Illenauer in Auschwitz ermordet

Acherns OB will Naziopfer Julius Hirsch eine Straße widmen

red/hei
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. July 2018

Julius Hirsch war ein Fußball-Nationalspieler, der in der Illenau geboren wurde. Weil er Jude war, brachten ihn die Nazis in Auschwitz um. ©Archivfoto

Während die Fußballwelt dem WM-Finale in Russland entgegenfiebert, will Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach eine Straße in den Illenau-Wiesen nach dem früheren deutschen Fußballnationalspieler Julius Hirsch benennen. Der Impuls dazu stammt aber nicht von ihm.

Das Acherner Stadtoberhaupt greift die Idee von Richard Busam aus Oberachern auf, eine Straße in dem noch zu entwickelnden Neubaugebiet Illenau-Wiesen nach dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch zu benennen. Das Konzept für die Illenau-Wiesen ist verwaltungsintern erarbeitet und soll dem Gemeinderat direkt nach den Sommerferien präsentiert werden, hatte Muttach in der Bau- und Umweltausschusssitzung am Montag angekündigt.

Mutter war in Illenau

Wer war Julius Hirsch? Dazu schreibt die Stadtverwaltung: Am 10. Oktober 1891 wurde Emma Hirsch, die Mutter von Julius Hirsch ausweislich der Patientenakte der Heilanstalt Illenau nach »vielen häuslichen deprimierenden Ereignissen, Todesfällen und Krankheiten« in der Pflegeanstalt Illenau aufgenommen. Am 7. April 1892 wurde Julius Hirsch in der Illenau geboren. Am 27. November 1893 schrieb der Ehemann von Emma Hirsch und Vater von Julius Hirsch, Berthold Hirsch, an die »Direktion der Großherzoglichen Badischen Heil– und Pflegeanstalt Illenau«: »… habe ich die Ehre Ihnen hiermit die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass es meiner lieben Frau sehr gut geht. Die häusliche Arbeit, die Umgebung und die nach Kräften genossene Schonung, auch der tägliche Aufenthalt in freier Luft, hat dazu beigetragen, dass jetzt meine liebe Frau wieder vollständig gesund ist, wofür ich dem lieben Gott nicht genug danken kann.« 

1911 Debüt gegen Ungarn

Julius Hirsch machte eine steile Karriere und wurde 1910 mit dem Karlsruher FV Deutscher Fußballmeister sowie dreimal in Folge Süddeutscher Meister. 1911 debütierte Hirsch als Nationalspieler gegen die Auswahl Ungarns, in seinem zweiten Länderspiel erzielte er beim 5:5 gegen die Niederlande vier Tore.

Noch im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat, wurde aber dann im Dritten Reich Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. 1933 wurde er als Jude aus dem Karlsruher FV ausgeschlossen, später zur Zwangsarbeit verpflichtet. Infolge der sich dramatisch verändernden Lebensumstände erkrankte Julius Hirsch seelisch schwer, überlebte einen Selbstmordversuch und wird am 5. Mai 1939 in die Illenau eingeliefert. Die hatte sich zwischenzeitlich von ihren ursprünglichen humanitären Ansprüchen weit verabschiedet. Julius Hirsch unternahm einen Fluchtversuch als Ausdruck der Unzufriedenheit mit seinem Aufenthalt in der Illenau und der Sehnsucht nach seiner Familie. 1943 wurde Julius Hirsch nach Auschwitz-Birkenau deportiert, seine beiden Kinder Heinold und Esther kamen später in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie durch die Rote Armee am 7. Mai 1945 gerettet wurden.

Schrecklicher Wandel

Am Beispiel der Familie Hirsch verdeutlicht sich, sagte Oberbürgermeister Muttach, wie katastrophal sich eine verändernde Weltanschauung auch in der Illenau vom segensreichen Wirken an der Mutter von Julius Hirsch zur todbringenden Menschenverachtung wandelte.

