Neue Institution

Acherner Trauercafé hat Arbeit aufgenommen

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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28. September 2021
Trauerbegleiterinnen heißen die Gäste im Trauercafé im evangelischen Gemeindehaus in Achern willkommen (von links): Christine Heim, Isabelle Opfermann, Christiane Bohnert und Judith Wiegert.

Trauerbegleiterinnen heißen die Gäste im Trauercafé im evangelischen Gemeindehaus in Achern willkommen (von links): Christine Heim, Isabelle Opfermann, Christiane Bohnert und Judith Wiegert. ©Michaela Gabriel

In einem speziell eingerichteten Trauercafé kommen regelmäßig Menschen zusammen, um über ihren Verlust zu sprechen.

Um zwei Tische im Gemeindehaus sitzen elf Frauen und Männer. Vor jedem steht eine Kaffeetasse, vor einigen ein Teller mit Krümeln. Was wie ein Kuchennachmittag aussieht, ist in Wirklichkeit ein Trauercafé. Doch auch wenn hier über Verstorbene, ihr Sterben und die Zeit ohne sie gesprochen wird, erklingt immer mal wieder ein befreites Lachen.

„Ich finde es ungerecht, dass mein Mann nicht mehr da ist. Wir wollten so gerne noch ein paar Jahre zusammen haben”, sagt eine Frau. Ihr Mann habe vorgesorgt, sich sein Grab selbst ausgesucht. Die Dame, die ihr gegenüber sitzt, ist jünger. „Ich konnte meinen Mann nicht fragen, wie er beerdigt werden wollte”, sagt sie. Auch der Mann einer dritten Witwe am Tisch habe während seiner Krankheit nie über seine Beerdigung sprechen wollen, wie sie sagt.

Mit einem Seufzer spricht es eine von ihnen aus: „Mein Gott, es muss ja weitergehen.” Doch das sei alles andere als leicht. Nachdem sie wochenlang jeden Tag zu ihrem Mann in eine Klinik nach Freiburg gefahren sei, hocke sie jetzt meistens allein daheim. Ein Witwer am Tisch bedauert, dass er nicht gut kochen könne, denn das habe immer seine Frau gemacht. Sie und die gemeinsamen Mahlzeiten fehlen ihm.

Das neue Trauercafé des ökumenischen Hospizdienstes Achern-Achertal sei eine der seltenen Gelegenheiten, mit Menschen zu reden, die ebenfalls trauern, sind sich die Gäste einig. Mit den eigenen Kindern falle das schwer.

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Im Trauercafé können viele Sätze ausgesprochen werden, ohne dass ein Außenstehender davon erfährt. „Es tut mir sehr gut hier. Mir sind auch die Tränen gekommen. Daheim kann ich nicht weinen und meinen Bekannten will ich die Gefühle nicht zumuten”, macht eine Dame in der Schlussrunde deutlich. Und das Beste sei, so sagt es eine Frau: „Wir konnten auch mal lachen zusammen und haben nicht nur Trauriges beredet.”

Aus der ganzen Region

Acht bis zwölf Trauernde aus der Region von Renchen bis Bühlertal kamen zu den ersten Terminen des neuen Trauercafés im evangelischen Gemeindehaus in Achern. Mindestens drei Trauerbegleiter heißen sie dort willkommen. Kaffee, kalte Getränke und Kuchen sind umsonst, die Teilnahme ist spontan möglich und kostet nichts.„Hier erfahren die Menschen, dass es normal ist, jemanden auch noch nach Jahren schrecklich zu vermissen”, erklärt die erfahrene Trauerbegleiterin Isabelle Opfermann. Das sei für viele befreiend, die von ihrer Umwelt vermittelt bekämen, dass nach einem Jahr alles wieder normal laufen müsste.

Christine Heim aus Önsbach absolviert gerade eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin, die vom Hospizdienst Achern-Achertal finanziert wird. Nach zwei intensiven Wochenenden habe sich ihre Einstellung zum Tod bereits verändert. Sie habe auch gespürt, dass sie die Trauer um ihre eigene Mutter nicht gelebt, sondern eher verdrängt habe.

◼ Das offene Trauercafé in Achern findet an jedem vierten Samstag im Monat um 14.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in der Martinstraße 9 statt. Über weitere Angebote für Trauernde wie das Trauerwandern informiert Judith Wiegert vom Hospizdienst Achern-Achertal unter • 0 78 41/2 13 91 oder www.hospizdienst-achern.de.

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