Anklage gegen 80-Jährigen

Acherner Amtsgericht zweifel am Tathergang

Autor: 
Sascha Bäuerle
Lesezeit 2 Minuten
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26. September 2018

©Archivfoto

Die Staatsanwaltschaft hat einen 80-jährigen Pensionär am Dienstag in Achern wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Verletzungen des Geschädigten lassen am Tathergang zweifeln. Das Urteil fällt aber milde aus.

Ein 80-jähriger Pensionär aus Bremen wurde am Dienstag in Achern wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Laut Anklageschrift des Staatsanwalts Matthias Dietrich kam es im Mai zu einem Streit zwischen dem angeklagten Vermieter und seinem ehemaligen Mieter bei einer obligatorischen Wohnungsbesichtigung in Achern.

Bereits während des dreijährigen Mietverhältnisses beider Parteien habe es Streitigkeiten wegen Sachmängeln in der Wohnung gegeben. Aufgrund eines angeblich defekten Wasserboilers eskalierte die Auseinandersetzung zwischen beiden Männern.

Der Angeklagte habe dem jungen Mann mit einem Klemmbrett auf den Kopf geschlagen. »Durch zwei Schläge auf meinen Kopf erlitt ich Kopfschmerzen und Rötungen am rechten Auge«, sagte der 27-Jährige aus dem Kreis Rastatt. Zuvor habe ihm der Angeklagte Wasser aus dem Boiler ins Gesicht gespritzt, um ihm dessen Funktionstüchtigkeit zu beweisen. 

Streit beschwichtigt

Der angeklagte Pensionär gab an, dass der Geschädigte auf ihn zugesprungen sei, woraufhin er das Klemmbrett zur Abwehr genutzt habe. Laut Aussage des Geschädigten habe seine Lebensgefährtin den Streit beschwichtigt. Daraufhin seien er und die Augenzeugin aus der Wohnung gelaufen, riefen die Polizei und gingen aufgrund der Verletzungen ins Krankenhaus. 

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Auf Nachfrage von Staatsanwalt Dietrich, warum bei der ärztlichen Untersuchung an beiden Augen Rötungen festgestellt wurden, hatte der junge Mann keine Erklärungen. »Vielleicht hat sich die Brille in beide Augen gedrückt«, sagte die Lebensgefährtin des Geschädigten. 

Der Verteidiger des Angeklagten, Bernd Reichert, fragte die Zeugin, wieso sie bei der Polizei nicht angab, dass der Pensionär ihrem Lebensgefährten zuvor Wasser ins Gesicht gespritzt habe. Als Grund nannte die 31-jährige  Altenpflegerin ihre Aufregung nach der Tat. Für Rechtsanwalt Reichert war es außerdem fraglich, wie der körperlich eingeschränkte Pensionär dem jungen Mann solche Verletzungen zufügen konnte und dessen Brille keinen Schaden davontrug. 

Zweifel an Verletzungen

In seinem Plädoyer hatte der Staatsanwalt Zweifel an den Auswirkungen der Schläge durch das aus Hartplastik bestehende Klemmbrett. Für ihn sei der Vorfall eine einfache Körperverletzung. Der Angeklagte trage eine Mitschuld, die so gering sei, dass das Verfahren ohne Geldauflage eingestellt werden könne. 

Nach einer Beratung mit seinem Klienten schloss sich Rechtsanwalt Reichert dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Auch Richter Thomas Röber stimmte diesem Strafmaß in der Urteilsverkündung zu, obwohl er zunächst über eine Mitschuld mit einer Geldauflage nachgedacht habe.  

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