Mit der Benennung eines Straßennamens in den Ilenau-Wiesen soll dieser dramatischen Veränderung am Beispiel des in der Illenau geborenen prominenten Fußballers gedacht werden. Die Stadt Achern könne sich damit auch der Würdigung des Deutschen Fußballbundes anschließen, der den Julius-Hirsch-Preis ins Leben rief und mit dem besonderer Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ausgezeichnet wird.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Der zehnjährige Tom „Brick“ Drewitz baute sein Traumschiff in drei Tagen aus 9080 Steinen, auch das Innenleben der Titanic konnte bewundert werden.⇒Foto: Roland Spether
vor 10 Minuten
Achern
Bei der Acherner Modellbahn-Ausstellung ziehen ein detailgetreuer Schiffsnachbau und weitere Modelle die Blicke der Besucher auf sich. Aber auch so manche alte Schätze erleben hier ein Comeback.
Bürgermeister Christoph Lipps, Ulrike Ebert-Huber vom Weltladen, Udo Woelki und Eva Woelki von Paula, Ute Hohmann-Klose und Rainer Bender vom BUND (von links) waren bei der Eröffnung mit dabei.
vor 3 Stunden
Neu eröffnet
Die Ausstellung "Glänzende Aussichten" zeigt bis Mitte Dezember an verschiedenen Orten eine humorvolle und zugleich nachdenklich stimmende Auseinandersetzung mit drängenden Themen der Zeit.
Die Masterstudentin Michaela Tschan hat sich mit der Gewalt gegen Frauen durch die französische Besatzungsmacht von 1945 bis 1948 befasst. Ein Stadtplan zeigt die Punkte, an denen es zu solcher Gewalt kam.
vor 21 Stunden
Einiges ist bekannt
In einer Bachelor-Arbeit hat Michaela Tschan aus Achern jenen Frauen eine Stimme gegeben, die ab 1945 von den französischen Besatzern physisch, psychisch und auch sexuell misshandelt wurden.
Die Grundschule in Gamshurst.
vor 21 Stunden
ARZ-Geflüster
Im ARZ-Geflüster geht es um Spatenstich für den Windpark Hummelsebene und die Reaktionen darauf. Nicht nur die Kirche sollte im Dorf bleiben, auch die Grundschulen in den Acherner Ortschaften sind unverzichtbar.
Um Einsamkeit ging es beim letzten „Forum am Nachmittag“ in diesem Jahr. Vorne standen (von links) Margit Ilzhöfer, Urte Bejick und Magdalena Seiser.
23.11.2024
Thema beim Forum am Nachmittag in Achern
Einsamkeit muss nicht immer negativ sein, sie greift aber mit zunehmendem Alter um sich. Wenn Beziehungen zerbrechen oder Vertraute sterben, braucht es Veränderung. Das Forum in Achern sprach darüber.
Für seine Arbeit als Historiker wurde Heinz G. Huber am Donnerstag in Nattheim ausgezeichnet. ⇒ Archivfoto: Peter Meier
23.11.2024
Oberkirch-Nußbach
Der Nußbacher Historiker Heinz G. Huber ist für seine jüngste Arbeit ausgezeichnet worden. Darin zeichnet er die Wege in die Moderne der Stadt Oppenau im 19. Jahrhundert auf.
Wald erfüllt viele Funktionen. In Sasbachwalden dient er als Geldquelle, als Ausgleichsfläche für den Bau von Windrädern und zur Erholung. Wanderer werden künftig hier wohl weniger Sitzbänke vorfinden.
23.11.2024
Sichere Quelle an Einnahmen
Im Sasbachwaldener Wald wird es künftig wohl weniger Sitzbänke geben, weil Waldbesitzer für deren Sicherheit verantwortlich sind. Kommendes Jahr werden mehr Bäume gefällt als zuletzt.
35 Jahre lang leitete Bettina Käppeler den Käthe-Luther-Kindergarten. Heute wird sie mit Gottesdienst und Feier von Kollegen, Familie und Kindergartenkindern verabschiedet. 
23.11.2024
Oberkirch
