München

Wie die «Grablegung Christi» nach München kam

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
16. April 2019
«Die Grablegung Christi» von Dirk van Baburen (r) und Caravaggio (Mitte) und Nicolas Tournier (l) in München.

«Die Grablegung Christi» von Dirk van Baburen (r) und Caravaggio (Mitte) und Nicolas Tournier (l) in München. ©dpa - Sina Schuldt

Wenn berühmte Kunstwerke auf Reisen gehen, ist das aufwendig und teuer. Einen echten Botticelli in Luftpolsterfolie wickeln und ab die Post im Pappkarton? Unvorstellbar.

Wenn Museen und Sammler Schätze für eine Ausstellung rausrücken, dann in speziellen, klimatisierten Kisten, die vor Wasser, Feuer und Stößen schützen sollen. Ein Restrisiko bleibt und so geben manche Leihgeber ihre Werke nur ungern her. Auch «Die Grablegung Christi» von Caravaggio ist so ein Schatz. Dass das Ölgemälde aus den Vatikanischen Museen nun ab Mittwoch in München zu sehen ist, ist dem diplomatischen Geschick zu verdanken, mit dem die Alte Pinakothek und das Centraal Museum im niederländischen Utrecht die Exponate für die Ausstellung «Utrecht, Caravaggio und Europa» zusammengestellt haben, die nach Utrecht nun in München startet.

Spiel mit Schatten und Licht

Die Schau zeigt bis 21. Juli den Einfluss, den Caravaggio auf andere Maler ausübte, die Caravaggisten, vor allem auf die Niederländer Künstler Hendrick ter Brugghen, Gerard van Honthorst und Dirck van Baburen, die um um 1610 nach Rom kamen. Was sie begeisterte, war die Strahlkraft seiner Bilder, aber auch die Bewegung der Figuren, das aufregende Spiel mit Schatten und Licht. Eine Technik, die sie in ihren Gemälden mit ganz eigenem Stil verfeinerten.

- Anzeige -

Höhepunkt ist «Die Grablegung Christi», die ab Ende vergangenen Jahres schon in Utrecht zu sehen war. Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610) hatte das Bildnis 1602 und 1603 für die Familienkapelle von Girolamo Vittrice in der Chiesa Nuova in Rom gemalt - nach Ansicht von Zeitgenossen sein allerbestes Werk, wie damals der Künstlerbiograf und Malerkollege Giovanni Baglione notierte.

In Deutschland war das Kunstwerk laut Pinakothek noch nie zu sehen. Doch wie überredet man den Vatikan? Auf jeden Fall nicht mit einem simplen Leihgesuch. Das hätte wohl ein klares Nein zur Folge gehabt, vermutet Kurator Bernd Ebert. Stattdessen war Diplomatie gefragt: «Wann platziert man welches Gesuch und wo?». Und Segen von oben: Die Museen wandten sich an ihre Kardinäle, den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und den Erzbischof von Utrecht, Willem Jacobus Eijk. Sie legten im Vatikan ein gutes Wort ein, ebenso wie die deutsche und die niederländische Botschaften am Heiligen Stuhl.

