Renchen

Anbau an das Simplicissimus-Haus eingeweiht

Autor: 
Kerstin Handsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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19. Juni 2015

Schlüsselübergabe (von links): Bürgermeister Bernd Siefermann, Stadtbaumeister Robert Brandstetter, Klaus Brodbeck, Vorsitzender der Grimmelshausenfreunde Renchen, und Architekt Andreas Adler. ©Kerstin Handsteiner

Das Simplicissimus-Haus wurde um einen Veranstaltungsraum und ein Archiv erweitert. Nach einem Jahr Bauzeit konnte am Donnerstagabend der Anbau eingeweiht werden.

»Komm Trost der Nacht, o Nachtigall« – mit der Vertonung des Grimmelshausentextes begrüßte Heinz Schäfer, zweiter Vorsitzender der Grimmelshausenfreunde, auf seiner Flöte die Gäste, ehe Bürgermeister Bernd Siefermann zum Mikrophon schritt.

Die Liste derer, die er namentlich nannte, war lang, hatten sich doch viele für die Realisierung des Anbaus engagiert. »Dafür, dass dieses große Geburtstagsgeschenk für die Grimmelshausenstadt Renchen möglich wurde, haben viele Dank verdient«, sagte der Schultes und erwähnte Vertreter von Wirtschaft, Kultur und öffentlichem Leben, Grimmelshausenfreunde, Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter, den Architekten, planende und ausführende Unternehmen sowie zahlreiche Spender, durch deren Großzügigkeit 250 000 Euro zusammen kamen. 800 000 Euro genehmigte der Gemeinderat, zudem weitere 135 000 Euro für den Café- und Bistro-Bereich, der folgt.

Siefermann wünschte sich, dass durch den Anbau das Erbe des Dichters noch besser vermittelt werden könne und dass das vergrößerte Haus nun »ein noch bedeutenderer Ort der Begegnung und des Erlebens von Kunst, Kultur und Literatur werden möge«. Als Gründe, die den Anbau notwendig gemacht hätten, nannte er etwa die Barrierefreiheit, neue Möglichkeiten für Veranstaltungen sowie eine fach- und sachgerechte Archivierung. »Lediglich ein Fünftel der vorhandenen Kunstwerke ist den Gästen zugänglich gemacht«, verwies Siefermann, dass anhand von Sonderausstellungen noch nicht gezeigte Illustrationen präsentiert werden könnten.

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Brandaktuelle Themen

Als »großartige Leistung« wertete Klaus Brodbeck, Vorsitzender der Grimmelshausenfreunde, die Spenden:  »Dies zeigt, wie hoch die Akzeptanz der Einrichtung ist.« Dass sich Grimmelshausen vor Hunderten von Jahren bereits mit Themen (Bildung, Geld, Ethik und Moral, die griechische Demokratie) beschäftigt hatte, die heute brandaktuell seien, zeige seine großartige Leistung. Deshalb, so Brodbeck, sei es gerechtfertigt, dass für den Erhalt seines Erbes »so viel Geld« ausgegeben werde. »Er hat aktuelle Themen erkannt, in lustigen Geschichten verarbeitet und so auf unterhaltsame Art Wissen vermittelt«, würdigte Brodbeck des Dichters Kunst.

Architekt Andreas Adler, der den Verantwortlichen symbolisch den Schlüssel übergab, bezeichnete den Anbau als »Umarmung des historischen Schatzes« und ging etwa auf die optische Gestaltung des Veranstaltungsraumes mit blankem Beton ein, was wohl bei einigen Gästen für Irritation gesorgt hatte. Die völlige Verdunklung des Raumes ermögliche zudem die Ausstellung von »lichtscheuen Bildern«, wie jenen von Tomi Ungerer, die im Herbst gezeigt werden.

Nach einem Zwiegespräch zwischen Simplicissimus (Heinz Schäfer) und der Courage (Doris Schlecht) mit dem Titel »Ein Liebesverhältnis« klang die Einweihungsfeier bei einem Stehempfang aus. Die Gäste konnten zudem die Fotoausstellung »Altes und Verstecktes in Renchen« betrachten, die von Karin Hartmann-Müller und ihren Schülerinnen aus der Klasse 8 a der Grimmelshausenschule geschaffen worden war.

Hintergrund

Die Meilensteine

1984: Unter Bürgermeister Erich Huber wird das ursprüngliche Gebäude, ein Ackerbürgerhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, von der Stadt gekauft.

1992: Unter Bürgermeister Klaus Brodbeck findet ein Architekturwettbewerb statt, den die Architektengemeinschaft Adler & Retzbach gewinnt.

1998: Am 2. Oktober wird das Simplicissimus-Haus eingeweiht.

2015: Am 18. Juni erfolgt die Einweihung des Anbaus.

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