Bettina Käppeler wird nach 35 Jahren als Leiterin der Käthe-Luther-Kindergartens in Oberkirch verabschiedet. Sie freut sich auf Neues und blickt auf ihre Zeit im Kindergarten zurück.
23.11.2024
De Pankraz
Bevor es das Telefon gab, wurden nur sehr wichtige Nachrichten mit einem Boten oder bei den Indianern mit Rauchzeichen übermittelt. Heutzutage ist das ein bisschen anders, hat sich der Pankraz überlegt. Was da alles per Handy an Infos übermittelt wird ...
Marode Wasserrohre brachte der Laufer Wassermeister Thomas Kropp mit in den Ratssaal. Die Leitungen zu unterhalten, ist eine Daueraufgabe der Gemeinde.
23.11.2024
Rostende Rohre und neue Straßenlampen
Stundenlang durchforsten die Laufer Gemeinderäte den Entwurf des Haushaltsplans auf der Suche nach Einsparpotenzial. Bürgermeisterin Kist plädiert dafür, nichts zu streichen, alles sei wichtig.
Der Schwarzwaldverein Achern ist auf sehr gutem Weg, nun wurden Mitglieder für 40 und 25 Jahre geehrt. (Von links) Rosemarie Meier, die zweite Vorsitzende Anthea Kettle, OB-Stellvertreter Karl Früh, Erna Feicke, Vorsitzender Christoph Eitel und Norbert Friedmann.
23.11.2024
Nach dem Tiefpunkt vor drei Jahren
Seit der Krise vor drei Jahren hat das neue Vorstandsteam des Schwarzwaldvereins Achern einen regelrechten Boom ausgelöst. Die Mitgliederzahlen steigen in einer Tour.
Hier könnten bald große Windräder die Berg-Silhouette überragen. Das gefällt nicht jedem. 
23.11.2024
Oberkirch
Roswitha Huber aus Ebersweier spricht den Gegnern des Windparks Hummelsebene ihre Anerkennung aus. Sie fordert mehr Respekt vor dem Wald und andere Wege zur Energieerzeugung.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Alles für die Gesundheit unter einem Dach: Das bietet das Top-Life Gesundheitszentrum Benz in Berghaupten. 
    12.11.2024
    Top-Life Gesundheitszenrtum Benz Berghaupten zieht Bilanz
    Das Team des Top-Life Gesundheitszentrums Benz in Berghaupten blickt auf ein ereignisreiches und vor allem sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Und auch für 2025 werden schon fleißig Pläne geschmiedet.
  • Im repräsentativen BIZZZ-Gebäude an der Freiburger Straße in Offenburg hat der unabhängige Vermögensverwalter azemos seinen Hauptsitz.
    06.11.2024
    azemos Vermögensmanagement – eine feste Größe in der Ortenau
    Mit einem innovativen und unabhängigen Vermögensverwalter an der Seite ist die Geldanlage alles andere als ein Glücksspiel. Die Experten von azemos in Offenburg machen ihre Arbeitsweise transparent.
  • Das Team der Schreinerei Ferdinand Lehmann arbeitet an modernsten Maschinen und stellt ein. Gesucht wird ein Schreinermeister oder Holzbautechniker.  
    01.11.2024
    Schreinerei Ferdinand Lehmann verstärkt das Team
    Plameco-Spanndecken, Möbel nach Maß, Küchen, Fenster oder Türen aus Schreinerhand: Die Schreinerei Ferdinand Lehmann in Zell a. H. steuert mit einem großen Portfolio und vielen Plänen in die Zukunft. Im ersten Schritt soll das Team um einen Holzprofi wachsen.
  • Zieht viele Besucher an: Die Afterwork-Partys im Offenburger LIBERTY Hotel sind beliebt.
    30.10.2024
    7. November: XXL-Afterwork – Season-Closing
    LIBERTY und reiff medien laden am 7. November zur LIBERTY XXL-Afterwork-Party ein! Freu dich auf herausragende Weine, tolle Cocktails, ein einzigartiges Ambiente und beste musikalische Unterhaltung – die ideale Gelegenheit für entspannten Feierabend-Businessaustausch.