Nur für vier Wochen

Am Ende gab es die Zusage - wenn auch nur für jeweils vier Wochen. «Die Grablegung Christi» ist nur bis zum 19. Mai zu sehen, die anderen Bilder bis zum 21. Juli. Doch auch wenn das kostbare Gemälde bereits wieder mit Polizeieskorte nach Rom begleitet wurde, ist die Schau immer noch sehenswert. Es gibt Werke von Nicolas Régnier, Gentileschi oder Simon Vouet. Und noch mehr von Caravaggio, unter anderem die «Wahrsagerin», ebenfalls hochbegehrt, wie Ebert erklärte. Pro Woche bekämen die Kapitolinischen Museen dafür sechs Leihanfragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 24.05.2019
    Biberach
    Mit zwei Kandidaten tritt die Alternative für Deutschland (AfD) am 26. Mai bei den Gemeinderatswahlen in Biberach an.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Sophia Thiel hat viel Druck verspürt.
24.05.2019
Hamburg
Die Influencerin Sophia Thiel (24, «Fit & stark mit Sophia») hat in einem ausführlichen Video ihren Fans erklärt, warum sie sich aus Social-Media-Kanälen zurückgezogen hat.
Kunstwerk als Plädoyer für ein vereintes friedvolles Europa: Alina Atlantis vor ihrem Gemälde »Vision Europa«.
24.05.2019
Großgemälde in Achern vorgestellt
In dem Bild sollen sich alle Europäer wiederfinden. Ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Ängste und ihre Visionen hat die Künstlerin Alina Atlantis auf 40 Quadratmetern festgehalten. Am Mittwochabend wurde das Werk im alten Josefssaal in Achern enthüllt.
Die Schriftstellerin Judith Kerr wurde 95 Jahre alt.
23.05.2019
Kultur
London (dpa) Judith Kerr ist tot. Die berühmte Kinderbuchautorin und Illustratorin sei im Alter von 95 Jahren gestorben, teilte ihr Verlag in Großbritannien, Harper Collins, mit.
Briefe von Leonard Cohen an Marianne Ihlen.
23.05.2019
New York
Zweieinhalb Jahre nach dem Tod von Leonard Cohen (1934-2016) werden in New York mehr als 50 Briefe des kanadischen Sängers und Songpoeten an seine Muse Marianne Ihlen versteigert.
Ein Kreuzfahrtschiff in Venedig.
23.05.2019
Kultur
Venedig (dpa) - Hat sich einer der berühmtesten zeitgenössischen Künstler heimlich zur Biennale von Venedig geschlichen - und niemand hat es gemerkt?
Wurden mit viel Beifall empfangen: Die Bamberger Symphoniker mit ihrem Chefdirigenten Jakub Hruša (Mitte).
23.05.2019
Smetana im Festspielhaus Baden-Baden
Der Zyklus »Mein Vaterland« von Bedrich Smetana ist ein nationaler Schatz der Tschechen. Die Bamberger Symphoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrša präsentierten am Samstagabend alle sechs Sinfonien des Komponisten im Festspielhaus Baden-Baden. 
Dietrich Mack.
23.05.2019
Kulturkolumne
Vom Himmel kommt Segen und Regen, aber manchmal auch Sturm und Unwetter. Das relativiert ein wenig das Liedchen der Nachtigall im »Zigeunerbaron«, die Liebe sei eine Himmelsmacht. Auch die Musik wird gerne als Himmelsmacht beschrieben mit bekannten, aber auch unbekannten Wirkungen.
Binyavanga Wainaina ist tot.
22.05.2019
Nairobi
Kenias preisgekrönter Schriftsteller Binyavanga Wainaina ist im Alter von 48 Jahren gestorben. Der Autor ist vor allem für sein satirisches Essay «How To Write About Africa» («Wie man über Afrika schreibt») bekannt, in dem er klischeehafte Erzählungen über den Kontinent kritisierte.
Siri Hustvedt wird mit dem Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur ausgezeichnet.
22.05.2019
Oviedo
Die amerikanische Schriftstellerin und Essayistin Siri Hustvedt wird in diesem Jahr mit dem renommierten spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur ausgezeichnet.
Jokha Alharthi (l) teilt sich den Preis mit ihrer Übersetzerin Marilyn Booth.
22.05.2019
London
Der renommierte Literaturpreis Man Booker International geht in diesem Jahr erstmals an eine Schriftstellerin, die auf Arabisch schreibt.
Jürgen Kieser ist tot.
22.05.2019
Neu Zittau
Zwei freche Mäuse waren sein Hauptwerk: Jürgen Kieser, Schöpfer der DDR-Comicfiguren Fix und Fax, ist tot. Er starb bereits am Montag im Alter von 97 Jahren im Kreis seiner Familie, wie ein Sprecher des Mosaik Steinchen für Steinchen Verlags am Dienstagabend sagte.
Leonardo DiCaprio und Brad Pitt sorgen in Cannes für Begeisterung.
22.05.2019
Cannes
Wenn der Jubel vor Filmbeginn ein Gradmesser wäre, dann hätte Quentin Tarantino die Goldene Palme beim Filmfest Cannes sicher.