Interview mit dem Maler Olaf Hajek

Zwischen Opulenz und Minimalismus

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 7 Minuten
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21. September 2020

(Bild 1/2) Das Museum Haus Löwenberg widmet einen Raum dem Künstler Olaf Hajek mit den BIldern zu dessen Kinderbuch und den Meißner Vasen, für die er das Design entworfen hat. ©Iris Rothe

„Blüten und Früchte“ im Haus Löwenberg in Gengenbach: Olaf Hajek stellt sein neues Buch vor. Im Gespräch erzählt der Künstler von seinem Werdegang und seiner Kunst. 

In Gengenbach dreht sich derzeit alles um „Blüten und Früchte“. Und wer die Ausstellungen im Haus Löwenberg kennt, weiß, dass Museumschef Reinhard End ein Händchen für Details hat und das gewisse Etwas. So geht es bei „Blüten und Früchte“ auch um den berühmten Apfel und das Paradies. Ein Raum ist dem Maler Olaf Hajek gewidmet, der in Gengenbach sein neues Bilderbuch „Olaf Hajeks Buch der Blumen“ mit Texten von Christine Paxmann vorstellt. Ein Kinder-Sachbuch für die ganze Familie. Ein weiterer Clou: die fünf Vasen, die Hajek mit der und für die Porzellanmanufaktur Meißen gestaltet hat. Sie sind hier erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen.

Neugierfrage: Warum haben Sie nach dem Studium Deutschland verlassen? Kein guter Ort für Illustratoren, oder war es Abenteuerlust?
Nach dem Studium in Düsseldorf hatte ich erst mal die Nase voll. Ich wollte gerne weg. Berlin war damals noch nicht der richtige Ort. Also Amsterdam. Das hat mir sehr geholfen, da ich mich neu erfinden musste. Die fremde Umgebung hat geholfen, mich noch einmal auf etwas ganz Eigenes zu konzentrieren. Selbstständigkeit und kreative Entwicklung, der Sprung ins kalte Wasser. 

Was hat Ihnen gefehlt?
Das Studium war in der Illustration nicht so stark, mehr werbetechnisch, typografisch. In Bezug auf das Thema Illustration bin ich sozusagen ein „self taught artist“. Ich habe das selber forciert. Und ja, Deutschland war noch kein Ort für Illustration, allerdings habe ich immer ins Angelsächsische geschielt, wollte dort auch Zuhause sein. 

Wenn man als Illustrator arbeitet, wie viel Freiheit hat der Künstler dann bei der Arbeit. Und wenn der Künstler arbeitet, wo bleibt dann der Illustrator?
Illustration ist es nicht mehr, ich bin der Künstler, der illustriert, ich bin kein Dienstleister. Wenn ich als Künstler illustrieren darf, ist das prima, aber ich will mir nicht sagen lassen, das und das musst du machen. In Deutschland war das immer Thema, aber das hat sich Gott sei Dank gelegt. Ich habe schon früh angefangen für Galerien zu arbeiten, damit ich mich in meiner freien Arbeit entwickeln kann. Das hilft mir auch, in der Illustration weiterzukommen. Ich möchte die Unterschiede aber nicht mehr zeigen wollen, für mich war es wichtig, die Grenze zu überschreiten. Das zeigt auch die Ausstellung.

Dann kommen wir zur Ausstellung und dem Buch.
Der Verlag hat mir das Thema Heilpflanzen angeboten und ich habe gesagt, ich möchte da ganz frei rangehen. Eigentlich sollte es ein wissenschaftliches Buch zum Thema Bäume werden. Das war mir zu grün und wissenschaftlich. Ich wollte Spaß haben, gerne die Pflanze zeigen, aber die Geschichte drum herum sollte was Spannendes sein. Nicht das klassische Kinderbuch, sondern mit Rätseln. Kinder entdecken viel. Für mich war wichtig, dass ich ganz frei arbeiten darf, habe mich ohne Konzept von einer Blume zur anderen vorgearbeitet. Das ist ein Spaß geworden, und das ist wohl auch der Erfolg dieses Buches.

Kommt ein neues Kinderbuch?
Ja, jetzt mit Gemüse. Das hat mir auch Spaß gemacht, es hat viel frei gesetzt, weil es schwieriger war zu malen, weil die Formen nicht so schön, so ästhetisch sind. Da wollte ich was Neues entstehen lassen, eine sphärische Atmosphäre.

Eigentlich wollte ich fragen, ob Sie sich Ihre Auftraggeber danach aussuchen, wieviel Freiheit man Ihnen lässt?
Freiheit entsteht aus dem Stil, die Anfragen kommen dann aus diesem Grunde, weil man meinen Stil kennt.

Wo wohnen Ihre größten Fans? Können Sie das so sagen? Viele Künstler erzählen von der unterschiedlichen Rezeption ihrer Arbeiten, ihrer Musik.
Da ich international arbeite, ist es ganz interessant mir selber zu erklären, woher kommt dieser Erfolg, die Affinität und Wertschätzung. Ich kann das schlecht erklären. Vielleicht, weil ich versucht habe, eine Art von überragender Kultur zu kreieren, die sich aus allen Kulturen zusammensetzt. Ich habe für afroamerikanische Magazine gearbeitet und die dachten, ich sei ein schwarzer Illustrator. Ich habe in Afrika, USA, Asien gearbeitet, in Brasilien, von meinen Bildern wurden Filme für Telenovelas gemacht. Vielleicht ist das das Geheimnis, dass ich sozusagen einen Überblick habe. Es gibt eine universelle Sprache, die habe ich vielleicht. Ich gestalte immer eine gewisse Art von Atmosphäre, die Sympathie verbinden kann. 

