Achern

Acherns Christen haben Angst: »Die Gemeinden vereinsamen«

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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06. November 2016

Zwei Kilo Papier voller Unterschriften auf einer CD: Annette Bartsch, Wolfram Fischer, Klaus Huber und Hubert Allgeier (von links) schicken ihre Petition nun an Papst Franziskus, Erzbischof Stephan Burger und Kardinal Marx. ©Michaela Gabriel

4251 Unterschriften für eine Abschaffung der verpflichtenden Ehelosigkeit für katholische Priester sind es geworden: So viele Unterstützer hat eine Acherner Initiativgruppe mit ihrer Petition gegen den Pflichtzölibat innerhalb von sechs Wochen bekommen.

2150 Männer und Frauen unterschrieben in der Region persönlich, weitere 2101 gaben im Internet ihre Stimme für die Eingabe an Entscheidungsträger in der katholischen Kirche ab.
Zwei Kilogramm Papier
Der zwei Kilogramm schwere Stapel Papier geht heute zur Post, allerdings in Form einer handlichen CD mit Begleitbrief. Wichtige Vertreter der katholischen Kirche sollen noch diese Woche davon erfahren, was viele Katholiken an der Basis bewegt: Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stephan Burger und Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Darüber hinaus geht der Brief aus Achern nach Rom zu Seiner Heiligkeit Papst Franziskus.
Mut ist gefordert
»Wir verstehen diese Petition als Meinungsäußerung vieler Christen, die sich um den Glauben und die Zukunft der Kirche Gedanken machen«, steht in dem Brief. Er ist verbunden mit der Bitte, die Äußerungen ernst zu nehmen, die formulierten Überlegungen zu diskutieren und zu berücksichtigen. Das haben Annette Bartsch, Klaus Huber, Wolfram Fischer und Hubert Allgeier als kirchlich engagierte Laien am Freitag gemeinsam unterzeichnet. 
Wer zum Priesteramt berufen ist, soll seine Lebensform selbst wählen dürfen, ist das erste Anliegen der Gruppe. »Priester, die den Zölibat nicht mehr leben können, sollen nicht mehr aus dem Amt scheiden«, so Klaus Huber: »Und wie viele wären Priester geworden, wenn dieses Kirchengesetz nicht wäre? Wir hoffen, dass endlich jemand Mut fasst und die Verpflichtung zum Zölibat, die Jesus nie gefordert hat, abschafft.« »Die Gemeinden vereinsamen und veröden, wenn noch mehr Priester weggehen oder sich nicht mehr für den Beruf entscheiden können«, befürchtet Annette Bartsch.
Nur noch 58 Neupriester
Die Zahl der Neupriester in Deutschland sei 2015 auf einen absoluten Tiefststand von nur noch 58 gefallen. »Wir haben allein in unserem Dekanat in den letzten 20 Jahren fünf Kleriker verloren. Es waren bewährte, anerkannte Männer, die erfolgreich gewirkt haben«, daran erinnert Hubert Allgeier. Darüber hinaus wird in der Petition darauf hingewirkt, dass die Seelsorgeeinheiten kleiner werden und Frauen und Männer Gemeindeleiter sein können.
Ob aus dem Apostolischen Palast ein unterschriebener Rückschein kommen wird? Darauf ist die Acherner Initiative gespannt. Dass sie selbst noch erleben werden, wenn sich in ihrer Kirche etwas Bahnbrechendes ändert, glauben nicht alle. »Aber wenn wir Rückmeldungen bekommen, geben wir das natürlich an die Öffentlichkeit weiter«, sagen sie zu. 
Dass die Initiative der katholischen Laien und mehr als 4200 Unterschriften auf jeden Fall Sinn machen, lässt sich aus den Schilderungen des ehemaligen Priesters Guido Sauer ablesen (Internetsuche: Christ in der Gegenwart, Ich war einmal Priester).

Stichwort

Petition im Fernsehen

In der Sendung »Landesschau« des Südwestfernsehens wurde am Freitagabend über die Unterschriftensammlung gegen den Pflichtzölibat berichtet. Der Beitrag stand unter der Überschrift »Heirat als Jobkiller«. Zu sehen war der ehemalige Pfarrer Bernhard Frey. Er wirkte von 1981 bis 1991 in der Pfarrei Renchen-Ulm, bevor er mit 42 Jahren wegen der Beziehung zu seiner heutigen Frau seinen Beruf aufgeben musste. Inzwischen ist er 20 Jahre verheiratet, Vater von zwei Kindern und Altenpfleger. Er hat sich nie in den Laienstand versetzen lassen, weil er auch als verheirateter Mann die priesterliche Berufung spürt und gern leben würde – was ihm jedoch kirchenrechtlich verboten ist. Der Fernsehbeitrag mit Zitaten und Bildern der Acherner Initiativgruppe ist im Internet abrufbar unter www.swrmediathek.de (Suche: »Zölibat«).  

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