Achern

Amtsgericht Achern: Schubsen oder Faustschlag?

Bodo G. Toussaint
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06. April 2024
Um den Vorwurf der Körperverletzung ging es vor dem Amtsgericht in Achern.

Um den Vorwurf der Körperverletzung ging es vor dem Amtsgericht in Achern. ©Christoph Breithaupt

Beim Verfahren um den Vorwurf der Körperverletzung steht Aussage gegen Aussage. Das Gericht stellt das Verfahren ein.

Er soll seinem Kontrahenten einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben, mit der Folge einer Schädel- und Gehirnprellung, so hieß es immerhin in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Das hatte für den Angeklagten einen Strafbefehl zur Folge gehabt, in dem er wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Permanent ausgebremst

Das aber mochte der 39-jährige Maschinen- und Anlagenführer aus Kasachstan, deutscher Nationalität, so nicht auf sich sitzen lassen. Er hatte Einspruch gegen das Urteil eingelegt. In seiner Einlassung bei der nun mündlichen Verhandlung am Amtsgericht Achern gab er an, dass er mit seinem 3,5-Tonner Zeitungspakete ausfuhr, als er von einem schnittigen BMW vor ihm aus für ihn unerfindlichen Gründen permanent ausgebremst und schließlich sogar mit einer Vollbremsung genötigt worden war. Zudem in der Begleitung seines 14-jährigen Sohnes habe er sich erheblichen Gefahren ausgesetzt gesehen.

„Was glauben Sie, hat den Mann dazu veranlasst?“, wollte Richterin Katharina Ochs wissen. „Mein Laster steht hoch und ist weich gefedert, da habe ich ihn möglicherweise manchmal mit den Scheinwerfern geblendet!“. Als er dann an der Lieferadresse angehalten habe, sei der BMW noch immer vor ihm gewesen. Der Fahrer sei ausgestiegen und bedrohlich auf ihn zugekommen und habe seine Fahrertür aufgerissen. „Da habe ich`s mit der Angst bekommen, bin auch ausgestiegen und habe ihn von mir gestoßen!“, erklärte er und betonte: „Ich habe diesen Mann aber nicht geschlagen!“

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Fast deckungsgleich, nur mit umgekehrten Vorzeichen hörte sich nun die Version des 28-jährigen Geschädigten an. Er war mit seiner seinerzeit schwangeren Freundin unterwegs, die dann als Zeugin seine Aussage bestätigte. „Er hat uns beständig verfolgt, ist extrem nah auf uns aufgefahren und hat uns mit der Lichthupe geblendet!“

Da blieb freilich die Frage im Raum stehen, warum er denn nicht dem schwerfälligen Lkw davongefahren war und sich überhaupt von ihm habe behelligen lassen. Der Zufall wollte es, dass er dort wohnte, wo der Lastwagenfahrer gerade sein Zeitungspaket ablieferte. Da sei er ausgestiegen und auf ihn zugegangen, um zu fragen,… „was das denn solle?“

Frau hat geschrien

Auf die Frage der Richterin, ob er denn auch die Fahrertür des Lastwagens aufgerissen habe, versagte sein Erinnerungsvermögen. Seine Frau, so führte er weiter aus, habe in diesem Moment laut geschrien – was sie in ihrer Zeugenaussage in diesem Moment mit diffusen Ängsten begründet hatte –, und er habe dann von dem Fahrer einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. Daraufhin habe man die Polizei verständigt. Der Geschädigte legte der Richterin einen Krankenbericht vor, der neben einem Foto mit leicht geröteter Wange, die Schädel- beziehungsweise Gehirnprellung aus der Anklageschrift bestätigte.

Auch die Aussage der ermittelnden Polizeibeamtin vermochte weder zugunsten des einen noch des anderen Kontrahenten beizutragen, denn die Ermittlungen hätten schon seinerzeit am Ort des Geschehens kein eindeutiges Bild ergeben. Ein klassisches Patt, dem selbst die Staatsanwaltschaft nichts entgegenzusetzen vermochte, was eine belastbare Anklage hätte begründen können. So stimmte sie dem zu, was die Richterin schon angeregt hatte, nämlich das Verfahren ohne Auflage nach Paragraf 153 einzustellen. 

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