Acherns OB will Naziopfer Julius Hirsch eine Straße widmen

Julius Hirsch war ein Fußball-Nationalspieler, der in der Illenau geboren wurde. Weil er Jude war, brachten ihn die Nazis in Auschwitz um. ©Archivfoto
Während die Fußballwelt dem WM-Finale in Russland entgegenfiebert, will Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach eine Straße in den Illenau-Wiesen nach dem früheren deutschen Fußballnationalspieler Julius Hirsch benennen. Der Impuls dazu stammt aber nicht von ihm.
Das Acherner Stadtoberhaupt greift die Idee von Richard Busam aus Oberachern auf, eine Straße in dem noch zu entwickelnden Neubaugebiet Illenau-Wiesen nach dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch zu benennen. Das Konzept für die Illenau-Wiesen ist verwaltungsintern erarbeitet und soll dem Gemeinderat direkt nach den Sommerferien präsentiert werden, hatte Muttach in der Bau- und Umweltausschusssitzung am Montag angekündigt.
Mutter war in Illenau
Wer war Julius Hirsch? Dazu schreibt die Stadtverwaltung: Am 10. Oktober 1891 wurde Emma Hirsch, die Mutter von Julius Hirsch ausweislich der Patientenakte der Heilanstalt Illenau nach »vielen häuslichen deprimierenden Ereignissen, Todesfällen und Krankheiten« in der Pflegeanstalt Illenau aufgenommen. Am 7. April 1892 wurde Julius Hirsch in der Illenau geboren. Am 27. November 1893 schrieb der Ehemann von Emma Hirsch und Vater von Julius Hirsch, Berthold Hirsch, an die »Direktion der Großherzoglichen Badischen Heil– und Pflegeanstalt Illenau«: »… habe ich die Ehre Ihnen hiermit die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass es meiner lieben Frau sehr gut geht. Die häusliche Arbeit, die Umgebung und die nach Kräften genossene Schonung, auch der tägliche Aufenthalt in freier Luft, hat dazu beigetragen, dass jetzt meine liebe Frau wieder vollständig gesund ist, wofür ich dem lieben Gott nicht genug danken kann.«
1911 Debüt gegen Ungarn
Julius Hirsch machte eine steile Karriere und wurde 1910 mit dem Karlsruher FV Deutscher Fußballmeister sowie dreimal in Folge Süddeutscher Meister. 1911 debütierte Hirsch als Nationalspieler gegen die Auswahl Ungarns, in seinem zweiten Länderspiel erzielte er beim 5:5 gegen die Niederlande vier Tore.
Noch im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat, wurde aber dann im Dritten Reich Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. 1933 wurde er als Jude aus dem Karlsruher FV ausgeschlossen, später zur Zwangsarbeit verpflichtet. Infolge der sich dramatisch verändernden Lebensumstände erkrankte Julius Hirsch seelisch schwer, überlebte einen Selbstmordversuch und wird am 5. Mai 1939 in die Illenau eingeliefert. Die hatte sich zwischenzeitlich von ihren ursprünglichen humanitären Ansprüchen weit verabschiedet. Julius Hirsch unternahm einen Fluchtversuch als Ausdruck der Unzufriedenheit mit seinem Aufenthalt in der Illenau und der Sehnsucht nach seiner Familie. 1943 wurde Julius Hirsch nach Auschwitz-Birkenau deportiert, seine beiden Kinder Heinold und Esther kamen später in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie durch die Rote Armee am 7. Mai 1945 gerettet wurden.
Schrecklicher Wandel
Am Beispiel der Familie Hirsch verdeutlicht sich, sagte Oberbürgermeister Muttach, wie katastrophal sich eine verändernde Weltanschauung auch in der Illenau vom segensreichen Wirken an der Mutter von Julius Hirsch zur todbringenden Menschenverachtung wandelte.
Mit der Benennung eines Straßennamens in den Ilenau-Wiesen soll dieser dramatischen Veränderung am Beispiel des in der Illenau geborenen prominenten Fußballers gedacht werden. Die Stadt Achern könne sich damit auch der Würdigung des Deutschen Fußballbundes anschließen, der den Julius-Hirsch-Preis ins Leben rief und mit dem besonderer Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ausgezeichnet wird.















