Achern

Anstalt sollte Ludwig II. heilen

Autor: 
Wolfgang Winter
Lesezeit 3 Minuten
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21. September 2013

Referent Hans-Jürgen Vogt. ©Daniela Busam

Hans-Jürgen Vogt skizzierte in den Illenau-Werkstätten die Verbindung zwischen dem badischen Herrscherhaus und Christian Roller, dem Initiator der Illenau. Großherzog Ludwig II. wurde im 19. Jahrhundert wegen eines »Nervenleidens« in Achern behandelt.

In dem Vortrag, den Hans-Jürgen Vogt am Donnerstag auf Einladung des Förderkreises Forum Illenau und des Historischen Vereins Achern hielt, stand das Schicksal von Ludwig II. (1824 bis 1858) im Mittelpunkt, dessen Nervenerkrankung  von Illenauer Ärzten behandelt wurde. Christian Rollers Vater wurde 1804 zum Leiter des Pforzheimer »Siechenhauses« und damit zum »ersten Irrenarzt Badens« ernannt. Die Führung des »Zucht- und Tollhauses« sollte die psychisch Kranken des von Großherzig Karl Friedrich von Baden regierten Landes angemessen unterbringen und behandeln.
Auf Karl Friedrich folgte 1830 sein Sohn Leopold, dessen fortschrittliche Politik von Vogt hervorgehoben wurde. Seine beiden Söhne, Ludwig, der 1824 zur Welt kam und der zwei Jahre später geborene Friedrich, galten als »schöne Jünglinge«, deren Erzieher, Carl Rinck, beispielhaft wirkte, wie Vogt erklärte. 1842 vertrat Ludwig das Haus Baden bei einem Festakt in Köln. Sein »sicheres Auftreten machte einen großen Eindruck« notierte der Bruder.
Gemeinsam folgten sie im Herbst 1842 einer Einladung des Kaisers von Österreich nach Wien, »wo sie in die große Welt eingeführt werden sollten«. Danach litt Ludwig, durch ein »Übermaß von geselligen Verkehr« an einer »Überreizung der Nerven«. »Der Kontrast zwischen dem stillen und gleichmäßigen Leben in Karlsruhe und dem bewegten Treiben der Wiener Gesellschaft war zu groß«, zitierte Vogt.
Steter Sorgeschleier
Nach ihrer Rückkehr studierten die Brüder bis Mitte 1845 in Heidelberg. Eine vom Vater verhinderte eheliche Verbindung mit einer russischen Großfürstin und der Tod der jungen badischen Großfürstin Marie im Jahr 1846, »legte einen Sorgenschleier über Ludwig«, der nicht mehr weichen sollte.
Eine Reise nach Ostende brachte kurzfristig Besserung, doch schon bald entschieden die Ärzte den Erbgroßherzog zur Erholung nach Italien
zu schicken. Ludwigs Begleiter drängten bei Hofe jedoch nach zwei Monaten zur Rückkehr, um dem Thronprinzen einer »ernsthaften ärztlichen Behandlung zu unterziehen«. Christian Rollers und Karl Hergts wiederholter Versuch, ihn in die Illenau einzuweisen scheiterte. Ludwig, dem düstere Vorstellungen quälten und innere Stimmen hörte, wurde im Laufer Weingut Aubach untergebracht. Ende 1847 erklärte Roller »eine Heilung nicht für ausgeschlossen«.
Nach der badischen Revolution wurde jedoch »eine wesentliche Verschlimmerung der Leiden festgestellt«. 1852 starb der Vater. Christian Roller wachte über die letzten Lebensstunden des Großherzogs, wie Acherns Stadtchronist Gerhard Lötsch im Detail überlieferte.
Im März 1852 wurde Ludwig wegen einer »nicht heilbaren Geisteskrankheit« für »regierungsunfähig« erklärt und starb 1858 im Alter von 33 Jahren. Unter der Regentschaft seines Bruders, Großherzog Friedrich I, wurde die Illenau weiterhin stark gefördert und galt noch über Jahrzehnte als »europäische Musteranstalt«.
Hans-Jürgen Vogt beantwortete am Ende seines gut besuchten Vortrags noch viele Fragen interessierter Zuhörer.

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