auf, frech und aufrüttelnd mit einer gesunden Portion Selbstironie. Das Publikum lacht Tränen über seinen trockenen Humor. 

Seine Pointen muss er gar nicht so weit herholen. Einmal einen Popsong wörtlich übersetzen oder einen deutschen Schlager ins Lateiniche übertragen und es entsteht Nonsens wie: »Jetzt schwimm ich wie ein Schmetterling!« Für den vergnüglichen Abend gibt es am Schluss anhaltenden Applaus. 

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