Oppenau-Lierbach

Allerheiligen-Wasserfälle: spektakulärer Teil des Nationalparks

Autor: 
Bernhard Huber
Lesezeit 5 Minuten
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13. Januar 2021

(Bild 1/2) Mit der Gründung des Nationalparks Schwarzwald ging die Obhut über die Wasserfälle 2014 vom Forst auf die Nationalparkverwaltung über. ©Bernhard Huber

1840 erschloss der Forstmeister Eichrodt die Allerheiligen-Wasserfällen. Seit 2014 gehört das sehenswerte Naturschauspiel zum Nationalpark Schwarzwald. Das sorgt für zusätzliche Besucher.

„Eine Spur wilder“. Diese Aussage des Nationalpark Schwarzwald, wo trifft sie  mehr zu als für die Allerheiligen Wasserfällen im Lierbachtal? Um zig Spuren  „wilder“ wurde das einzigartige Naturschauspiel wohl angetroffen bei seiner  Erschließung vor 180 Jahren.  

 Wie die Tafel am unteren Eingang der Wasserfälle heute informiert, wurde der Weg  durch die Wasserfallschlucht in den Jahren 1963/64 durch das staatliche Forstamt  Ottenhöfen renoviert. Dabei dürften wohl auch die Holzgeländer durch eine  Eisenkonstruktion ersetzt worden sein. Durch die permanente Feuchtigkeit in der  Schlucht waren diese sehr korrosionsanfällig und musst öfters neue gestrichen  werden. Mit der Verwaltungsreform Anfang der siebziger Jahre ging die Pflege  und die Sicherung der Wasserfälle an das Forstrevier Allerheiligen innerhalb des  Forstamtes Oberkirch.  

Der zunehmende Besucheransturm machte den Sandsteintreppen zu schaffen, sie  traten sich immer mehr aus. 1978 wurden die meisten Stufen gewendet. Eine  erste Treppe wurde durch Granitstufen aus dem Granitsteinbruch Bühlertal  ersetzt. Im Zeitraum von 1994 bis 1996 lief der Tausch von alten  Eisenrohrgeländern durch verzinkte Pfosten in Kombination mit Eichenholz.  Um 1985 ersetzte man die alten Holzbrücken durch neue. „Leider verwendete  man damals auch für die Unterzüge Douglasienholz“, sagt Peter Schmiederer,  Leiter des Forstreviers Allerheiligen. 

Zu feucht für Douglasien

„Die Douglasie ist aber im feuchten Milieu  nicht sehr dauerhaft“. So mussten bereits 2005 nach nur zwanzig Jahren Standzeit  die Brücken abermals erneuert werden. Jetzt wurden für die Unterzüge Eiche und  für Beläge und Geländer Douglasie verwendet.  „Bis in die jüngste Vergangenheit gab es nahezu jährlich schwere Schäden durch  Lawinen und Murenabgänge, die immer wieder mühevolle Instandsetzungen an  Treppen und Geländern zur Folge hatten“, verdeutlicht Schmiederer. 

„Auch die Hochwasserschäden waren immer wieder beträchtlich. So  wurden manchmal nahezu alle Brücken weggerissen“. Was der heutige Besucher  nicht mehr wahrnehmen kann: Im oberen Teil gab es eine später gebaute Brücke  zu einem kleinen Pavillon am Fuße des Studentenfelsen. Auch sie fiel einem dieser  schweren Hochwasser zum Opfer. Auf historischen Bildern ist sie immer wieder zu  sehen. Bis zur Übergabe an den Nationalpark seien in jedem Frühjahr durch  Schüler des Waldschulheimes Höllhof je nach Erfordernis zwischen 8 und 16  Tonnen Schotter in die Fälle getragen worden um den Wanderweg als solchen zu  erhalten, verdeutlicht Schmiederer.  

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Mit der Errichtung des Nationalpark Schwarzwald ging 2014 die Obhut für die  Wasserfälle Allerheiligen vom Forst auf den Nationalpark über. „Zu den Aufgaben  des Nationalparks gehört es auch die Infrastruktur instand zu halten“, meint  Patrick Stadler als leitender Ranger. In diesem Zuge habe man in diesem Sommer  auch neue Sitzgruppen installiert.  Patrick Stader über die Wasserfälle: „Sie und auch die Schlucht sind an sich ein  besonders schützenswertes Biotop. Es ist Brut- und Nahrungsraum für  Wanderfalken, aber auch für kleinere Vogelarten, wie beispielsweise die  Wasseramsel oder die Gebirgsstelze“. 

Tiere schützen

Um sensible Bereiche besser schützen zu  können habe man einige davon mit Kordeln abgesperrt und klarer beschildert.  „Denn wenn die Gäste die Wege verlassen, die Wasserfläche betreten, oder sogar  in den Gumpen schwimmen, werden die Tiere sehr gestört“. Um den  Besucherinnen und Besuchern dennoch etwas Wasser zu gönnen, habe man  oberhalb und unterhalb der Wasserfälle Bereiche eingerichtet, in denen auch das  Wasser betreten werden dürfe.  „Zusammen mit dem Lotharpfad sind die Wasserfälle der meist besuchte Ort im  Nationalpark, bei beiden zählen wir um die 100 000 Besucher pro Jahr“, weiß  Dominik Rüede, zuständig fürs Besuchermonitoring im Nationalpark. „Im  Zeitraum April bis Juni 2020 hatten wir – wohl bedingt durch Corona-Krise –  nochmal 20 Prozent mehr Gäste an den Wasserfällen, parkweit sogar 50 Prozent  mehr“. 

In der Sommerzeit von Anfang Mai bis Ende August gebe es regelmäßig  Wochentage, meist sonntags, an denen die Wasserfälle Allerheiligen auf mehr als  eintausend Besuche kämen.  Das Team der Ranger sei auch im Gebiet Allerheiligen regelmäßig unterwegs, um  den Besucherinnen und Besuchern diesen besonderen Lebensraum  näherzubringen – und gleichzeitig auf dessen Schutz zu achten, verdeutlicht der  leitende Ranger Patrick Stader. Auch biete man regelmäßig Führungen im Rahmen  des Jahresprogramms, gebuchter Veranstaltungen oder auch mit den  Juniorrangern an. 

„Im Moment überlegen wir außerdem noch, wie der schon in  die Jahre gekommene Sagenrundweg wieder erneuert und ausgeschildert werden  kann“, sagt Patrick Stader.  Der Sagenrundweg wurde einst installiert mit Unterstützung der Firma  Fahrzeugbau Doll und des staatlichen Forstamtes Oberkirch. Start ist am unteren  Parkplatz der Wasserfälle. 

Nach dem Durchstieg der Fälle führt er zum Ehrenmal  des Schwarzwaldvereins und zur Klosterruine. Auf der Rückschlaufe geht’s zur  Engelskanzel mit ihrem großartigen Ausblick und von dort durch den Wald  abwärts zum Ausgangspunkt. Die Gegend um Wasserfälle und Allerheiligen ist  sagenumworben. Texttafeln informieren den Wanderer an verschiedenen  Punkten des Rundweges über Sagen wie „Das steinerne Bild der Zigeunerin“, „Der  Reitersprung“, „Der Studentenfelsen“, „Die Engelskanzel“, „Der Klosterbruder  Pauli“ und natürlich die Gründungssage zum Kloster Allerheiligen von der Herzogin  Uta und dem Esel.    

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