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Hat sich das entwickelt oder haben Sie schon immer so empfunden?
Auch als Jugendlicher wollte ich nicht so deutsch sein, habe mich mit fremden Kulturen beschäftigt, folkloristischer und primitiver Kunst, habe mich mit einfachen Dingen befasst, die für mich Kraft hatten. Da ist eine universale Ästhetik – bin ja kein Realist –, die Offenheit meiner Arbeiten.

Wie Sie selber sagen, ist Ihr Stil eine Mischung aus Renaissance-Malerei und Folklore, farbenfroh und opulent. Antwort auf die Hässlichkeit der Realität? 
Nicht bewusst Antwort auf Hässlichkeit, aber auch eine Suche nach Schönheit. Das ist meine eigene Ästhetik. Ich glaube aber, dass meine Bilder auch etwas Dunkles haben; gewisse Dinge, die ich da verstecke und auf mehreren Ebenen zeige. Ich glaube auch, dass sie auf den zweiten Blick wirken, denn es sind nicht nur pure Schönheitsideale. Das ist der  Unterschied zwischen Kinderbuch und freier Malerei. Ich versuche, das Opulente einzudämmen, indem ich es etwa mit Minimalismus verbinde. Strenge ist mir auch wichtig in der Komposition. Meine Bilder sind klar aufgeteilt, ich brauche den Minimalismus und das Opulente, diese Ordnung, und die Harmonie. 

Einige Bilder in der Ausstellung erinnern an holländische Malerei wie die Tulpen etwa aus den berühmten Stillleben.
Ja, ich bin durch die holländische Malerei geprägt, den Realismus, die Einfachheit der fehlenden Perspektive. Die Liebe zum Detail hat mich immer fasziniert, hat meine Ästhetik geprägt. Deswegen setze ich auch naive einfache Formen neben opulent realistisch-dreidimensionale; zweidimensionale Figuren neben ausgearbeiteten Blumen. Die Muster sind wie eine Kulisse, die Bilder wie ein Bühnenbild, eine Inszenierung.

Das Theater inspiriert Sie?
Ich hatte eine Ausstellung „Paravent“ in Afrika mit Szenen wie eine eigene Welt, eine Inszenierung. Die Bühne, das ist faszinierend; Theater ist für mich auch Minimalismus – konzentriert auf diesen Moment der Bühne. Das ist ein schöner Gedanke für Bilder, man beobachtet etwas wie durch einen Guckkasten. Das habe ich auch in dem Bilderbuch gedacht; auch bei dem neuen Buch.

Haben Sie Lieblingsformen, etwas, das Sie besonders gerne malen?
Die Verbindung zwischen Flora und Fauna und Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, besonders die Verbindung. 

Und wie sieht es mit Einflüssen aus – abgesehen von der Folklore, den Märchen, dem Mythischen. Surrealisten, Expressionisten, Frida Kahlo?
Nicht beeinflusst, aber ich mag die Bilder von Frida Kahlo. Illustration ist ja immer auch etwas interpretierend und soll für sich selbst stehen – deshalb ist sie auch immer ein Rätsel. Das Surreale ist rätselhaft, man will interpretieren. Das Bild soll weiterführen im Gedankengang wie bei den Porträts der Denker: Da wächst etwas aus den Köpfen, es können Gedanken sein, die fliegen, Omen, Rätsel.

„Olaf Hajeks Buch der Blumen“ ist ja nicht das erste Kinderbuch, Sie haben auch ein Buch zu Yoga für Kinder illustriert…
Ich bin nicht der klassische Kinderbuchmaler. Ich hatte viel künstlerische Freiheit, Spaß und kann mir vorstellen, weiter so etwas zu machen. 

Hier im Haus Löwenberg hängen lauter Originale. Sie arbeiten grundsätzlich mit Farbe und Pinsel, nicht am Computer?
Ich brauche das Gefühl der Handarbeit, die originale Malerei ist ein wichtiges Medium, ohne das möchte ich das auch nicht machen. Ich bin Handwerker. Man hat was geschafft – das ist ein Gefühl, das ich brauche.

Im Museum stehen auch fünf Vasen aus Meißen – was ist die Geschichte dazu?
Ich bin gefragt worden, ob ich Entwürfe für Vasen machen könnte. Das war für mich eine fantastische Erfahrung, dass ich von Meißen gefragt wurde. Das wollte ich unbedingt machen. Ich sehe sie jetzt auch zum ersten Mal, sie sind ja gerade angekommen. 

Info

Termin

Die Ausstellung „Blüten und Früchte“ im Haus Löwenberg ist bis 6. Januar geöffnet und zeigt Arbeiten mehrerer Künstler zum Thema.„Olaf Hajeks Buch der Blumen“, mit Bildern von Olaf Hajek und Texte von Christine Paxmann; Prestel Verlag, März 2020, 22 Euro.
Info: www.museum-haus-loewenberg.de
 

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